Jahrestag des Stauffenberg-Attentats

Kranzniederlegung: Aus Fehlern der Vergangenheit lernen

+
Gedenkstunde in Göttingen: Am Ehrenmal wurde anlässlich des 75. Jahrestages des Stauffenberg-Attentats ein Kranz niedergelegt.

Anlässlich des 75. Jahrestages des Stauffenberg-Attentates hat die Stadt Göttingen am Samstag mit einer Gedenkfeier an die Frauen und Männer erinnert, die damals ihr Leben riskierten, um das nationalsozialistische System zu stürzen.

Rund 40 Frauen und Männer waren zum Ehrenmal der Opfer des Widerstandes gegen Hitler am Stauffenbergring gekommen, um bei der Kranzniederlegung dabei zu sein. Weil sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler jedoch wegen eines Staus um 45 Minuten verspätete, war die Hälfte der Teilnehmer beim eigentlichen Akt bereits wieder gegangen.

„Wir stehen heute hier um Männern zu gedenken und ihrem Mut, ihr Leben dafür einzusetzen, um ein ganzes Land zu retten“, betonte Köhler zu Beginn seiner Rede. Auch wenn das Attentat missglückte, habe der Versuch doch ein Gutes gehabt.

„Es zeigte der Welt, dass es auch noch ein anderes, ein besseres Deutschland gibt und Menschen, die sich gegen Hitlers Regime stellen und den Nationalsozialismus mit all seinen Gräueln ablehnen“, so der Oberbürgermeister. „Das Risiko des eigenen Todes war ihnen sicherlich bekannt und dennoch war ihr Drang größer, die Gesellschaft wachzurütteln.“

„Das Erinnern sowohl an Schrecken als auch an Lichtblicke im Dunkeln ist inzwischen wichtiger denn je“, schlug Köhler eine Brücke in die Gegenwart. „Das Wort Widerstand wird derzeit auf unerträgliche Weise missbraucht“, betonte er. Ausgerechnet jene riefen das Wort Widerstand laut, die auch heute noch die Gräuel der Nazizeit als „Vogelschiss“ bezeichnen. „Widerstand wollen sie üben gegen die Menschlichkeit, gegen Zusammenhalt, gegen demokratische Grundwerte und gegen Andersdenkende“, sagte Köhler. All das habe es in diesem Land schon gegeben. „Gegen all das haben Graf von Stauffenberg und seine Kameraden gekämpft und dafür haben sie ihr Leben gelassen“.

Der Oberbürgermeister mahnte, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. „Der Horror des Dritten Reichs hat nicht mit Gaskammern begonnen, am Anfang waren es Worte“, sagte er. Heute erlebe man in Deutschland, dass die Ebene der Worte längst wieder verlassen worden sei. „Es wird wieder politisch gemordet in unserem Land“, so Köhler mit Blick unter anderem auf den gewaltsamen Tod von Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke. Beinahe erschreckender als die Taten selbst seien dabei die Reaktionen aus Teilen der Gesellschaft darauf. „Unverhohlen gibt es Sympathiebekundungen“, sagte Köhler. „Und das widert mich an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.