Läden unter Corona-Einschränkungen geöffnet

Viel los im Göttinger Einzelhandel – Probleme teils durch Terminvergabe

Zwei Damen stehen vor einem Bücherregal, die vordere greift nach einem Buch.
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Im Second-Hand-Laden Kim ist die Freude groß, dass Kunden das Geschäft wieder betreten dürfen – maximal fünf zur gleichen Zeit. Geschäftsleiterin Gwendolyn Friedrich (hinten) berät Petra Heusy aus Einbeck.

Der Einzelhandel darf wieder eingeschränkt öffnen. In der Göttinger Innenstadt sind dadurch wieder spürbar mehr Menschen unterwegs. Probleme verursacht aber die Terminvergabe.

Göttingen – In der Göttinger Fußgängerzone sind seit dieser Woche wieder spürbar mehr Menschen unterwegs. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass der Einzelhandel unter bestimmten Bedingungen wieder Kunden in seine Geschäfte lassen darf.

Dieses Angebot wird unter den aktuellen Corona-Umständen gut genutzt, wie mehrere Inhaber von Göttinger Geschäften auf Anfrage unserer Zeitung berichten.

Terminvereinbarung verhindert Spontankäufe

„Wir sind gut gestartet“, sagt Susanne Heller, Inhaberin des gleichnamigen Bettengeschäfts. Vier Kunden sind zurzeit in ihrem Geschäft am Kornmarkt zur gleichen Zeit erlaubt, in der Filiale in der Geismar Landstraße sind es zehn.

Am Kornmarkt habe sie auch in den vergangenen Wochen weiterhin Textilien verkaufen dürfen. Dafür hatte sie eine Schaufensterberatung an einem Tisch in der Eingangstür angeboten. „Die ist auch angenommen worden“, sagt Heller.

Der Schaufensterverkauf bei Betten Heller wird weiterhin angeboten, sagt Susanne Heller.

Umso wichtiger sei ihr gewesen, auch die Filiale an der Geismar Landstraße wieder gänzlich öffnen zu dürfen. Da sie dort Bettsysteme anbietet, sei das Geschäftskonzept darauf ausgerichtet, dass Kunden Probeliegen dürfen.

Das Hauptproblem sieht Heller nun woanders: „Der Hemmschuh ist die Terminvergabe.“ Gerade für Geschäfte, die auf Spontankäufe ausgerichtet sind, sei es schwierig, Kunden feste Zeiten vorzugeben – zum Beispiel in der Modebranche.

Buchhandlung Calvör: Froh, wieder öffnen zu können

Nicht möglich waren Spontankäufe in den vergangenen Wochen auch in der Buchhandlung Calvör von Inhaber Eckart Kohl. Trotzdem habe man einige Bücher über „Click and Collect“ verkauft, also Abholen nach vorheriger Bestellung.

„Außerdem hatten wir ,Leila liefert’ als Unterstützung zum Ausliefern“, sagt Kohl. Der Göttinger Dienstleister bietet Läden an, bestellte Waren zum Kunden zu bringen. Verteilt werden die dann ökologisch mithilfe von Fahrrädern.

Trotzdem betont Eckart Kohl: „Wir sind froh, dass wir wieder öffnen können und unsere Kunden sind es auch.“ Drei Personen dürfen sich abgesehen von dem Personal gleichzeitig in der Buchhandlung aufhalten.

Manche Kunden versuchen, sich Termine zu erschleichen

Nicht nur positive Erfahrungen mit Kunden hat hingegen Gwendolyn Friedrich vom Second-Hand-Laden Kim in der ersten Woche seit wieder erlaubter Öffnung gemacht.

„Viele Kunden reagieren sehr aggressiv auf die Terminvergabe“, sagt sie. Hinzu komme, dass einige versuchen, sich einen Termin zu erschleichen.

„Sie stehen dann bei uns im Laden und sagen, sie haben angerufen und einen Termin vereinbart, was aber nicht stimmt“, berichtet Friedrich.

Second-Hand-Laden Kim: Öffnungszeiten werden ausgeweitet

Umso mehr freue sie sich über die vereinzelten guten Worte zu ihr und über ihre Stammkunden. „Hier gibt es viele kuriose Sachen und ein tolles Angebot“, sagt etwa Petra Heusy, die oft aus Einbeck zu Kim fährt – sowohl, um Waren abzugeben, als auch, um welche zu kaufen.

Die Abgabe sei zurzeit dienstags und donnerstags in den Vormittagsstunden möglich, wie Friedrich sagt. Ab kommender Woche werde sie auch die Öffnungszeiten zum Verkauf wieder schrittweise ausweiten. Dann soll der Second-Hand-Laden wieder von 10 bis 15 Uhr anstatt bis 14 Uhr geöffnet sein.

Allerdings dürfen sich Kunden nur eine halbe Stunde darin aufhalten. „Früher blieben manche Kunden teilweise vier Stunden, das wäre zurzeit leider unfair“, sagt Friedrich. Denn im Laden dürfen zur gleichen Zeit nur maximal fünf Kunden sein.

Ordnungsamt der Stadt Göttingen unterstützt Einzelhandel

In der Spieleburg sind sieben Personen abgesehen vom Personal erlaubt. Kontrolliert wird das durch Körbe, die die Kunden beim Betreten des Spielwaren-Geschäfts nehmen müssen.

Danach werden außerdem die Personendaten aufgenommen. Auch telefonische Bestellungen und Abholen im Geschäft sind weiterhin möglich.

Bei ihrer Wiederöffnung unterstützt werden die Geschäfte von dem Ordnungsamt der Stadt Göttingen, sagt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Vor allem habe man bei der „Umsetzung der Änderungen aus der aktuellen Corona-Verordnung“ geholfen.

Darüber hinaus sei das Ordnungsamt während seiner Dienstzeiten dauerhaft in den Fußgängerzonen der Stadt und des Landkreises unterwegs.

Gemeldete Verstöße gegen Corona-Regeln aus vielen Gründen

Einen Überblick über die genaue Zahl an Verstößen gegen die Corona-Regeln hat Kimyon allerdings nicht – „weil die Anzeigen erst noch nach und nach erfasst werden müssen.“ Allerdings hält er fest: „Die aktuellen Änderungen der Corona-Verordnung führten zu spürbar erhöhten Eingaben in Bezug auf mögliche Verstöße.“

Die gingen zum einen in Verbindung zum Einzelhandel ein. Zum anderen gab es Meldungen „über vermeintliche Verstöße zum Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung, der Nichteinhaltung von Hygienekonzepten oder der Überschreitung der maximalen Anzahl bei Zusammenkünften“, sagt Kimyon.

Auch die Polizei fährt des Öfteren Streife. Das sei aber ohnehin durchaus gängige Praxis, wie Sprecherin Jasmin Kaatz sagt. Polizei-Präsenz sei ein wichtiges Mittel, damit sich die Menschen sicherer fühlen.

Ein Kunde mit Begleitung auf 40 Quadratmetern erlaubt

„Aber natürlich liegt unser Fokus auch darauf, zu beobachten, ob sich irgendwo im öffentlichen Raum größere Personenansammlungen bilden, beziehungsweise, ob die aktuellen Corona-Regeln eingehalten werden“, sagt Kaatz.

Die aktualisierten Regeln des Landes für den Einzelhandel erlauben Beratung und Verkauf vor Ort bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in dem entsprechenden Landkreis oder kreisfreien Stadt.

Möglich ist das aber nur nach vorheriger Terminvereinbarung und, wenn Mindestabstände eingehalten werden. Um das sicherzustellen, darf sich auf 40 Quadratmeter Verkaufsfläche nur ein Kunde mit einer Begleitperson aufhalten. (Jan Trieselmann)

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