Drama über Nazizeit

KZ-Stück als 3D-Hörspiel: Duo „Stille Hunde“ stellt sein Stück „Die Besserung“ ins Netz

Zwei Männer in weißen Hemden stehen mit speziellen Aufnahmegeräten vor einer weißen Wand
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Spielen gleich mehrere Rollen im Stück „Die Besserung“: Schauspiel-Duo Christoph Huber (links) und Stefan Dehler.

Vor der Pandemie führte das Göttinger Schauspiel-Duo „Stille Hunde“ sein Stück „Die Besserung“ auf. Weil das derzeit nicht geht, haben sich die Göttinger eine Alternative überlegt.

Bovenden/Moringen – Zuhause, im Heim und dann im Jugendkonzentrationslager Moringen wurden sie nur angeschrien, geschlagen und erniedrigt. Beängstigend realistisch inszeniert derzeit das Göttinger Schauspieler-Duo Stille Hunde ihr einstündiges Stück „Die Besserung“ in 3D-Qualität als Hörspiel.

Es handelt von von zwei Jugendlichen, die in Nazideutschland als „asozial“ abgestempelt wurden.

KZ-Stück als Hörspiel: Aufnahmen im Gemeindehaus Bovenden

Ein Tonstudio mit Kabine und Aufnahmekulisse hat Stephan Schmidt, Gründer und Chef der Firma Friends of green sonic im evangelischen Gemeindehaus von Bovenden eingerichtet. In dem mehrere Meter hohen Raum hallen die Stimmen von Stefan Dehler und Christoph Huber nach, klingen wie aus ferner Vergangenheit.

Die Gegenwartsszenen im Stück, wenn die beiden Söhne der einst Inhaftierten Jahrzehnte später über die verlorene Jugend der Väter sprechen, werden nebenan im Kaminzimmer aufgenommen.

KZ-Stück als Hörspiel: Spezielle Technik für besonderes Erlebnis

Huber und Dehler spielen vor einem Kunstkopf, über dessen Ohren die Aufnahme erfolgt. Pantofonie nennt sich die Technik. Sie sorgt für einen verblüffend realistischen Raumklang, der selbst Bewegungen der Sprecher erlebbar macht. Das verlangt penible Vorbereitung.

Für den KZ-Doktor, der seine Hände in Unschuld wäscht, wurde eigens ein Waschbecken mit Drehknopf aufgestellt. Schmidt hat es so präpariert, dass das abfließende Wasser keine gurgelnden Geräusche erzeugt. Die Schauspieler mussten mehrmals die Schuhe wechseln, bis ihre Schritte gut zu hören waren, aber nicht länger alles andere überlagerten.

KZ-Stück als Hörspiel: Drama beruht auf Zeitzeugenberichten

Das Aufnahmeresultat kann sich hören lassen: Das Publikum hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, die Handlung hautnah mit zu erleben. So findet es sich mit einem Mal selbst in der Rolle des Häftlings wieder – eine Erfahrung, die nicht einmal eine Live-Aufführung vermitteln kann.

Das Drama, das auf Zeitzeugenberichten beruht und von den Schauspieler zusammen mit der KZ-Gedenkstelle Moringen erarbeitet wurde, ist bereits zwölf Jahre alt. Das Duo hat die Geschichte mehr als 200 Mal vor Publikum erzählt.

Dehler und Huber traten in ganz Deutschland auf, vor allem in Klassenzimmern. Sie machten den Geschichtsunterricht lebendig, diskutierten mit den Schülern über Ausgrenzung, Rassismus und Vernichtungslager.

KZ-Stück als Hörspiel: Soll im Juli fertig sein

Doch dann brach die Corona-Pandemie aus und die Stillen Hunde mussten ihren Spielbetrieb einstellen. Sie nutzen die viele freie Zeit unter anderem dazu, die bereits lange geplante Hörspielfassung in Angriff zu nehmen.

Die Aufnahmen in Bovenden, die mehrmals verschoben werden mussten, dauern zwei Wochen. Im Juli soll das Stück fertig sein. Das Duo will es mit einem Videoclip in Sozialen Medien bewerben. Es ist dann auf Download- und Streaming-Portalen kostenlos erhältlich.

„Wir wollen unsere Zielgruppe, die 14- bis 18-Jährigen, direkt im Internet erreichen“, erklärt Huber. Träger des Projekts ist der Göttinger Verein Apex Kultur. Die Einbecker AKB-Familienstiftung fördert die Produktion mit 6000 Euro. (Michael Caspar)

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