Sozialer Status spielt eine Rolle

Krankenkassen: Busfahrer sind am häufigsten krank

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Hohe Verantwortung: Busfahrer sind am häufigsten krank. Die Göttinger Verkehrsbetriebe haben mehrere Angebote, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu verbessern – mit Erfolg.

Göttingen. Wer im Bereich Verkehr und Lagerhaltung arbeitet, ist am häufigsten krank. Das geht aus Zahlen mehrerer große Krankenkassen hervor.

Laut Barmer sind Busfahrer im Schnitt 32 Tage pro Jahr krankgeschrieben. Hochschullehrer und Forscher sind hingegen mit sechs Tagen am seltensten krank. 

Laut Martin Kuhlmann vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) liegt dies an mehreren Faktoren: „Bei Busfahrern und Lastwagenfahrern gibt es eine Prekarisierung des Arbeitsplatzes. Zudem lastet auf diesen Berufen eine hohe Verantwortung, das heißt man kommt leicht krank eher nicht zur Arbeit. Aber auch die schlechten sozialen Bedingungen spielen eine Rolle.“ 

Bei Lageristen kommt laut Kuhlmann eine zugige Arbeitsumgebung hinzu. Dadurch steige die Zahl der Atemwegserkrankungen. Doch auch andere Faktoren, wie die Verpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber, der Job selbst, sowie der soziale Status spielen eine wichtige Rolle. Kuhlmann: „Wenn eine Tätigkeit hoch angesehen ist, kommen die Mitarbeiter eher zur Arbeit.“ 

Höhere Anforderungen 

Dass die Zahlen der Krankheitstage generell gestiegen ist, begründet Kuhlmann mit den höheren Leistungsanforderungen. „Früher wurden die Leute mitgeschleppt. Der Leistungsdruck sorge auch für eine höhere Zahl an psychischen Erkrankungen. 

Laut den Krankenkassen sind die vier häufigsten Diagnosen: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebe, Psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Atmungssystems, sowie Verletzungen und Vergiftungen. Die Häufigkeit ist je nach Berufsgruppe jedoch unterschiedlich. Die Abweichung bei den Krankheitstagen und Art der Erkrankungen beruht laut Krankenkasse DAK an der unterschiedlichen Wirtschaftstruktur der Bundesländer.

Ernährung, Sport und Mitsprache

Mitarbeiter in den Bereichen Verkehr, Lagerhaltung und der Altenpflege sind am häufigsten krank. Doch nicht nur bei den Berufsgruppen verteilen sich die Krankheitstage unterschiedlich. Auch das Geschlecht ist ein Faktor. Martin Kuhlmann vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) erklärt: „Dass Frauen häufiger krank sind, liegt nicht unbedingt am Geschlecht. Der Arbeitsmarkt ist immernoch stark nach Geschlechtern segregiert.“ So gäbe es manche Berufe, in denen der Frauen- beziehungsweise Männeranteil 70 bis 80 Prozent betrage.

Schutz vor Krankheit

Doch können Arbeitnehmer auch etwas tun, um ihre Situation zu verbessern? Kuhlmann sagt: „Es ist zwar etwas abgedroschen, aber Bewegung und gute Ernährung helfen dabei, gesund zu bleiben.“ Arbeitnehmer könnten aber zumindest versuchen, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. So sei es erwiesen, dass in Unternehmen mit Personal- oder Betriebsrat die Situation besser sei. „Selbst Gespräche unter den Mitarbeitern, wie man die Arbeitsbedingungen verbessern kann, haben einen positiven Effekt.“

Wenn Mitarbeiter sich stärker mit dem Unternehmen identifizierten, sinke die Zahl der Krankheitstage am ehesten. Das kann laut Kuhlmann erreicht werden, wenn es mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Mitspracherecht gebe.

Kuhlmann macht deutlich: „Wenn Kollegen ins Gespräch kommen und sich fragen, wie arbeiten wir, welche Probleme gibt es im Betrieb. Dadurch können Lösungen entstehen, die Mitarbeiter reflektieren über ihre Arbeit und sich selbst.“ Am effektivsten erwiesen sich jedoch zeitliche Freiräume.

Psychische Probleme

Davon abgesehen liege es jedoch an den Unternehmen, die Arbeit zu verbessern. Im Bereich der Verletzungen am Arbeitsplatz sind die Zahlen dank mehr Arbeitsschutz gesunken. Dafür steigen die psychische Probleme an.

Positives Beispiel aus der Uni-Stadt

Beim Thema Gesundheitsschutz gibt es in Südniederasschsen ein besonders positives Beispiel: Die Geschäftsführung der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) nutzt etwa das Angebot im betrieblichen Gesundheitsmanagement und stellt ihre Mitarbeiter für die Seminare frei. Zusätzlich gibt es für die Mitarbeiter Ernährungskurse, Schulungen oder eine aktive Pause mit Sportgeräte. Der Erfolg der Anstrengungen ist messbar: Der Krankenstand bei den GöVB sank von zwölf Prozent (2011) auf unter acht Prozent im Jahr 2016.

www.goevb.de

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