In der Lokhalle 

Mehr als 3000 Gäste: Kultband Fury in the Slaughterhouse spielte in Göttingen

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Prima Akustik-Konzert: Fury in the Slaughterhouse, Erfolgsband aus den 80er- und 90er-Jahren mit Verstärkung in der Göttinger Lokhalle. 

Göttingen. Mehr als 3000 Leute wollten die Kultband der 80er- und 90er-Jahre aus Hannover sehen und hören - beim letzten Akustik-Konzert auf ihrer "Little Big World Tour".

Fans der ersten Stunde haben oft ein Problem: Das Gehirn hat die Erinnerung an den Moment des Feuerfangens für die Band gespeichert. Daran messen sie alles, was kommt, selbst wenn das echt erfreulich ist – wie das Konzert von Fury in the Slaughterhouse vor gut 3000 Fans am Dienstagabend in der Lokhalle.

Eingebrannt im Speicher der Fury-Erinnerungen sind natürlich die genialen Stücke wie „Time to Wonder“, „Radio Orchid“ und „Seconds to Fall“. Aber auch die lakonischen, ironischen Lästereien der Brüder Wingenfelder und Christof Stein-Schneider – nach 31 Band-Jahren meist über die eigenen Wehwehchen und denen der Gleichaltrigen vor der Bühne.

Frühere Fury-Konzerte waren wilder 

Zu erleben ist das alles während des Akustik-Konzerts der „Little Big World Tour“ in der Lokhalle. Die Fans tragen das Experiment des gedämpften Akustik-Rocks gut gelaunt mit, obwohl die meisten ebenfalls die fulminanten Konzerte der Jung-Furys im Kopf haben.

Nach gemächlichem Start geht es mit dem leicht psychedelischen Ohrwurm „Dancing in the Sunshine of the Dark“ so richtig los. Auch diese Stimmung konnten die Hannoveraner schon immer – bei aller partyhaften Rock-Lastigkeit.

Hallensound nicht optimal 

Diese Songs, wie auch „Bar de Boulistes“ und natürlich „Every Generation got its own Disease“, machen das auf sieben Mann plus BAP-Stammmusikerin Anne de Wolff angewachsene Ur-Sextetts um die Wingenfelder-Brüder qualitativ zum Maßstab – obwohl der Hallensound nicht astrein ist. „Every Generation..“ nutzt Wingenfelder zum Appell: „Kämpft für die Demokratie. Sie kann schneller weg sein, als wir Scheiße sagen können.“

Nach einer Stunde betreiben die Furys auf ärztliches Anraten hin eine „Thrombose-Prophylaxe“, das heißt: „Publikum bitte aufstehen“. Es folgt „When I´m dead and gone“...

Wolfgang Niedecken ist ein Freund der Band 

BAP übrigens war noch einmal vertreten, virtuell mit einer „Jenehmigung“, geschrieben von Wolfgang Niedecken. Der hat auch schon als Tour-Gast bei den befreundeten Furys mitgespielt. Niedecken hat seinen „Freunden aus der dialektfreien Stadt Hannover“ eine schriftliche Absolution erteilt, die zweite Strophe von „Seconds to Fall“ durch Thorsten Wingenfelder im einzig wahren Dialekt – „Kölsch“ – singen zu dürfen. Das gelingt vorzüglich.

Party machen auch die akustischen Furys aber auch: „Dead and Gone“ und vor allem „Milk and Honey“ reißen die Leute von den Stühlen, auch wenn die Song-Zusammenstellung nicht immer glücklich ist, einige Stimmungsbrüche provoziert.

Am Ende stehen alle. Auch in der Galaxie Göttingen bei der wunderbaren Ballade in der „Down There“, der kritische Blick von Astronauten aus dem All auf die Erde. Über „Time to Wonder“, das auch die Abi-2017-Generation kennt, und die 96-Aufstiegs- und Fetenhymne „Won´t forget these Days“ muss man nicht reden und kritteln.

Aber: Das Hirn formuliert mehrfach die Frage: „Wann hängen sie die endlich die E-Instrumente rein?“ So wie damals, als alles im Pogo-Anspringen vor der Bühne und klatschnassen T-Shirts endete. Schweißnass ist keiner in der Lokhalle: Aber prima war es trotzdem. Weitermachen Furys. Noch ein Jahr.

Geruhsame AC/DC-Version 

Und dann, 2018, werden sie das tun, auch mit Freunden, also Fans und Musikkumpels, so John Watts von Fischer Z, um dann auf dem Kahn gemeinsam zu musizieren und ein oder zwei Bier zu trinken. Die Rock-Schiff-Tour war schon 2017 geplant, erzählt Kai Wingenfelder, „aber Helene hat uns den Kutter weggeschnappt“. Auf ein Neues: „Trapped Today, trapped Tomorrow“ bildet den (mehr)stimmigen Abschluss. 

Stop: Es folgt noch eine AC/DC-Reminiszenz „It´s a long Way to the Top (If you wanna Rock´n Roll)“ – auch das in Slow-Tempo-Version - eindeutig zu geruhsam. 

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