Kunst-Quartier füllt Ratssaal: Großes Interesse an Projekt

Volles Haus: Kein Platz frei blieb im Ratssaal bei der Gesprächsrunde zum Kunst-Quartier. Foto: Schröter

Göttingen. Ein mit Zuhörern überfüllter Ratssaal, das ist selten: Am Mittwochabend sorgte eine Gesprächsrunde zum Thema Kunst-Quartier für ein volles Haus.

200 Interessierte wollten sich die von der CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt veranstaltete Podiumsdiskussion nicht entgehen lassen. Vom Ansturm zeigten sich auch die Organisatoren überrascht. „Das ist aber auch ein Beleg dafür, wie wichtig es ist, dass öffentlich darüber gesprochen wird“, sagte der ehemalige Rats- und jetzige Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU), der moderierte.

Zu Beginn ließ Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) die Geschichte des Projektes Kunst-Quartier Revue passieren, für dessen Bau die Stadt 4,5 Millionen Euro Fördermittel aus einem Bundesprogramm erhält und dessen Ideengeber der Verleger Gerhard Steidl ist.

Dass es Diskussionen über die jährlichen Betriebskosten von geschätzt 360 000 Euro gebe, könne er nachvollziehen. „Mich ärgert aber, dass das persönliche Engagement von Herrn Steidl ungerecht dargestellt wird“, sagte Köhler. Es gehe definitiv nicht darum, ihm eine Galerie zu bauen. „Vielmehr geht es darum, eine Galerie zu bauen, in der Steidl mit seinen ausgezeichneten internationalen Kontakten hochkarätige Ausstellungen nach Göttingen holen kann.“ In Bezug auf die Betriebskosten geht Köhler von jährlichen Belastungen für die Stadt von 180.000 Euro aus. Die übrigen 180.000 Euro setzten sich aus Eintritts- und Sponsorengeldern zusammen. Köhler wiederholte sein Versprechen, dass die zusätzliche finanzielle Belastung des Stadtsäckels keine Kürzungen für die übrige Kunstszene nach sich ziehen werde. „Natürlich gibt es wie bei jedem Projekt dieser Größenordnung ein Risiko“, gestand er ein. Aber man dürfe nicht vor jedem Risiko davonlaufen. „Schließlich bietet das Kunstquartier eine Riesenchance.“

„Ich bitte eindringlich darum, das Kunstquartier als Chance zu begreifen“, sagte Meyer. So sieht es auch der Mann, der das Thema und die Bewerbung um die Bundesmittel wieder angekurbelt hat, Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD): „Für einen Hochschul- und Wissenschaftsstandort wie Göttingen wäre eine Kunst-Quartier eine echte Bereicherung.“  Ihn wurmt die Diskussion: „Als die Idee 2008 geboren wurde, waren alle begeistert“, sagte er. Jetzt, da man überraschend 4,5 Millionen Euro Fördermittel vom Bund zugesagt bekommen habe und das Projekt umsetzen könne, träten plötzlich die Skeptiker und Kritiker auf den Plan, so Wolfgang Meyer.

Die Zweifel der Kritiker bleiben

Obwohl sich alle Diskussionsteilnehmer der Chance bewusst waren, die ein Kunst-Quartier für die Stadt Göttingen bietet, und sich grundsätzlich dafür aussprachen, gab es auch ernsthafte Bedenken. „Das Entschuldungshilfeprogramm, das die freiwilligen Ausgaben der Stadt enorm einschränkt, birgt die Gefahr, dass eben doch bei einigen Einrichtungen gespart werden muss“, sagte Nils König, Vorsitzender des Vereins Kunst. Wenn man über ein so großes Projekt spreche, brauche man ein gutes Finanzierungskonzept. Und das sehe er noch nicht. Professor Peter Aufgebauer, Vorsitzender des Geschichtsvereins, kritisierte, dass die dringend erforderliche Sanierung des Städtischen Museums seit Jahren stocke und sich diese durch den Bau eines Kunst-Quartiers und die damit verbundenen Folgekosten sicher weiter verzögere oder ganz ausbleibe. Und Dr. Ludwig Theuvsen, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, bemühte mit Blick auf Projekt-Initiator Gerhard Steidl ein altes Sprichwort. „Wer die Musik bestellt, der soll sie auch bezahlen“, sagte Theuvsen. Erstaunt über die Art der Kritik von Steidl in Richtung CDU ist Fritz Güntzler. „Wir begleiten das Projekt kritisch, wir sind aber nicht grundsätzlich dagegen, das sollte Herr Steidl wissen“, sagte er auf HNA-Anfrage.

Verleger will Göttingen zu Ausstellungsort machen

Auch nach dem Diskussionsabend seien entscheidende Fragen offen – so bezüglich der 180.000 Euro osten pro Jahr. Die stünden im gedeckelten Etat der Freiwilligen Leistungen und müssten sehr wohl von der Stadt aufgebracht werden, schmälerten so den Topfinhalt. Auch die Deckelung dieses Etats über das Land zu verringern, sei keine Lösung. „Vielleicht sollten wir dann zuerst wieder glattziehen, was bei den freiwilligen Leistungen eingespart worden ist. So fehlten dem Sport definitiv 40.000 eingesparte Euro. Auch müsse geklärt werden, ob Steidl sein Grundstück der Stadt kosten- und bedingungslos schenken würde. „Sollte das der Fall sein, würde ich sofort sagen: bauen!“, sagte Güntzler im HNA-Gespräch. Er betonte auch, dass man bei der Sponsorensuche überregionale Partner im Blick haben müsse, damit anderen von regionalen Sponsoren unterstützte Einrichtungen nichts weggenommen würde. (per/tko)

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