Neues Sportangebot für junge Patienten im Institut für Sportwissenschaften

Krebskranke Kinder machen Luftsprünge

Neues Sportangebot – Sport für krebskranke Kinder und Jugendliche. Da ist Mar del Plata! Thomas Körner mit Tochter Hannah (8) aus Witzenhausen, die einmal in Mar del Plata lebte. Foto: Kopietz

Göttingen. „Luftsprung“ heißt das neue Sportangebot für junge Krebs-Patienten, das am Sonntagnachmittag im Institut für Sportwissenschaften (IfS) der Uni in Kooperation mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) startete.

In den Sporthallen des IfS ist mächtig was los, die Kinder nehmen die von Mitarbeitern aufgebauten Spiel- und Sportlandschaften schon vor dem offiziellen Start in Beschlag: Sie klettern, chillen auf Matten-Schaukeln, spielen Badminton, balancieren und fuhren mit Mini-Autos umher.

Einen Luftsprung hatten der Ideengeber Prof. Dr. Christof Kramm, Leiter der UMG-Kinderkrebsklinik, und Prof. Dr. Ina Hunger, Sportpädagogin am IfS schon vorher gemacht: Frank-Walter und Silvia Eisenacher aus Göttingen hatten mit einer Spende von 15.000 Euro, gesammelt während einer Geburtstagsfeier, dafür gesorgt, dass es dieses Sportangebot für krebskranke Kinder nun auch in Göttingen geben kann. „Wir hätte es ohne diese großzügige Spende nicht realisieren können“, sagt Initiator Christof Kramm.

Der Kontakt zwischen Kramm und Silvia Eisenacher war im Lions-Club zu Stande gekommen. „Es ist ein wunderbares Projekt in der Region und das noch dazu so schwerkranken Kindern hilft, was gibt es besseres?!“, sagt Silvia Eisenacher. „Wir wollen das Projekt dauerhaft fördern.“

Wie toll das kleine Sportfest am Sonntag ankommt, ist sofort zu sehen. Die Kinder sporteln, probieren im FiZZ-Sportzentrum sogar ein leichtes Gerätetraining unter Anleitung der versierten IfS-Mitarbeiter aus. „Es soll kein Druck entstehen, den Kindern einfach nur Spaß machen“, sagt Arne Hillmann. „Wir wollen nicht trainieren.“

Mit dabei: Verena und Patrick Rißler mit Sohn Leo aus Rosdorf. Der Vierjährige hat gerade eine Chemo-Therapie in Göttingen hinter sich. Foto: Kopietz

Das würde die Kinder auch überfordern, die zum Teil geschwächt sind von langen, kräftezehrenden Therapien. Wie Leo, der begeistert in der Halle umherflitzt. Der Vierjährige aus Rosdorf hat gerade die Chemo-Therapie einer im Dezember festgestellten Krebserkrankung überstanden. Blitzschnell waren die Zellen gewuchert. Schnell aber schlugen auch die Killerzellen zu – „er hat eine gute Prognose“, sagt seine Mutter, Verena Rissler. „Das Sportangebot ist toll, für Leo besonders, er ist ein sehr aktives Kind.“

Während die Kinder aktiv sind, sitzen viele Eltern zusammen, bei Kaffee und Kuchen. „Viele haben sich durch die Zeit während der Therapien auf der Kinderkrebsstation kennengelernt, hier können sie sich treffen, zwanglos sprechen, das ist wichtig“, sagt Christof Kramm.

Wichtig ist auch der Austausch über die manchmal dramatischen Schicksale und darüber, dass alles gut ausgehen kann. Dafür steht Hannah aus Witzenhausen. Die Achtjährige lebte mit ihren Eltern in Mar del Plata (Argentinien). Die Leukämie wurde dort therapiert, später in Tübingen und Göttingen wurde Hannah nachbehandelt. „Jetzt ist alles gut“, wie Vater Thomas Körner sagt. Hannah schaukelt derweil am Seil und turnt auf dem Weltkugel-Ball, mit dem Finger zeigt sie auf Mar del Plata. Zum „Luftsprung“ will sie wiederkommen.

Hintergrund

Wöchentliches Sportangebot 

„Luftsprung“ ist ein Sportangebot für krebserkrankte Kinder und Jugendliche, oder solche, die ihre Therapie beendet haben. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Institut für Sportwissenschaften (IfS) der Uni. Verantwortlich sind Prof. Dr. Christof Kramm – Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Konik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Prof. Dr. Ina Hunger, Leiterin im IfS-Arbeitsbereich Sportpädagogik und -didaktik.

Das Projekt wird gefördert durch Spenden an die onkologische Kinderstation 4031. Betreut werden die Kinder und Jugendlichen durch Fachleute des IfS, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde dafür eingestellt. Die UMG stellt medizinisches Personal während der „Luftsprung“-Stunden ab.

Das Angebot ist kostenlos und findet ab sofort immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr in der Turnhalle am IfS im Sprangerweg 2 statt. Die UMG ist im übrigen nur wenige hundert Meter entfernt. Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung. Anfahrt über Gutenbergstraße oder Sprangerweg. (tko)

Informationen: Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Tel. 0551/39-6201, E-Mail: Paedonko@med.uni-goettingen.de, Spendenkonto: UMG, Konto: DE55260500010000000448, BIC: NOLADE21GOE, „Spenden Station 3031 KST 1351150“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.