Kleinere Open Air Veranstaltungen?

Kulturzentrum Musa in Göttingen hofft auf den Sommer: Wir müssen dieses Haus wieder vollkriegen!

Das Kulturzentrum Musa am Hagenweg in der Göttinger Weststadt
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Imposantes Gebäude, buntes Haus: Das Kulturzentrum Musa am Hagenweg in der Göttinger Weststadt.

Das Kulturzentrum Musa ist nicht für Menschen in Göttingen und der Weststadt, sondern auch aus der Region ein Anlaufpunkt – so bei den Konzerten und Kult-Partys. Auch in der Musa ist es still geworden.

Göttingen – Bereits im Oktober waren alle Veranstaltungen bis Ende 2020 abgesagt worden – jetzt hoffen die Musa-Macherinnen auf den kommenden Sommer und eine Konzertsaison mit kleineren Veranstaltungen unter freiem Himmel.

Ausverkaufte Konzerte, eine Kreativ-Etage, die von morgens bis abends mit Leben gefüllt war, viele neue Ideen und Projekte, die unter dem Titel „HW2“ die Weststadt beleben sollten – das Kulturzentrum Musa in Göttingen ist normalerweise ein Ort kultureller und menschlicher Begegnungen. Davon ist nicht viel geblieben: keine Veranstaltungen, keine Kurse, keine Workshops, keine Fortbildungen.

Auch viele der für 2021 gebuchten Konzerte wurden von den Agenturen bereits in den Herbst 2021 oder nach 2022 verschoben. Hinzu kommt, dass sich die Musa schweren Herzens von fast 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorerst trennen musste, die auch den Abend- und Nachtbetrieb an Kasse, Garderobe und Theke gestemmt haben. Alle Festangestellten sind in Kurzarbeit. Neben dem Kurzarbeitergeld und bewilligten Neustart-Geldern, die die Musa in Sicherheitsvorkehrungen und Technik investiert hat, hält sich die Kultureinrichtung derzeit auch mithilfe der Stadt Göttingen über Wasser, die der Musa mit ihrer Förderung ermöglicht hat, für 2021 in eine Art „Standby-Modus“ zu gehen. Die Hilfe sei enorm wichtig.

Den geförderten und jetzt abgesicherten öffentlichen Kulturinstitutionen und dort Arbeitenden stünden wirklich gut da, sagt Geschäftsführerin Tine Tiedemann. „Es ist generell unfassbar ruhig geworden“, schildert Tiedemann, die vor allem aber auch an die Menschen hinter der ins Mark treffenden Stille denkt, wie die Solokünstler. „Vielen geht es wirklich schlecht.“ Zwar gibt es Hilfsfonds für die Solokünstler, doch die reichten nicht aus. Das Problem sei der Politik bekannt, aber es passiere zu wenig. Und: Die Solokünstler hätten meist kaum finanzielle Rücklagen, wie Tiedemann sagt.

Stiller geworden ist es auch um Musa-Aktionen sowie Aufrufe wie #alarmstoferot, #sangundklanglos oder #ohneunsistesstill. „Natürlich tauschen wir Kulturschaffenden uns auch hier nach wie vor aus. Aber ich glaube, es ist einfach so eine generelle Enttäuschung da. Darüber, dass Gelder nicht ankommen und man nicht weiß, wie es weitergehen kann. Das wirkt sich auf die Stimmung aus.“

Am Anfang der Krise habe es zunächst viele neue Projekte gegeben, darunter auch Livestream-Formate. Ein Angebot, dass sich jedoch schnell übersättigt habe, sagt Tiedemann. „Ich glaube, dass Kultur analog sein muss. Es ist einfach etwas anderes, wenn du es siehst und fühlst!“

Die Musa wird vorgezeigt: Tine Tiedemann (links) erläuterte 2016 die Ausbaupläne in Musa. (Archivfoto)

Ein Fazit, dass Tine Tiedemann in Bezug auf die Musa auch zu dem festen Entschluss kommen lässt: „Wir müssen dieses Haus mit 5000 Quadratmeter Fläche wieder vollkriegen! Unser Wunsch ist es, dass wir, wenn es wärmer wird, unsere Veranstaltungen wieder draußen stattfinden lassen können.“ Das seien dann vielleicht nicht unbedingt Konzerte in dem Format und mit den hochkarätigen Künstlern, wie man sie bisher aus der Musa kannte, sondern eher kleinere Veranstaltungen. „Back to the roots – so wie wir vor Jahrzehnten im Hagenweg einmal angefangen haben.“

Bereits im vergangenen Sommer fanden einige Veranstaltungen auf dem Musa-Außengelände statt wie das Weststadt-Open-Air, aber auch kleinere Events, die laut Tiedemann zeigen, dass man aus Wenig sehr Viel machen kann. „Die große Aufgabe von Kultur ist es, Menschen zusammenzubringen.“ Und das möchte die Musa, sobald es wieder möglich ist. Draußen übrigens hat die Musa auch das kleine Feuerwehrhäuschen übernommen, das mit genutzt werden kann. Tine Tiedemann wünscht sich vor allem eins: Dass, wenn sie durch „ihre“ Musa geht, wieder viele Menschen trifft, Gespräche auffängt, werkelnde Künstler sieht und Musiker hört, die in den Proberäumen Rabatz machen. (Anke Heidenreich und Thomas Kopietz)

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