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Kunsthaus Göttingen zeigt „The Walls“ und eine Schau über Otl Aicher

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Von: Kim Henneking

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Erstellte eine dreidimensionale Illustration: Daniela Friebel aus Berlin.
Erstellte eine dreidimensionale Illustration: Daniela Friebel aus Berlin. © Kim Henneking

Im Kunsthaus Göttingen ist derzeit eine eher ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. „The Walls“ macht die Wände selber zum Kunstobjekt.

Göttingen – Eine ungewöhnliche Ausstellung gibt es im Kunsthaus Göttingen zu sehen. Die Kuratorin Ute Eskildsen hat für „The Walls“ drei Künstlern jeweils einen Raum zur freien Gestaltung angeboten. Dabei dienen die Räume und ihre Wände nicht der Präsentation von Kunst, sie werden selbst zum Kunstobjekt.

„Die Wand ist eine Herausforderung für Künstler. Üblicherweise wird sie bestückt“, erklärt Eskildsen bei einem Rundgang durch das Kunsthaus. Bei dieser Ausstellung diene die Wand als Grundlage für die künstlerische Arbeit. „Aus drei verschiedenen Medien und Methoden sind drei unterschiedliche Raumbilder entstanden.“

Ausstellung „The Walls“ im Kunsthaus Göttingen: Drei Räume, drei unterschiedliche Raumbilder

Im Erdgeschoss ist das Werk von Daniela Friebel aus Berlin zu sehen. Sie hat aus Fotografien ein Tromp l’oeils – eine dreidimensionale Illusion – erstellt. Rund 300 Fotos von verschiedenen Oberflächen und Objekten ergeben den Anschein, dass die Wand mit Planen aus verschiedenen Materialien behangen ist.

Die Schatten und Lichtverhältnisse sehen so echt aus, als wären die Objekte tatsächlich im Raum. Doch auch außerhalb der Ausstellung haben sich die grünen und weißen Planen mit ihren Holzbrettern und Nageln nie berührt - sie wurden an verschiedenen Orten fotografiert und per Computertechnik zu einem Gesamtbild zusammengesetzt.

Widmet eine Ausstellung seinem verstorbenen Freund Otl Aicher: Fotograf Timm Rautert.
Widmet eine Ausstellung seinem verstorbenen Freund Otl Aicher: © Kim Henneking

In der ersten Etage hat Anna-Maria Bogner aus Düsseldorf den gesamten Raum als Grundlage für ihr Werk genutzt. Ein schwarzes Gummiband zieht sich mehrmals quer durch das Zimmer. An den Wänden führen schwarze Striche das Band fort. Für den Betrachter entsteht ein dreidimensionales, schwarz-weißes Labyrith, dessen Verlauf optisch schwer zu greifen ist.

„Erst mit der Bewegung durch den Raum verortet sich der Betrachter. Die Perspektive ändert sich immer wieder“, beschreibt die Kuratorin den Effekt. „Wir sind der Architekt unserer eigenen Realität“, erklärt die Künstlerin ihre Intention. „Grenzen können Halt geben oder ein Hindernis darstellen.“ Doch wer das Gummiband bewegt, merke, dass Grenzen nicht so statisch sind, wie man denkt.

Kunsthaus Göttingen: Drei Etagen, drei Künstler

Frank Neubauer aus Siegen hat im zweiten Stock die Wand als Leinwand für eine Graphit-Zeichnung genutzt. Mit einem Filzklotz und einem zermahlenen Stift hat er zwei weiß-grau-schwarze Zeichnungen erschaffen. Besucher sind eingeladen, sich auf Bänken niederzulassen und das Werk auf sich wirken zu lassen. „Was sie sehen ist vergänglich“, sagt Neubauer. Denn diese Zeichnungen werden nach der Ausstellung übergestrichen.

Eine zweite Ausstellung gibt es im Kabinett zu sehen. Die widmet der Fotograf Timm Rautert seinem verstorbenen Freund Otl Aicher, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Aicher hat die Rotis-Schriftart erfunden und war eine „Lichtgestalt der alten Bundesrepublik“, wie Rautert ihn beschreibt.

Aicher sei ein „lebenslanger Grübler“ und „absolut kompromisslos“ gewesen. Seine Arbeit – wie das Design der Lufthansa und von BMW – habe das Erscheinungsbild der jungen Bundesrepublik geprägt.

Mit dieser Doppelausstellung verabschiedet sich die Gründungskuratorin Ute Eskildsen vom Kunsthaus Göttingen. „Sie hat das Kunsthaus mit ihrer Museumserfahrung und ihrer Ausstellungsexpertise in seiner Entstehungs- und Gründungsphase als Beraterin und als Kuratorin der ersten Ausstellungen eng begleitet. Für dieses Engagement danken wir ihr sehr herzlich“, sagt Gründungsdirektor Gerd Steidl.

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