Geldautomaten-Sprengungen

Kriminalisten: Panzerknacker haben Winterpause beendet

Verheerend: Der Schaden nach Geldautomaten-Sprengungen ist teilweise krass. Das Foto nach einer Sprengung in einer Volksbank-Filiale im niedesächsischen Habmühren steht stellvertretend dafür. Foto: dpa

Göttingen/Hann. Münden. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Hannover wurden in den vergangenen Wochen sechs Geldautomaten gesprengt, zuletzt in Wiershausen bei Göttingen, in Katlenburg-Lindau (Landkreis Northeim) und im Kreis Verden.

Sie kommen nachts und sprengen mit Hilfe von Gas Geldautomaten in die Luft. Dann sammeln sie die Scheine ein und verschwinden. Nach längerer Pause schlagen die Täter in Niedersachsen jetzt wieder vermehrt zu.

2016 hatte es in Niedersachsen knapp drei Dutzend Geldautomaten-Sprengungen gegeben, in Deutschland etwa 250. Bei den Taten wurden zum Teil hohe Geldbeträge erbeutet, immer entstand erheblicher Sachschaden.

„Wir gehen davon, dass für die aktuelle Serie polnische Täter-Gruppen verantwortlich sind“, sagte LKA-Sprecher Frank Federau. Es gebe Anhaltspunkte dafür.

Zerstört: Eine Detailaufnahme zeigt den Schaden an dem Geldautomaten in Wiershausen nach der Sprengung. Foto: Schulte

Für die Sprengungen von Geldautomaten im nordwestlichen Niedersachsen in den vergangenen Jahren werden dagegen vorwiegend Täter verantwortlich gemacht, die aus Holland einreisen.

Die niederländische Polizei hatte zuletzt Erfolg im Kampf gegen die Panzerknacker. Anfang April nahm sie in Utrecht einen 28-Jährigen fest, der 2016 mit Komplizen drei Bankautomaten in Niedersachsen und ein Dutzend weitere Geräte in Nordrhein-Westfalen gesprengt haben soll. Auch in Brandenburg konnten die Ermittler vor einigen Wochen eine Bande fassen. Um die Explosionen herbeizuführen, leiten die Kriminellen Gas in die Automaten ein, dann sprengen sie per Fernzündung.

Bisweilen halten die Geldautomaten den Explosion stand. „Es gab auch Sprengungen, bei denen das Geld vernichtet wurde“, sagte Federau. Das sei aber eher selten. Wie viel Geld die Panzerknacker erbeuten, sagt die Polizei nicht. In Vergangenheit aber wurde bekannt, dass es in Einzelfällen mehr als 50 000 Euro waren.

Viele Geldinstitute haben inzwischen auf die Gas-Attacken reagiert. „Wir investieren gezielt in Sicherheit“, sagte die Sprecherin des Sparkassenverbandes Niedersachsen, Julia Kittler. Die gesamte deutsche Kreditwirtschaft arbeite in enger Abstimmung mit der Polizei an geeigneten Sicherheitsmaßnahmen.

Bekannt ist, dass Banken in ihren Automaten inzwischen Farbkartuschen installieren. Sie sollen dafür sorgen, dass die Geldscheine bei einer Sprengung eingefärbt werden. Zudem werden Sensoren eingebaut, die erkennen, wenn Gas in die Automaten geleitet wird. Diese Sensoren sorgen selbstständig für Entlüftung und lösen zugleich Alarm aus.

Nach wie vor setzen Panzerknacker aber nicht nur auf Sprengungen. Manche Täter gehen konventionell vor und versuchen, Geldautomaten aufzubrechen – und haben damit Erfolg, so wie im Februar in Volpriehausen im Solling.

Attacken der anderen Art sorgen auch auch für Sachschaden: Ende März schleuderte ein Unbekannter eine überreife Banane gegen ein Gerät in Barßel (Kreis Cloppenburg). Teile gelangten in den Automaten und setzten ihn außer Betrieb. Ähnliches bewirkte ein Mann, der in einer Bankfiliale in Celle urinierte. Er traf aber keinen Geldautomaten, sondern einen Kontoauszugsdrucker – das Gerät wurde so stark beschädigt, dass es ausgetauscht werden musste. (dpa/tko)

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