Neue Ausstellung im Kunsthaus Göttingen

Kunsthaus Göttingen zeigt Ausstellung „Modell Tier“ - Pinguine, Hunde und Hasen auf zwei Beinen

Kuratorin Ete Eskildsen steht vor einem Bild.
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Klasse-Kuratorin: Ute Eskildsen, die auch für das Folkwang-Museum Essen arbeitete, präsentiert im neuen Kunsthaus Göttingen.

Internationale Top-Kunst auf Papier, mit Fotos und Videos will das im Mai eröffnete Kunsthaus Göttingen zeigen.

Göttingen – Die dritte Ausstellung der neuen, beeindruckenden Galerie zeigt das, wofür die Kuratorin Ute Eskildsen steht. Und: Alles ist kostenlos zu sehen. Förderer Sartorius übernimmt bis auf Weiteres die Eintrittsgelder.

Keine Fenster, blanker Betonboden, jeweils 120 Quadratmeter Fläche: In großen Räumen auf drei Etagen präsentiert Ute Eskildsen Werke, die die Schönheit der Tiere einfangen, ihr faszinierendes, vom Menschen nie ganz zu erfassendes Wesen. Dafür stehen Fotos, Projektionen und Illustrationen von acht Künstlern in „Modell Tier“, die Ausstellung ist bis zum 2. Januar zu sehen.

Da gibt es die eng beieinander stehenden Königspinguine in der West-Antarktis. Der polnische Fotoreporter Tomasz Gudzowaty reiste auf der Suche nach Authenzität in eine der unwirtlichsten Regionen der Erde, schuf grobkörnige Schwarz-Weiß-Aufnahmen der geselligen Tiere.

Die Engländerin Jo Longhurst porträtierte ihre Windhunde. Mit großen Augen schauen sie den Betrachter an. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter. Longhurst zeigt ihre Vierbeiner auch schlafend. Die Mäuler sind offen, geben den Blick auf die markanten Fangzähne frei.

Ausgestopfte Tiere lichtet der Schweizer Olivier Richon ab, der in London Fotografie lehrt. Er stellt Motive von Albrecht Dürer oder Hieronymus Bosch nach, zeigt die toten Tiere aber auch in unnatürlichen Positionen, etwa an einem Bein hängend.

Das Gefieder isländischer Vögel mit seinem Farb- und Formenspiel hat es der amerikanischen Künstlerin Roni Horn angetan. Sie zeigt die Tiere von hinten. Immer zwei Bilder hängen zusammen. Horn hat bereits die Eröffnungsausstellung im Kunsthaus bestritten.

Die Eleganz toten Wilds fasziniert den deutschen Fotografen Thomas Struth. Das Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ermöglichte es ihm, verstorbene Exemplare selten gewordener Arten abzulichten. Bis in kleinste Details zeigen seine Aufnahmen die Vierbeiner, machen den Schmerz über den dramatischen Artenschwund spürbar.

Im Amazonas-Dschungel hat die Finnin Sanna Kannisto ihr Studio eingerichtet. Vor einem strahlend weißen Hintergrund präsentiert sie die lebenden Tiere in kurzen Filmsequenzen. Sie flattern umher, lassen sich auf einem Zweig nieder.

Wilde Schakale hat die Israelin Michal Rovner geflimt. In grobkörmigem Schwarz-Weiß schleichen sie sich heran, drehen den Kopf, nehmen den Betrachter mit leuchtend weißen Augen in dem Blick. Freie Arbeiten, aber auch skurile Kinderbuch-Illustratonien von Wolf Erlbruch gibt es in einem eigenen Bereich zu sehen.

Einen Kontast dazu schaffen Bilder von Fotofallen, die Naturschutzbiologen der Universität Göttingen in Hessen und Thüringen aufgestellt haben. Sie dokumentieren die Luchs- und Wildkatzen-Bestände. Ihre Automaten schufen dabei auch zahlreiche Schnappschüsse von Hasen auf zwei Beinen, neugierigen Rehen und Hirschen, Mardern und Wildschweinen.

Zur Ausstellung „Modell Tier“, die donnerstags von 15 bis 20 Uhr sowie freitags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen ist, gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Informationen: kunsthaus-goettingen.de. (Michael Caspar/Thomas Kopietz)

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