Unternehmen steigt in KI-Forschungsinstitut ein

Künstliche Intelligenz als Produktionsbeschleuniger bei Sartorius in Göttingen

Qualitätskontrolle bei Sartorius
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Im Labor: Qualitätskontrolle nach der Produktion von Virusfiltern. Sartorius setzt jetzt auch auf Künstliche Intelligenz bei der Medikamententwicklung.

Der einstige Fein-Waagen-Hersteller und heutige – sehr erfolgreiche – Bio-Tech- sowie Life-Science-Konzern Sartorius ist im Jahr seines 150-jährigen Bestehens weiter auf Kurs Zukunft, die da auch heißt: Arbeiten mit „Künstlicher Intelligenz“ (KI).

Göttingen – Dafür steht die Beteiligung als Gesellschafter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ (DFLI) in Kaiserslautern.

Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg hatte schon zu Jahresbeginn von einer Kooperation berichet, und in der Tat arbeiten das DFKI und Sartorius längst in einem Forschungslabor zusammen, nun also auch eingebettet in ein Beteiligunskonstrukt.

Konkret will Sartorius mit Hilfe intelligenter, lerndender Systeme und Technik in die Produktion neuer Medikamtent und Wirkstoffe hinengehen. Joachim Kreuzburg verspricht sich über die KI vor allem schnellere Entwicklungs- und Herstellungsverfahren für Medikamente. Diese dauert – noch – oft lange und ist dementsprechend teuer. Für Kreuzburg geht es darum, dies zeit- und kostenintensiven, mit Versuchen und Fehlern gekennzeichnten Prozesse zu verkürzen, sie effektiver zu machen. „Damit neue Therapeutika früher und mehr Patieten zur Verfügung stehen können“, wie er sagt.

Helfen sollen dabei von Sartorius und DFKI entwickelte „Deep-learning Algorithmen“ sowie Methoden zur Bilderkennung von Zellen und Organoiden. So werden biologische Systeme modelliert und analysiert werden. Wirkungsweisen könnten so simuliert werden, ohne besagte zähe, reale Erprobungsreihen zu gehen. Am Ziel stünde die Optimierung von biopharmazeutischen Produktionsverfahren. Eben das ist eine Sartorius-Domäne. Der Konzern versteht sich als „Partner der biopharmazeutischen Forschung und Industrie“, liefert von kleinsten Teilen und Wegwerfprodukten wie Verpackungen und Filtern, Zellkulturen bis zu kompletten Soft- und Hardware--Ausstattungen für Medikamenten-Produzenten.

Bezüglich des Einstiegs in die „KI“ tritt Sartorius noch auf die Euphoriebremse: Man stünde generell bei der Anwendung von KI-Tools in den Lebenswissenschaften noch am Anfang, auch, weil es um komplexe biologischen Zusammenhänge geht, wie Sartorius-Cheftechnologe Prof. Oscar-Werner Reif sagt. Die Industrie sei in anderen Sparten längst weiter mit dem Einsatz von KI, so im Konsumgüter und IT-Bereich.

Sartorius-Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Kreuzburg

Um zu lernen und voran kommen, betreibt das Göttinger Unternehmen mit der DFKI ein eigenes Experimentallabor – dort arbeiten Biologen und Datenwissenschaftler zusammen, mit dem besagtem Ziel, eine schnellere, effizientere biomedizinische und -pharmaezeutische Forschung zu ermöglichen.

Das wiederum passt exakt zur Philosophie der DFKI-Forscher. Sie wollen ihre „industrierelavante KI-Technologien nachhaltig in die Anwendung bringen“, so Prof. Andreas Denkel. Dabei, so der geschäftsführende DFKI-Direktor, helfen die gemeinsamen Projekte mit den Partnern – also auch Sartorius.

Das Göttinger Unternehmen rückt übrigens als 33. Mitglied und erster Life-Science-Konzern in den Kreis der DFKI-Gesellschafter. Für Sartorius wird dort Oscar-Werner Reif im Aufsichtsrat sitzen. Der Kreis der DFKI-Gesellschafter ist ein illustrer, dabei sind auch: Bosch, SAP, VW, BMW, Daimler, Telecom, Microsoft-Deutschland, Google, Fraunhofer und Airbus.

Von Thomas Kopietz

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