Land plant finanzielle Anreize

Kultusminister: Prämie soll Lehrer nach Südniedersachsen locken

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Blick in einen Klassenraum: Niedersachsen hat zum Beginn des neuen Schuljahres bislang 1712 neue Lehrer eingestellt. (Symbolbild)

Göttingen/Hannover – Im Kampf gegen Stundenausfall an den Schulen will Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit einer „Flächenprämie“ und anderen finanziellen Anreizen mehr Lehrer in unterversorgte Landstriche locken. Dazu gehört auch Südniedersachsen.

„Das wird rechtlich nicht einfach“, gab der Ressortchef am Mittwoch in Hannover zu. Aber: „Wir dürfen Unterrichtsausfall nicht hinnehmen.“

In fünf Modellregionen möchte Tonne sein Sonderprogramm im nächsten Jahr starten. Insbesondere an der Küste, in Südniedersachsen sowie zwischen Lüneburg und Celle herrsche ein erheblicher Lehrermangel. Betroffen seien vor allem Haupt-, Real- und Oberschulen. Neben einer Art monatlichen Zuschlag im dreistelligen Euro-Bereich schweben dem Minister mehr Beförderungsstellen und die „vollumfängliche Übernahme“ der Umzugskosten vor. Dass er dabei Probleme wegen einer möglichen Ungleichbehandlung bereits vorhandener Lehrkräfte bekommen kann, ist dem früheren Rechtsanwalt durchaus bewusst. „Das werden wir sehr genau prüfen.“

Gegen den Stundenausfall will Tonne zudem das Projekt „Distanzlernen“ vorantreiben. Dabei erteilen Lehrkräfte per Videokonferenzen Unterricht, nichtpädagogische Experten vermitteln Schülern durch Onlinesysteme Fachwissen.

Landesweit verbessert sich nach Angaben des Kultusministeriums die rechnerische Unterrichtsversorgung zum neuen Schuljahr von 99,4 auf 99,8 Prozent. Grundschulen und Gymnasien liegen über der 100-er Marke, Haupt-, Real- und Oberschulen deutlich darunter. Für Tonne ein Lichtblick: „Wir haben den Turnaround geschafft. Unsere Maßnahmen zeigen Schritt für Schritt Wirkung.“ 1713 neue Lehrkräfte habe man bereits neu einstellen können. „Dies sind 300 mehr, als durch Pensionierung oder Wegzug ausgeschieden sind.“

Ein Ärgernis seien jedoch nach wie vor die umstrittenen Abordnungen, bekannte der Minister freimütig. „Ich bedaure die zusätzliche Belastung für die Betroffenen. Das macht niemanden Spaß.“ Es gebe aber keine Alternativen. „Es gilt, weiteren Unterrichtsausfall zu verhindern.“

In der ersten Hälfte des neuen Schuljahrs müssen insgesamt 2309 Lehrkräfte mit über 20 000 Stunden an anderen Schulformen aushelfen. Besonders betroffen sind Gymnasiallehrer. 536 sind in Grundschulen für 3940 Stunden und 879 an den Schulen des Sekundar-eins-Bereichs für 6881 Stunden eingeteilt. Gegenüber dem ersten Schulhalbjahr 2018/19 bedeutet das jeweils eine deutliche Steigerung.

Opposition und Verbände üben Kritik

Neues Schuljahr, alte Probleme“, giftete FDP-Fraktionsvize Björn Försterling. „Der Kultusminister versäumt es seit fast zwei Jahren, den Lehrerberuf attraktiver zu machen und Belastungen abzusenken.“ Grünen-Kollegin Julia Hamburg warf Tonne vor, die Zahlen zur Unterrichtsversorgung schön gerechnet zu haben. Statt 1900 hätte er 2500 Stellen ausschreiben müssen. „Aber selbst die eigene Marke hat er gerissen.“ Die angekündigte Flächenprämie führe zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels in anderen Regionen.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW sprach sich für eine bessere Besoldung aller Lehrkräfte aus. GEW-Landeschefin Laura Pooth: „Unsere ‚Flächenprämie‘ für alle Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte heißt A 13 und E 13.“ Beamtete Lehrer an diesen Schulformen bekommen A 12, angestellte Lehrer E 12.

Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands, der Interessenvertretung der Gymnasiallehrer, kritisierte. „Auch im neuen Schuljahr herrscht weiterhin eine problematische Unterrichtssituation mit Stundenausfall, hohen Abordnungszahlen und schlechten Lern- und Arbeitsbedingungen an den niedersächsischen Schulen vor.“

Der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Franz-Josef Meyer, betonte, Haupt-, Real- und Oberschul-Lehrkräfte müssten beim Gehalt den Gymnasiallehrern gleichgestellt werden.

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