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Kulturzentrum Musa: fünf Kunstschaffende für Göttinger Hauswandgemälde-Projekt

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Von: Michael Caspar

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Wandgemälde - Murals - in Göttingen. In der Weststadt lief ein Profjekt.
Wandgemälde - Murals - in Göttingen. In der Weststadt lief ein Profjekt. Die Ergebnisse sind an Hauswänden sichtbar. Bemalte die Fassade des Wohnhauses Pfalz-Grona-Breite: Künstlerin Patricia Saadreva nicht auf dem Bild sind Gabi Radinger und Agatha Czarny © Caspar, Michael

Neue Gemälde schmücken die Fassaden von vier Wohnhäusern in der Göttinger Weststadt. „Wenn ich jetzt hier vorbeikommen, kriege ich immer gute Laune“, sagen die Anwohner.

Göttingen – Gewaltige Gemälde schmücken die Fassaden von vier Wohnhäusern der Göttinger Weststadt. Das Kulturzentrum Musa hat das Kunstprojekt in der Corona-Zeit unter dem Motto Zusammenhalt umgesetzt.

Mächtig strecken muss sich die kleine Ramona mit dem herbstbunten Blätterhaar auf Patricia Saavedras Mural an der Pfalz-Grona-Breite 12.

Während die kleine Künstlerin den blauen Himmel malt, sammeln fleißige Ameisen das herabfallende Herbstlaub auf, tauchen es in einen Eimer mit grüner Farbe und tragen die runderneuerten Blätter wieder auf den Baum hinauf.

Pinguine, die zwischen Plastiktüten tauchen

„Wenn ich jetzt hier vorbeikomme, kriege ich immer gute Laune“, dankten Anwohner der aus Spanien gebürtigen Künstlerin.

Pinguine, die zwischen Plastiktüten tauchen, malten Agatha Czarny und Dennis Mau am Königsstieg 87. Neben der Verschmutzung der Weltmeere thematisierten die beiden, die in der Graffiti-Szene unter den Künstlernamen Sigma und Core bekannt sind, die Vereinsamung.

Der untere, düstere Teil ihres Gemäldes zeigt eine volle Kneipe, in der jeder für sich trinkt. Das passierte den Kunstschaffenden nicht, denen Anwohner Kaffee vorbeibrachten.

Kaum zum Arbeiten kam Graffiti-Künstler Käff, der aus dem Harz stammt und Koch gelernt hat. Ständig verwickelten ihn Passanten in Gespräche. Sein Mural an der Fassade des Hauses Rosenwinkel 47 beschäftigt sich mit Abschiebungen – ein großes Thema in der Nachbarschaft.

13 Bewohner und zwei Hunde Dylan Sara auf seinem Fassadengemälde

Dort hat die Stadt auch Roma-Familien angesiedelt, die im Kosovokrieg 1998/99 von Albanern vertrieben worden sind und in Deutschland strandeten. Seither werden immer wieder Bewohner auf den Balkan zurückgeschickt. Auf Käffs Mural schießen zwei Kinder jemand mit der Zwille über den Grenzzaun.

Porträtierte Nachbarn: Künstler Dylan Sara vor der Fassade des Wohnhauses Rosmarinweg 20 in der Göttinger Weststadt, wo das Projekt Murals läuft.
Porträtierte Nachbarn: Künstler Dylan Sara vor der Fassade des Wohnhauses Rosmarinweg 20 in der Göttinger Weststadt, wo das Projekt Murals läuft. © Michael Caspar

Diesen passieren Katzen und Vögel ungehindert, was ganz nach Käffs Geschmack ist.

13 Bewohner und zwei Hunde portraitierte Dylan Sara auf seinem Fassadengemälde am Rosmarinweg 22/24. Der aus Australien gebürtige Künstler hatte Menschen und Tiere während der drei Wochen kennengelernt, die er auf dem Malgerüst verbrachte.

Ähnliches Projekt wurde bereits im Göttinger Stadtviertel Ebertal umgesetzt

Sara hat mit der Musa bereits ein ähnliches Porträtprojekt im Göttinger Stadtviertel Ebertal umgesetzt. Dort bemalte er die Fassade eines Gebäudes, das einige Zeit später im Zuge der Quartierserneuerung der Abrissbirne zum Opfer fiel.

Die nötigen Gelder für die Weststadt-Murals hat Musa-Projektmanagerin Gabi Radinger eingeworben. Den Anlass gab die Feier von 25 Jahren Stadtteilrunde Weststadtkonferenz.

Gabi Radinger steckte mit ihrer Begeisterung für Wandgemälde die Hauseigentümer an, neben Vonovia und der Städtischen Wohnungsbau auch zwei Privatpersonen. Sie hofft, das Projekt weiterführen zu können.

Die erste Runde des ProjektGöttinger Susanne und Gerd Litfin Stiftung, der Landesverband Soziokultur Niedersachsen, die Stiftung Niedersachsen, die Göttinger Kulturstiftung sowie die Stadt. (Michael Caspar)

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