„Gute Einsatzkonzepte“

Kreisfeuerwehr-Verbandschef Willing spricht über die Feuerwehr in Corona-Zeiten

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Feuerwehrleute müssen bei Einsätzen flexibel reagieren: In Spiekershausen wurde bei einer Vorführung gezeigt, wie aus einer Fettexplosion in einer Bratpfanne ein Zimmerbrand entstehen kann.

Durch die Corona-Krise verändert sich auch die Arbeit der Feuerwehren. Wir sprachen dazu mit Martin Willing, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen.

Wie ist die Stimmung unter den Feuerwehren in der Region Göttingen?

Die ist unterschiedlich. Bei den freiwilligen Wehren ist der Dienst wie ein Hobby. Einige genießen die momentan freie Zeit, weil sie nicht ständig zum Ausbildungs- und Übungsdienst müssen. Andere haben hingegen wieder Lust auf den Feuerwehrdienst. Deshalb ist es gut, dass jetzt unter bestimmten Bedingungen wieder der Ausbildungsdienst möglich ist. Jeder Feuerwehrmann und –frau muss sich aber darüber im Klaren sein, dass bis auf Weiteres besondere Schutzmaßnahmen eingehalten werden müssen.

Ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren trotz der Corona-Krise gewährleistet?

Ja. Im Landkreis Göttingen hat sich keine Freiwillige Feuerwehr aus der Einsatzbereitschaft abgemeldet. In anderen Teilen Niedersachsens ist das vereinzelt passiert. In Südniedersachsen sieht es hingegen gut aus. Dazu haben die guten Corona-Einsatzkonzepte mit klaren Hygiene- und Abstandsregelungen der Städte und Gemeinden beigetragen. Diese Konzepte müssen weiter je nach Entwicklung der Lage angepasst werden. Alle Aktiven befolgen die Regelungen. Das bedarf Anerkennung und ich bedanke mich für die große Disziplin.

Wie sieht es mit der Schutzausrüstung für die Einsatzkräfte aus?

Schutzausrüstung stand anfangs nicht ausreichend zur Verfügung. Das führte zu einer großen Herausforderung bei der Beschaffung. Inzwischen ist bei vereinzelten Ortsfeuerwehren genügend Material vorhanden, aber das ging eben nicht von einem Tag auf den anderen. Einige Städte und Gemeinden hatten Glück, weil sie noch vom Vogelgrippe-Ausbruch 2006 Schutzausrüstung hatten und diese sofort einsetzen konnten.

Welche Materialien werden ständig benötigt?

Wir brauchen ständig Masken, Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel. Inzwischen ist das in vielen Städten und Gemeinden vorhanden, aber wir brauchen ständig Nachschub.

Wie werden die Abstandsregeln in den Feuerwehrfahrzeugen eingehalten?

Grundsätzlich sollten alle Feuerwehrleute im Fahrzeug Masken tragen. Außerdem wurde die Zahl der Mitfahrer reduziert. Um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können, müssen alle Einsatzkräfte im Dienstbuch festgehalten werden.

Wie hat sich das Einsatzgeschehen während der Corona-Krise entwickelt?

Es gibt etwa zweidrittel weniger Einsätze als sonst. Das ist aber nicht überraschend, weil weniger Menschen in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Dadurch gibt es weniger Verkehrsunfälle und Verletzte.

Gibt es durch die Corona-Krise neuartige Einsätze, die es zuvor nicht gab?

Nein, aber das Verhalten der Rettungskräfte beim Einsatz hat sich verändert. Alle sind mit Masken sowie Handschuhen geschützt und überlegen genau, wie sie einen Einsatz angehen, damit es nicht zu einem zu intensiven Kontakt kommt.

Gibt es konkrete Wünsche an die Bevölkerung?

Die Bevölkerung muss sich daran gewöhnen, dass Feuerwehrleute bis auf Weiteres nur mit Maske im Einsatz sind. Das gehört jetzt zum Alltagsbild. Es ist eben nichts mehr so, wie es vorher war. Und: Ich finde es klasse, dass es Firmen gibt, die Rettungskräfte mit besonderen Vorzügen unterstützen. Das hilft uns sehr.

Zur Person

Martin Willing (49) ist seit 1980 in der Feuerwehr engagiert. Zunächst war er bei der Jugendfeuerwehr, dann aktives Mitglied. Seit 1998 ist er Gemeindebrandmeister der Feuerwehren in Rosdorf. Ende 2017 wurde er zum Chef des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen gewählt. Martin Willing wohnt in Rosdorf.

Kreisfeuerwehrverbände: Wichtige Vertreter der Interessen der Einsatzkräfte

Der Kreisfeuerwehrverband Göttingen vertritt die Interessen von mehr 90 freiwilligen Feuerwehren, von zwei Werksfeuerwehren sowie einer Berufsfeuerwehr im Altkreis Göttingen. 

Der Kreisfeuerwehrverband Göttingen hat mehr 3300 Mitglieder, davon mehr 3000 in den Freiwilligen Feuerwehren. Daneben gibt es noch den Feuerwehrverband Duderstadt/Eichsfeld und den Kreisfeuerwehrverband Osterode am Harz. 

Die Kreisfeuerwehrverbände vertreten die Interessen der Aktiven gegenüber der Kommunalpolitik und sind damit die Dachorganisation der Feuerwehren. Weiterhin gehören unter anderem die Seniorenarbeit, die Brandschutzerziehung und die Kameradschaftspflege zu den Aufgaben. 

Neben den Aktiven kümmert sich der Kreisfeuerwehrverband Göttingen auch um die Förderung der Kinder- und Jugendfeuerwehren mit 2350 Mitgliedern sowie der zwei Feuerwehrkapellen AdeBar (Adelebsen/Barterode) und Varlosen.

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