Zahl der Nichtschwimmer steigt

DLRG schlägt Alarm: Immer weniger Kinder in Niedersachsen können schwimmen

Göttingen. 59 Prozent der Zehnjährigen in Niedersachsen können nicht sicher schwimmen. Dennoch meldet die DLRG weniger Badetote - auch dank guter Arbeit der Helfer.

Obwohl Schwimmen zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen gehört, nimmt die Zahl der Nichtschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge dramatisch zu. So sind 59 Prozent der Zehnjährigen laut einer Studie von 2017 keine sicheren Schwimmer, sagte DLRG-Sprecher Achim Wiese in Bad Nenndorf. „Und wer als Kind nicht schwimmen lernt, lernt es häufig nie mehr.“ Bundesweit ertrinken Wiese zufolge pro Jahr rund 500 Menschen.

In diesem Jahr gibt es in Niedersachsen bereits mehr Badetote als im vorigen Sommer. Bislang sind 41 Menschen ertrunken. 2017 waren es 34 bis Ende Juli.

Zahl der Badetoten ist gesunken

Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre sank die Zahl der Menschen, die beim Baden ertranken – trotz steigender Anzahl an Nichtschwimmern, sagte Wiese. Dies liege daran, dass die DLRG ihre Rettungsschwimmer besser ausbilde und flächendeckender einsetze als früher. Die DLRG mit Hauptsitz im niedersächsischen Bad Nenndorf ist nach eigenen Angaben die größte Wasserrettungs-Organisation der Welt. Rund 40.000 ehrenamtliche Rettungsschwimmer sind an der Küste, in Schwimmbädern und an Seen im Einsatz.

Besonders gefährdet seien Flüchtlinge, von denen nahezu hundert Prozent nicht schwimmen könnten, sagte der DLRG-Sprecher: „Die sehen ihre deutschen Freunde im Wasser Spaß haben und vergessen, dass sie selbst nicht schwimmen können.“ Insbesondere Baggerseen, die zunächst flach seien und plötzlich sehr tief abfielen, seien für Nichtschwimmer eine große Gefahr.

Als einen der Hauptgründe für den drastischen Anstieg an Nichtschwimmern nannte Wiese die Schließungen von Bädern: „Wir haben nicht genügend Wasserflächen, um ausbilden zu können“, sagte er. 25 Prozent der Grundschulen hätten keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad.

Ein weiteres neues Problem seien Eltern und Großeltern, die mehr auf ihre Handys als auf ihre schwimmenden Kinder und Enkel schauen. „Wenn ich mit meinen Kindern am Wasser bin, Augen weg vom Smartphone“, mahnte Wiese. Mitnehmen sollten Schwimmer ihr Handy trotzdem unbedingt, um im Notfall Hilfe rufen zu können.

Gefahren an der Küste

Besondere Gefahren lauern außerdem beim Baden an den Küsten: An der Nordsee sind die starken Strömungen bei ablaufendem Wasser besonders gefährlich. „Wenn Sie vor die scharfkantigen Buhnen mit Seepocken oder Miesmuscheln gedrückt werden, sehen Sie hinterher aus wie Dracula“, warnt Rettungsschwimmer Gerhard Judas auf Norderney. Judas und seine Kollegin Ina Fürstenau aus Detmold sind stolz darauf, dass auf ihrem 300 Meter breiten Strandabschnitt bisher nichts passiert ist.

Die beste Prävention gegen Badeunfälle lautet aus Sicht der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft: „Bringt euren Kindern schwimmen bei“, heißt es vom Landesverband Niedersachsen. Die Bedingungen für den Schwimmunterricht müssten dafür aber vielerorts besser werden. (epd/lni/bsc)

Rubriklistenbild: © Franziska Kraufmann/dpa

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