Symposium mit der Uni

Kulturelle Unterschiede: Göttinger Polizei will sensibler werden

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Beim Symposium zum Thema „Religiöse Minderheiten in der Stadt“ gab es Vorträge und Workshops unter anderem zu Religionssensibilität bei der Polizeiarbeit, zu Geschlechterrollen sowie zu Islamfeindlichkeit und Rassismus.

Göttingen – In der Stadt treffen viele Menschen mit unterschiedlicher Herkunft aufeinander, daher wird Sensibilität für Religion gefordert. Auch für die Polizeiarbeit ist es von Bedeutung, gut über verschiedene Kulturen Bescheid zu wissen.

Bei einem Symposium zum Thema „Religiöse Minderheiten in der Stadt“ von der Polizeidirektion und der Universität Göttingen wurde in Vorträgen und Workshops unter anderem über kulturelle und religiöse Vielfalt gesprochen. Es gebe immer wieder Missverständnisse und Unsicherheiten, etwa, wenn es um Hintergründe sowie religiöse und kulturelle Besonderheiten geht.

Prof. Dr. Alexander Nagel von der Sozialwissenschaftlichen Religionsforschung der Uni Göttingen verdeutlichte in seinem Vortrag, wie wichtig es für die Polizei ist, sensibel für verschiedene Religionen zu sein. Als Beispiel zog er einen Vorfall aus dem Sommer heran, als Polizeibeamte am Kölner Bahnhof zehn muslimische Männer festhielten. Sie trugen lange Gewänder mit Westen und hätten „Allahu Akbar“ gerufen. Was die Beamten jedoch nicht wussten: Die Männer befanden sich auf dem Weg zu einer Feier zum Ende des Ramadans. Der Polizei wurde daraufhin Rassismus vorgeworfen.

Religionssensible Arbeit darf nach Ansicht des Experten aber nicht heißen, jedes Verhalten nur auf Religion zu reduzieren. Wichtig seien drei Bausteine: Wissen über Religion und diese im Kontext zu erkennen, seine eigenen Prägungen zu hinterfragen. Letztlich sollte mit religiösen Geltungsansprüchen umgegangen werden können. „Ziel ist es nicht, Religion als Gefahr anzusehen“, betont Nagel. „Religion kann auch eine Ressource sein.“

Aus polizeilicher Perspektive brachte Jens Kozik, Dezernatsleiter für Kriminalitätsbekämpfung der Polizeidirektion Göttingen, Fallbeispiele aus dem Alltag ein. „Wir als Polizei müssen noch einiges lernen. Diese Sensibilität ist wichtig, um unseren Job seriös auszuführen“, sagt Kozik. „Wir haben mit kultureller und religiöser Vielfalt zu tun. Das macht uns viel Spaß, es macht aber auch Arbeit“, sagt er. Herausfordernd seien vor allem Sprachbarrieren, die unbedingt überwunden werden müssten. Vor allem am Einsatzort benötigen die Beamten einen Dolmetscher. Manche Gruppen und Clans schotten sich zudem ab und sind gar nicht zu Gesprächen bereit. Eine kommunikative Polizei tue vielen gut, manche legten es auch als Schwäche aus. Er betont: „Die Verfassung und Gesetze stehen über allem.“

Ein Reibungspunkt seien auch oft die Ansichten der Geschlechterrollen. Kolleginnen erführen manchmal Abneigung und Distanz. „Wir stoßen außerdem auf Unverständnis, wenn wir wegen häuslicher Gewalt im Einsatz sind – selbst von Seiten der Opfer“, berichtete er. Opferschutz sei sehr bedeutsam.

Kozik betont, diese Beispiele seien keinesfalls zu verallgemeinern, sondern bezögen sich auf Einzelfälle aus dem Arbeitsalltag.

Neben verschiedenen Religionen gehören Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zu ihrer Arbeit. Auch mit der Angst mancher Bürger vor fremden Kulturen befassen sich die Polizisten täglich und wissen damit umzugehen. Kozik betont zudem: „Von 70 000 Straftaten, die die Polizeidirektion 2018 bearbeitete, wurden 4,5 Prozent von Personen mit Migrationshintergrund begangen.“

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