Kultursommer

Lachen mit „Mama Bavaria“: Luise Kinseher begeisterte in Göttingen 

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Luise Kinseher: Die bayerische Kabarettistin überzeugte bei ihrem Gastspiel im Alten Rathaus in Göttingen. 

Göttingen. Bekannt ist sie als „Mama Bavaria“ vom Nockherberg. In Göttingen überzeugte Kabarettistin Luise Kinseher beim Kultursommer mit ihrem Programm „Ruhe bewahren!“.

„Ich stell’ heute Abend überhaupt keine Anforderungen an Sie“, begrüßte die Niederbayerin ihr Publikum im ausverkauften Saal des Alten Rathauses. „Wichtig ist am Ende nur, dass g’lacht wor’n is.“ Und dazu gab es am Sonntagabend reichlich Gelegenheit.

Die Rahmengeschichte: Als 48-jährige Singlefrau, die „seit 18 Jahren 30 ist und fürchtet, das nicht mehr allzu lange durchzuhalten“, lernt Luise im Fahrstuhl einen „tollen Typen“ kennen und erlebt dabei „einen der ganz wenigen Momente im Leben, in denen die Zeit stillsteht“. Dem großen, gut aussehenden Mann ohne Ehering, den sie „im internationalen Kunsthandel“ vermutet, hat sie vor dem Verlassen des Fahrstuhls ihre Handynummer zugesteckt und wartet nun zusammen mit dem Publikum auf seinen Anruf.

Dabei hat die Kabarettistin reichlich Zeit zu sinnieren. Darüber, dass die Leute „früher schneller gealtert sind als heute, dafür aber mehr Zeit hatten“. Darüber, dass „in Niederbayern die Uhren nicht nur anders gehen, sondern überhaupt komplett stehen geblieben sind – und zwar um halb drei!“ Darüber, dass „die von allen Menschen gemeinsam empfundene Zeit eine Erfindung für die Bahn ist und die bis heute nicht damit umgehen kann“. Und darüber, dass „derjenige, der schneller büßt, mehr Zeit zum Sündigen hat“.

Alte Bekannte

Mit im Programm hatte Kinseher zwei alte Bekannte aus früheren Programmen: die dauerbeschwipste, Morgenmantel tragende „Mary from Bavary“ und die Rentnerin Helga Freese. Während Mary lieber ins Bierstüberl geht als mit ihren Yoga-verrückten Freundinnen den „herabschauenden Hund, das kaputte Kamel oder irgendwelche andere Gnadenhof-Gymnastik“ zu machen, erzählte Helga Freese von ihrem dementen Heinz, der endlich mit allem einverstanden ist, denn „heute ist das so, wie ich das sag“. 

Ansonsten streifte Luise Kinseher den Klimawandel, die Flüchtlingskrise, den Wohnwahnsinn in München und viele Absurditäten der modernen Gesellschaft. Auch die aktuelle Politik durfte nicht fehlen und wurde kräftig aufs Korn genommen.

Und plötzlich war es dann auch aus mit dem Ruhe bewahren. Nachdem sie den ganzen Abend darauf gewartet und ihre Aufzugsbekanntschaft schon als vermutlich „verheirateten, rechtsradikalen Waffenhändler“ beschimpft hatte, klingelte ihr Smartphone doch noch.

Aufschrei des Entzückens

Mit einem Aufschrei des Entzückens und einem letzten Lied über das Glück, das im Leben oft an einem vorbeirauscht, verschwand Luise von der Bühne. Zurück blieb ein begeistertes Publikum, das noch lange an diesen gelungenen Abend zurückdenken dürfte.

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