Nachfolge

Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker: Roman Kühn ist der neue Direktor

Porträt Roman Kühn, Direktor der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker.
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Setzt sich seit Jahren für Frieden und Völkerverständigung ein: Roman Kühn, Direktor der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker.

Die Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker hat einen neuen Direktor.

Göttingen – Roman Kühn (43) ist neuer Direktor der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker. Der Politikwissenschaftler und Anglist tritt die Nachfolge von Ulrich Delius an, der vor einem Jahr in Ruhestand gegangen ist.

„Die Covid-19-Pandemie liefert weltweit autoritären Regimen einen Vorwand, Grundrechte einzuschränken und gegen Minderheiten vorzugehen“, nennt Kühn ein Thema, das die Gesellschaft derzeit beschäftigt.

Immer deutlicher werde zudem, dass die Folgen der „Klimakatastrophe“ indigene Völker „oft besonders hart“ träfen. Viele seien zudem Leidtragende der Atomkraft-Renaissance. Sowohl die Uranminen als auch die Endlagerstätten lägen nämlich häufig in ihren Siedlungsgebieten.

Gesellschaft fordert Olympia-Boykott

„Wir werden die Olympischen Spiele im Februar nutzen, um die Unterdrückung der muslimischen Uiguren und der buddhistischen Tiberter im Gastgeberland China zu verurteilen“, kündigt Kühn an. Seine Gesellschaft wolle mit ihrer Forderung nach einem Olympia-Boykott nicht Stimmung gegen die Chinesen, sondern gegen das kommunistische Regime machen, stellt er klar.

Sie nähmen keine Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen der Bundesrepublik. Für diese setzten sich bereits andere ein. Auch die Unterdrückung der Kurden und die Unterstützung von Islamisten durch das türkische Erdogan-Regime spräche seine Gesellschaft undiplomatisch an, betont der Direktor. Aus Angst vor neuen Migranten dürfe die Bundesregierung nicht über die Opfer der türkischen Innen- und Außenpoltik schweigen.

„Wir verfolgen Themen weiter, auch wenn sich die mediale Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwendet“, betont Kühn. So werde derzeit kaum noch über die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar gesprochen. Dabei versuche die Regierung des muslimischen Bangladeshs, Rohingya-Flüchtlinge auf überschwemmungsgefährdete Inseln umzusiedeln.

„Ethnische Minderheiten sind keine homogenen Gruppen“, weiß der neue Direktor. Auch innerhalb solcher Gruppen gebe es Diskriminierung und Unterdrückung, etwa von Frauen, Homosexuellen oder Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften. Seine Gesellschaft trete auch in solchen Fällen für Toleranz und die Achtung der Menschenrechte ein.

Frieden und Völkerverständigung seien ihm schon als jungem Menschen wichtig gewesen, erinnert sich Kühn. Nach dem Studium arbeitete er von 2013 an fünf Jahre lang als Geschäftsführer bei der Jugend Europäischer Volksgruppen. Aus dieser Zeit kennt er die Gesellschaft, mit der er sich damals Büroräume in Berlin teilte. Er wechselte dann zu einem Europäischen Freiwilligendienst. Die Jugendarbeit liegt ihm am Herzen.

Bei Gesellschaft für bedrohte Völker sind derzeit 21 Mitarbeitende tätig. Der Verein hat 5.000 Mitglieder. Die Vereinszeitschrift „Für Vielfalt“ zählt 4.500 Abonnenten. Den Newsletter erhalten 15.000 Menschen. (Michael Caspar)

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