Gruppe hatte Feuerwehr mit Böllern beworfen

Silvester in Göttingen: Gewerkschaft übt harte Kritik an Angriffen auf Einsatzkräfte 

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Balkonbrand im Göttinger Stadtteil Grone-Süd: Bei dem Einsatz in der Silvesternacht wurden Feuerwehrleute und Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Göttingen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen verurteilt die tätlichen Angriffe auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht und fordert harte Strafen für die Täter. Als Konsequenz befürwortet die Gewerkschaft die Einführung von Bodycams.

Aktualisiert um 17.10 Uhr - Kurz nach Mitternacht waren am Montag Polizisten und Feuerwehrleute bei einem Brandeinsatz im Göttinger Stadtteil Grone-Süd aus einer Gruppe von 50 bis 60 Personen heraus mit Böllern und Feuerwerksraketen angegriffen worden. Die Polizei musste massiv eingreifen, um die Lage zu beruhigen.

Bodycams sind aus Sicht von Dietmar Schillf, dem Vorsitzenden der GdP Niedersachsen, ein wichtiges Mittel, um die Straftäter auch beweissicher ausfindig machen zu können. Im Bereich der Polizeidirektion Göttingen sind Bodycams bereits in Hildesheim im Einsatz.

Dietmar Schilff

Schilff kritisiert hart die Angriffe auf die Einsatzkräfte: „Ein Angriff auf Einsatzkräfte ist auch ein Angriff auf den Rechtsstaat und die Demokratie“, sagt der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft. Schilff fordert deshalb, dass die im vergangenen Jahr neu geschaffenen Regelungen des Strafgesetzbuches zur Bestrafung tätlicher Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte auch konsequent angewendet werden.

„Es muss bei Gewalttaten gegen die Polizei und anderen Amtsträgern ein klares und unmissverständliches Zeichen gesetzt werden“, sagt der GdP-Landesvorsitzende.

Feuerwehr: Zeichen setzen 

Inzwischen meldet sich auch Martin Willing, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen und Gemeindebrandmeister von Rosdorf, in der Angelegenheit zu Wort: "Mit Blick auf die Silvesternacht kritisiere und verachte ich die gezielten An- und Übergriffe mit Feuerwerkskörpern auf Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei aufs Schärfste." 

Martin Willing, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen und Gemeindebrandmeister von Rosdorf

Willing erinnert an ein Gesetz, das im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Es sieht vor, dass genau solche Angriffe mit Freiheitsstrafen geahndet werden können. "Um klare Zeichen zu setzen, muss das Gesetz nun konsequent angewendet werden", fordert Willing.

Polizei: Böller kamen aus der Menge

Unterdessen stellt die Polizei klar, dass sich das Geschehen beim Balkonbrand in der Silvesternacht an Sollingstraße etwas anders zugetragen hat: 

"Nach den nunmehr vorliegenden Informationen hielten sich bei Eintreffen der ersten Funkstreifenwagenbesatzung der Polizei sowie des ersten Löschtrupps der alarmierten Feuerwehr etwa 50 bis 60 Personen auf dem Jonaplatz auf", so die Polizei. Als die beiden Beamten und die Feuerwehrleute zu Fuß auf dem zum Brandort waren, wurden "aus der Menschenansammlung heraus weiterhin Böller und andere Feuerwerkskörper" angezündet und auch geworfen. "Dabei rollten beziehungsweise flogen pyrotechnische Gegenstände zum Teil auch in Richtung der herannahenden Einsatzkräfte", heißt es in der Meldung vom Dienstag weiter. Nach Auswertung von Zeugenaussagen wird die Polizei prüfen, ob weiterer Straftatbestände vorliegen.

Angesichts der Situation im Stadtteil Grone-Süd wurden in der Silvesternacht sofort Einsatzkräfte der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, die in den Einsatz in der Innenstadt eingebunden waren, nach Grone entsandt, um die "weiteren erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung von Anwohnern und Löscharbeiten" zu gewährleisten. Nach Ansprache der Menschenansammlung und Aufforderung zum Verlassen des Bereiches durch die Beamten konnten die Löscharbeiten danach störungsfrei und ungehindert ablaufen, berichtet die Polizei.

Wegen des Brandes in dem betroffenen Wohn- und Geschäftshaus hat das Erste Fachkommissariat der Göttinger Polizei inzwischen die Ermittlungen wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung übernommen.

Hinweise zum gesamten Geschehen an der Sollingstraße beziehungsweise auf dem Jonaplatz nimmt die Polizei Göttingen unter Telefon 0551/491-2115 entgegen.

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