Kriminologe Pfeiffer: Tat in Hameln war eine Hassorgie

Abgesperrt: Der Tatort in Hameln, wo ein Mann seine Ex-Frau an einem Seil hinter seinem Auto hergezogen hatte. Foto:  Polizei Hameln/nh

Göttingen/Hameln. Nach der brutalen Gewalttat in Hameln hat die Deutsche Polizeigewerkschaft die Justiz in Deutschland scharf kritisiert.

Der 38-jährige Mann, der die Mutter seines Sohns am Sonntagabend niedergestochen und an einem Seil mit dem Auto durch die Straßen geschleift haben soll, habe eine lange Gewaltkarriere hinter sich, sagte der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der „Passauer Neuen Presse“.

Er sei immer wieder durch Straftaten aufgefallen, aber dennoch nicht in Haft gewesen. „Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird“, kritisierte Wendt. Er sprach sich dafür aus, die Ausbildung und Berufung von Richtern zu überprüfen.

„Die volle Härte des Gesetzes heißt heute oft, wir stellen von Straftätern die Personalien fest, und Richter lassen sie wieder frei“, erklärte Wendt. Die Justiz betreibe nur noch Rechtspflege, viele Richter arbeiteten in einem „Rechtspflege-Kokon“.

So hätten zuletzt Hunderte von Polizisten wochenlang rund um die Uhr gearbeitet, um erfolgreich eine Razzia gegen die Salafisten-Szene starten zu können. Kurz darauf hätten sie erleben müssen, wie ein Gericht in Wuppertal die sogenannte Scharia-Polizei freispreche. „Das ist unfassbar und ein verheerendes Signal“, sagte Wendt. Die Polizei fühle sich „von der Justiz komplett alleingelassen“, erklärte er. „Die Justiz ist sich ihres Schutzauftrags nicht bewusst.“

Nach dem Verbrechen in Hameln schwebt das 28-jährige Opfer weiterhin in Lebensgefahr. Der Mann, er stammt aus einer kurdischen Großfamilie, ist wegen des Verdachts auf versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus. Der Oberbürgermeister von Hameln hat für Mittwochnachmittag zu einer Mahnwache gegen Gewalt aufgerufen.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer bezeichnete die Tat in einem NDR-Interview als ein „exzessive Hassorgie“. Die Frage sei, ob es um eine Botschaft an die Sippe der Frau gegangen sei. „Die öffentliche Demonstration einer versuchten Hinrichtung war möglicherweise auch gedacht als Demütigung für die Sippe der Frau.“

Die Tat sei nur „schwer ohne den kulturellen Hintergrund des ehemaligen Paares zu erklären“. In Familien dieser Herkunft sieht der Kriminologe eine „Dominanz, in der der Mann es nicht ertragen kann, dass die Frau eigene Wege gehen will“. Für diese These könnte sprechen, dass das Paar bereits seit längerer Zeit getrennt lebte. Der gemeinsame Sohn wuchs bei der Mutter auf. Pfeiffer spricht von einer „importierten Macho-Kultur“ in diesem Umfeld. (epd/tko)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.