Ungewöhnliche Reise

Lagerpastor Harms sah starke Hilfe für Flüchtlinge in Libanon

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Arbeitsplatz Andachtsraum: Thomas Harms ist der Lagerpastor für die Innere Mission im Grenzdurchgangslager Friedland. Er hat den im Juli 2016 verstorbenen Martin Steinberg ersetzt.

Göttingen/Friedland. Flüchtlinge und Asylbewerber sieht Thomas Harms täglich, beim Blick aus dem Fenster und in seinem Büro. Doch der Lagerpastor der Inneren Mission in der Erstaufnahmestätte Grenzdurchgangslager Friedland wollte mehr sehen und reiste deshalb nach Libanon.

„Ich wollte dorthin, es war mein Wunsch“, erzählt Harms. Also flog er in den Libanon und erlebte beim Besuch von Projekten der Hilfsorganisation Medair im Bekaa-Tal, wie Flüchtlinge aus Syrien dort Unterstützung finden.

Hilfsorganisation Medair

Medair versorgt die vor Gewalt und Tod geflüchteten Menschen mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, bietet ärztliche Betreuung und Unterkunft. Die ist spartanisch, wie Thomas Harms beim Blick aus seinem Bürofenster auf die festen Häuser im Lager Friedland. „Im Libanon sind das oft halbfertige Rohbauten.“. Doch auch sie bieten Schutz und dazu sanitäre Anlagen. Manche stellen sich ihre Unterkünfte sogar selbst auf, denn Medair verteilt Bausätze für einfache Behausungen. „Das funktioniert.“

Fantastische Arbeit

Aber: Eine Top-Versorgung wie in deutschen Flüchtlingswohnunterkünften könne man im Libanon nicht bieten. Die Infrastruktur sei generell eine andere. Umso höher aber bewertet Harms, das, was Medair in einem Flüchtlingscamp geleistet: „Sie machen eine fantastische Arbeit.“

Im Libanon haben sich laut Harms auch unbürokratische Hilfsangebote entwickelt. Für sie zahlen die Flüchtlinge auch an Privatleute. Kein vorzeigbares System, aber eines, das in der jetzigen Situation und bei den schwierigen Möglichkeiten durchaus funktioniert und wichtig ist, wie Harms schildert.

1,5 Millionen Flüchtlinge

Denn: Libanon ist das vom Flüchtlingsstrom weltweit zahlenmäßig am meisten betroffene Land: Von den sechs Millionen Menschen im Libanon sind etwa 1,5 Millionen syrische und palästinensische Flüchtlinge. Arbeiten dürfen sie dort nicht. „Folglich sind sie auf die Versorgung fast ausschließlich durch die Hilfsorganisationen vor Ort angewiesen“, berichtet Thomas Harms.

Gesundheitszentrum

Beeindruckt war der Pastor, der sich kommunalpolitisch für die Grünen im Göttinger Stadtrat und als Ortsvorsteher von Geismar engagiert, von einem Gesundheitszentrum, das Medair betreibt: „Es ist ausgezeichnet ausgestattet und wird ordentlich geführt.“ Medair hilft übrigens auch bei der Datenerhebung und -weitergabe – so können Hilfsmaßnahmen koordiniert werden.

Harms hat Respekt

Der Besuch im Libanon hat bei Thomas Harms Spuren hinterlassen: Mit Respekt spricht der Pastor über Medair und die Belastbarkeit, mit der die Menschen im Libanon die Flüchtlinge aufnehmen. Harms erkennt auch noch klarer, welch´ gute Bedingungen und wertvolle Arbeit in Friedland und Göttingen bei der Flüchtlingsbetreuung geleistet wurde und wird. „Aber wir brauchen hier eine Alltagsbetreuung für Menschen, die Behörden können diese nicht leisten. „Der Tipp im Alltag hilft oft sehr – es wäre schön, wenn sich weiter Menschen für die ehrenamtliche Betreuung finden würden“, wünscht sich Thomas Harms.

Pastor und Privatmann

Als Seelsorger in Friedland vermischt sich das Engagement für ihn als Pastor und Privatmann immer wieder: Die offene Tür seiner Büro-Baracke und des Andachtsraums, das offene Ohr für Menschen, die hereinkommen – das ist eins. Und genau das schätzt Harms so an der Arbeit im Grenzdurchgangslager.

Von Thomas Kopietz

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