Kunstinstallation unter freiem Himmel

Kunst ist weiterhin lebendig am Deutschen Theater in Göttingen

Kunstinstallation unter freiem Himmel.
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Kunstinstallation unter freiem Himmel: „Mechanische Tiere“ kann man in den kommenden vier Wochen erleben.

Mit einer Kunstinstallation unter freiem Himmel will das Deutsche Theater (DT) Kulturbegeisterten endlich wieder etwas Abwechslung in den grauen Corona-Alltag bringen.

Göttingen – Schon seit vielen Wochen ist die Gebäudefront des DT durch einen langen, schwarzen Zaun verbarrikadiert. „Damit wollten wir visualisieren, was es heißt, wenn ein Theater zu ist“, sagt Intendant Erich Sidler. „Jetzt wollten wir auch noch hinkriegen, dass man den Eindruck hat, das Gebäude würde vor sich hin flüstern, wenn man an ihm vorbeigeht.“

Zusammen mit Bühnenbildner Florian Barth machte sich Sidler ans Werk und beide erschufen eine Installation, die gleich bei ihrer Einweihung viele Besucher und Passanten zum Stehenbleiben und Hinhören animierten. Unter dem Titel „Mechanische Tiere“ wurden links und rechts des DT-Hauptportals insgesamt sechs Spiegel mit jeweils zwei Lautsprechern montiert.

Während sich der Besucher selbst in einem der Spiegel betrachtet, hört er einen Ausschnitt aus dem Text „Mechanische Tiere“ von Rebekka Kricheldorf. „Dieser Text besteht aus szenischen Miniaturen, die das Publikum für einen Moment teilhaben lässt an der Welt der Selbstoptimierer, Selbstzweifler und Beziehungsproblematiker“, sagt Erich Sidler, der schon mehrmals Stücke von Kricheldorf im DT inszeniert hat.

Ungewöhnliche Blicke: Das bietet die Freiluft-Installation am Deutschen Theater.

„In gewohnt pointierter Weise kreiert die Autorin in ‘Mechanische Tiere´ Figuren, die wir kennen, die uns belustigen, erstaunen und deren Attitüden uns bekannt bis vertraut vorkommen“, so Siedler. Textpassagen wie „Jemanden wie Dich gibt es gar nicht da, wo ich herkomme“, „Wer ist der da? Ein Freund!“ oder „Warum bist Du denn überhaupt hier? Ich bin aus Zufall da. Jetzt ist es Schicksal“ sprechen jeden Zuhörer an, lassen ihn schmunzeln oder einfach zustimmend nicken.

„Obwohl unser Theater momentan scheinbar verwaist und durch den fehlenden Publikumsverkehr seiner Bestimmung entrückt ist, offenbart das Haus jetzt beim genaueren Hinhören sein Innenleben“, sagt Erich Sidler. „Wir laden einmal mehr ein, trotz bleierner Schwere des pandemischen Alltages beim Spaziergang durch die winterliche Kälte auf ungewöhnliche Weise dem Theater zu begegnen und Eindruck von der vitalen Kraft zu bekommen, die es auch jenseits der Bühne entfalten kann.“

Sidler und sein Team suchten immer wieder nach Wegen, gerade in der Zeit der Kontaktvermeidung sichtbar und erlebbar zu machen, „wie sehr wir das Gegenüber brauchen und wie fundamental soziale Kontakte und Begegnungen, Stimulationen und Inspiration für unser Dasein sind.“ Und genau das ist jetzt mit „Mechanische Tiere“ auf verhältnismäßig einfache, aber umso beeindruckendere Weise gelungen.

Die Installation „Mechanische Tiere“ von Erich Sidler und Florian Barth kann man in den kommenden vier Wochen täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr vor dem Deutschen Theater in Göttingen kostenlos erleben. (Per Schröter)

dt-goettingen.de

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