Göttingen: Künftiger Bahn-Takt hat Lücken

Fahrgastverband Pro Bahn übt Kritik an Fahrplan-Reform

Ein ICE bei der Einfahrt am Gleis 9 des Bahnhofs Göttingen: An diesem Bahnsteig starten die Schnellzüge Richtung Hamburg und Berlin. 
Archivfoto: Christoph Papenheim
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Ein ICE bei der Einfahrt am Gleis 9 des Bahnhofs Göttingen: An diesem Bahnsteig starten die Schnellzüge Richtung Hamburg und Berlin.

In zehn Jahren soll die Bahn nach dem Deutschland-Takt durch das Land fahren. Doch für Südniedersachsen gibt es vermutlich kaum Verbesserungen, kritisiert der Fahrgastverband Pro Bahn.

Göttingen – Die Interessensvertretung hat die Pläne des Bundesverkehrsministeriums durchforstet. Das Fazit von Pro Bahn-Sprecher Gerd Aschoff: „Es gibt nur vereinzelte Taktverdichtungen. Ein langfristiger Masterplan für ganz Deutschland müsste anders aussehen. Manche Umsteigezeit ist für unsere Region so knapp kalkuliert, dass nur wenige Minuten Verspätung ausreichen, um einen Anschluss zu verpassen.“

Aschoff befürchtet, dass der Deutschland-Takt nichts bringt, wenn die Strecken nicht „nicht ausreichend beschleunigt“ werden. Aus der Sicht von Aschoff ist es insgesamt zweifelhaft, ob mit den nun vorliegenden Plänen die propagierte Verdoppelung der Fahrgastzahlen auf der Schiene realisiert werden kann.

Bahnhof Göttingen: Mehr Fernzüge

Laut Pro Bahn wird der Fernverkehrshalt Göttingen auf dem Papier aufgewertet. Voraussichtlich ab 2025 sollen stündlich acht Fernzüge in der Uni-Stadt stoppen. Nur ein Teil der Linien (Hamburg-München) verkehrt laut den Plänen genau im Stundentakt, die übrigen Linien werden erst durch Überlagerung zu einem Stundentakt – aber nicht minutengenau. Und: Nach Frankfurt geht es mal schnell, mal langsam. Eine Fernzuglinie soll alle zwei Stunden in beiden Richtungen in Göttingen durchfahren. Um das zu ermöglichen, müssen aber andere Fernzüge in Göttingen warten, um so eine Überholung zu ermöglichen.

Das Angebot auf zwei wichtigen Regionallinien soll verdoppelt werden, so die Pläne. Im Leinetal soll der Nachfolger des heutigen „Metronom“ alle 30 Minuten zwischen Göttingen und Hannover verkehren – allerdings nicht mehr darüber hinaus. Künftig geht es jede Stunde über die Eichenberger Kurve nach Erfurt, Jena und Gera mit östlich unterschiedlichen Zielen wie Zwickau, Chemnitz und Altenburg (bislang alle zwei Stunden). Laut Aschoff sind das zwar Verbesserungen, aber „unter dem Strich viel zu wenig Fortschritt“.

Bahnhof Göttingen: Südharz außen vor

Weitaus weniger gut sieht es hingegen im klassischen Nahverkehr aus. „Auf der Südharz- und der Sollingstrecke passiert wenig bis nichts“, erläutert der Harzer Fahrplanexperte Michael Reinboth – womit man dem erklärten Ziel, für das ganze Land flächendeckende Verbesserungen zu erwirken, nicht näherkomme.

Positiv laut Fahrgastverbandes: Die Anbindung von Einbeck-Mitte wird analog zum Leinetal-Regionalexpress zum Halbstundentakt verdichtet. Ebenfalls auf der Plus-Seite, aber eigentlich kein Verdienst des Deutschland-Takts: Zwischen Kreiensen und Holzminden soll im Stundentakt gefahren werden, sobald die Strecke ausgebaut ist.

Bahnhof Göttingen: Viele Angebote bleiben

Das Zugangebot auf den Strecken Göttingen – Nordhausen, Göttingen – Kassel/Bebra, Göttingen – Paderborn, Göttingen – Bad Harzburg, Northeim – Bodenfelde und Braunschweig – Herzberg bleibt hingegen nach den Entwürfen aus dem Bundesverkehrsministerium nahezu unverändert. Spürbar bessere Anschlüsse können sich in Elze in Richtung Hameln und in Richtung Hildesheim ergeben.

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