Einstimmiges Votum der Jury bezüglich der Reihenfolge

Kunst-Quartier-Galerie: Büro aus Kassel gewinnt Göttinger Architektenwettbewerb

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Architektenwettbewerb Kunst-Quartier-Galerie, Düstere Straße: Siegerentwurf „Atelier 30 Architekten“, Kassel. Rechts das Günter-Grass-Archiv des Steidl-Verlags.

Göttingen. Das Büro „Atelier 30 Architekten GmbH Kassel“ hat den Wettbewerb um die Gestaltung des Galeriegebäudes im zukünftigen Göttinger Kunst-Quartier gewonnen.

Eine achtköpfige Jury setzte die Kasseler Planer auf Platz eins. „Es ist schön, dass es in der Jury ein einstimmiges Votum bezüglich der Reihenfolge gegeben hat“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, der nicht als Juror beteiligt war.

Die Bedingungen

600 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Geschossen, eine Durchgängigkeit von der Düsteren Straße ins Quartier, ohne Fenster und maximal 3,2 Millionen Euro teuer – das waren einige der Parameter, auch formuliert von Verleger Gerhard Steidl, an denen sich 15 Architekturbüros für ihre Entwürfe zur Galerie orientieren mussten. Die Arbeiten wurden anonymisiert bewertet.

Die Baulücke

Auch der Bauplatz ist klar umrissen: Es gilt die Baulücke zwischen zwei alten Fachwerkhäusern zu schließen, dem 2015 eingeweihten Günter-Grass-Archiv von Gerhard Steidl und einem sanierungsbedürftigen, jetzt von einem Stahlgestell gestützten, noch bewohnten Nachbarhaus. Keine leichte Aufgabe für die Architekten. Die Juroren, wie Rainer Bolli, Leiter Gebäudemanagement Uni Göttingen, waren deshalb erstaunt, wie oft gleich und doch sehr unterschiedlich die „15 sehr akzeptablen Arbeiten“, waren.

Die drei Sieger

• 1. Preis (17.000 Euro): Atelier30 Architekten GmbH Kassel: Der Entwurf in grober Stampfbeton-Optik/Struktur wird laut Jury den Anforderungen bei der Nutzung, Beachtung der Traufhöhen der Nachbargebäude und der Einfachheit besonders gerecht. Großer Vorteil im Vergleich zu anderen Entwürfen: Der Eingang ins Gebäude und der Durchgang ins Quartier ist besonders gelungen. „Das ist herausragend“, sagt Juror Bolli. Die Fassade lädt auch durch einen schrägen Versatz an der Front zum Hineingehen ein.

• 2. Platz (10.200 Euro): „Atelier ST“. Statt Beton setzen die Leipziger auf unauffälligere alte Ziegelsteine. Optisch ist das Gebäude geschlossener, aber wuchtiger als das Siegermodell, erinnert an einen Speicher und eine Scheune.

• 3. Preis (6.800 Euro): „Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten“ (Nürnberg). Außen in rötlichem Beton gehalten, mit vielen Aussparungen, die an Fenster erinnern, wirkt es wie ein alter Fabrikbau.

Mutiger Entwurf

Der Sieger-Entwurf sei herausragend und passe in das höchst uneinheitliche Bild der Düsteren Straße, die vom ältesten Fachwerkhaus bis zum nüchternen 60er-Jahre-Kaufhausstil reiche, sagt Stadtbaurat Dienberg. „Hier zeigt sich, dass sich Stadt entwickelt hat“, ergänzt Rolf-Georg Köhler. Deshalb dürfe die neue Galerie durchaus auch optisch herausragen. „Wir bauen ja keine Fachwerkgebäude mehr nach“, strich Köhler den Mut zum mutigen Bauen heraus.

Verhandlungen mit dreien

Mit allen drei Büros will die Stadt nun verhandeln. Noch sei nicht entschieden, welcher Entwurf am Ende umgesetzt wird, sagt Stadtbaurat Dienberg. Gesprochen wird über Inhalte und Kosten. So blieb offen, ob die Planer die Kostenvorgabe eingehalten hätten. An die 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche sei keiner der drei Sieger herangekommen. Nach der Sommerpause soll ein Ergebnis – also der konkrete Bauvorschlag – in den Rat der Stadt eingebracht werden, so Dienberg

Fördergeld vom Bund

Aus Berlin kommen aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ 4,5 Millionen Euro für das Kunst-Quartier. Das Geld muss bis 2018 verwendet werden. Die Zeit für den Bau der Galerie läuft. Über die Mitnutzung des Nachbar-Wohnhauses wird noch verhandelt.

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