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Kritik an Bauplänen: Opposition warnt vor einem „Monstrum“ am Weender Tor

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Von: Michael Caspar

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Leerstehendes Gebäude auf dem Grotefend Areal in Göttingen.
Das Firmenlogo ist im rückwärtigen Bereich noch zu sehen: Das Unternehmen Grotefend füllte auf seinem Areal am Göttinger Stadtwall jahrzehntelang Coca-Cola ab. © Michael Caspar

Zum Entsetzen der Opposition im Göttinger Rat will das Ratsbündnis am Weender Tor noch mehr Geschossfläche ermöglichen, als bisher vorgesehen.

Göttingen – Eine Geschossfläche von bis zu 12.000 Quadratmeter will das Göttinger Ratsbündnis von SPD, CDU und FDP auf dem Grotefend-Areal am Weender Tor ermöglichen - zum Entsetzen der Opposition.

Mehr Bruttogeschossfläche als bisher vorgesehen, wünscht sich der Investor, die Hanseatic Group. Anderenfalls fehle dem geplanten Neubauprojekt in Göttingen, das Wohnungen, Büroflächen, Gastronomie und eventuell ein Hotel vorsieht, die „ökonomische Tragfähigkeit“. Das Haushaltsbündnis will daher den Bebauungsplan von Dezember 2019 ändern. Er lässt auf dem Areal nach umfassender Abwägung nur eine Bruttogeschossfläche von 7.000 Quadratmeter zu.

Grotefend-Areal am Weender Tor: Göttinger Haushaltsbündnis will Bebauungsplan ändern

Die Stadt stehe unter Zugzwang, da der Investor anderenfalls abzuspringen drohe, warnte der Ausschussvorsitzende, Dr. Ehsan Kangarani. Was dann dort entstehen könne, werde auch nicht unbedingt den Vorstellungen der Opposition entsprechen.

Grafik eines Architekturbüros eines Gebäudes in Göttingen
Ein erster Entwurf, wie das Areal am Weender Tor künftig aussehen könnte: An dem Projekt sind die Hildesheimer Hanseatic Group und die Sparkasse Göttingen beteiligt. (Archivbild) © Grafik/Foto: Hanseatic Projekt Göttingen GmbH

Es dürfe „keine Denkverbote“ geben, betonte der SPD-Fraktionschef, Tom Wedrins. Er mahnte „mehr Innovationsspielraum“ an und verwahrte sich dagegen, die Stadt unter eine „Käseglocke“ zu stellen.

Nach dem Willen der SPD sollen 5.000 Quadratmeter für Wohnen vorgesehen sein, davon 30 Prozent zu besonders günstigen Mieten, führte Sylvia Binkenstein aus. Zudem soll das Gebäude am Heinz-Erhardt-Platzes nicht höher werden als das Auditorium auf der anderen Straßenseite. Interessante Ideen erwartet sich das Bündnis von einem städtebaulichen Wettbewerb.

„Wir sind immer für Nachverdichtung, aber nicht an dieser Stelle“, hielt Dr. Dagmar Sakowsky (Grüne) dagegen. Die Opposition befürchtet einen „Koloss“, so Mattes Bauer vom Jugendparlament. Vor einem „Monstrum“ fürchtet sich Zuhörerin Renate Willenbrock-Heier. Göttingen drohe „eine gesichtslose, austauschbare Stadt“ zu werden, gab Sakowsky zu bedenken.

Opposition befürchtet einen „Koloss“ am Weender Tor

Das Naturdenkmal Wall sieht die städtische Naturschutzbeauftragte, Britta Walbrun, in Gefahr. Die mehr als viergeschossigen Gebäude nähmen den Bäumen auf dem Wall das Licht. Zudem verstellten sie - noch mehr als ohnehin schon in diesem Bereich - den Blick auf das Naturdenkmal, das es eigentlich „stärker freizustellen“ gelte.

Zuhörer Hansjochen Schwieger, langjähriger Vorsitzender des Göttinger Städtebaubeirats, erinnerte das Haushaltsbündnis an „hunderte Bürger“, die sich während des Oberbürgermeisterwahlkampfs und nun auch bei einer - von Willenbrock-Heier initiierten Online-Petition - für eine zurückhaltende Bebauung stark macht.

Zuhörer Michel Graver machte auf das baulich interessante Grotefend-Gebäude aufmerksam. Das „nahezu komplett“ erhaltene Baudenkmal habe von 1959 bis 1989 als Abfüllanlage für Coca-Cola gedient. Graver regte an, den Gebäudeteil zum Weender Tor hin unter Schutz zu stellen und unbedingt zu erhalten.

Über das weitere Vorgehen entscheidet der Verwaltungsausschuss am Montag in nichtöffentlicher Sitzung. Dort hat das Haushaltsbündnis die Mehrheit. (Michael Caspar)

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