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Lagerräume statt Wohnprojekt im Festen Haus in Göttingen

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Von: Michael Caspar

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Sie wollen das Feste Haus für ein Wohnprojekt nutzen: Deshalb gab es eine Demonstration.
Sie wollen das Feste Haus für ein Wohnprojekt nutzen: Deshalb gab es eine Demonstration. © Michael Caspar

In Göttingens Festem Haus, dem ehemaligen Gefängnis für psychisch kranke Straftäter, wollen künftig zwei niedersächsische Landesmuseen Magazinbestände einlagern.

Göttingen – Damit ist die Idee vom Tisch in dem Gebäude ein Wohnprojekt zu verwirklichen.

„Wir wollen rein“, rufen 40 Demonstranten vor dem im Jahr 1909 eröffneten „Verwahrungshaus“ am Tonkuhlenweg 30. Die einst dort hinter einer einige Meter hohen Mauer untergebrachten „unsozialen Geisteskranken“ wollten dagegen wohl möglichst schnell wieder heraus.

Die Bürger halten Plakate in die Höhe, fordern vom Eigentümer, dem Land, „Wohnprojekte fördern“ und „Wohnraum statt Leerstand“.

Im Festen Haus ließen sich ohne langen Vorlauf 30 Wohnungen für 100 Personen erstellen

Seit zwei Jahren sucht die Gruppe Göttinger nach einem Gebäude für ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, das Einzelappartements und gemeinschaftlich genutzte Räume verbindet. „Ein solches Gebäude könnte mittelfristig im Europaquartier auf dem Holtenser Berg oder am Langen Rekesweg in Grone entstehen, hat uns die Stadt angeboten“, berichtet Gruppensprecher Professor Christian Schrader.

Der Vorteil des Festen Hauses: Dort ließen sich ohne langen Vorlauf 30 Wohnungen für 100 Personen erstellen, hofft der engagierte Jurist.

Ideenreiche Architekten wären gefragt. An „bedrückend enge Zellen mit einschüchternden Türen“ sowie an „dicke Wände und wenig Licht“, errinnert sich Demonstrantin Jantje Hinze. Die ehemalige Mitarbeiterin des Gefängnisses für psychisch kranke Straftäter in Moringen, die das Feste Haus vor Jahren einmal besucht hat, ist fasziniert von der Idee einer Umnutzung.

Das Feste Haus in Göttingen (links unten) aus der Vogelperspektive: Darüber entstand vor einigen Jahren der Neubau der Außenstelle des Maßregelvollzugszentrum Moringen.
Das Feste Haus in Göttingen (links unten) aus der Vogelperspektive: Darüber entstand vor einigen Jahren der Neubau der Außenstelle des Maßregelvollzugszentrum Moringen. © Stefan Rampfel

Die Stadt Göttingen wollte das Gebäude nicht haben

Der Leerstand der 2016 aufgegebenen Gebäudes ärgert Elke Sudau von der Bürgerinitiative Leinebürger. Die Gruppe fand sich vor gut einem Jahrzehnt zusammen, unter anderem weil das Sozialministerium damals den Neubau des Festens Hauses ausgerechnet im benachbarten Park plante und am Ende auch gegen alle Widerstände durchsetzte. Ein Wohnprojekt fände Sudau „großartig“.

Damit wird es jedoch nichts. „Das Land hat das Feste Haus jahrelang vergeblich zum Verkauf angeboten“, berichtet Heinke Traeger, Pressesprecherin des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Auch die Stadt Göttingen wollte das Gebäude seinerzeit nicht haben. So suchte das Land nach einer anderen Nutzung. Die Landesmuseen Hannover und Braunschweig meldeten Interesse an Lagerflächen an.

Die Sanierung soll im kommenden Jahr beginnen

Im vergangenen Jahr unterzeichneten sie einen entsprechenden Nutzungsvertrag mit dem Landesamt für Bau und Liegenschaften. Derzeit laufen bauliche Voruntersuchungen. Die Sanierung soll im kommenden Jahr beginnen. Von Herbst 2024 an wollen die Museen die Räume nutzen.

Dann wird auch die Klingebiel-Zelle öffentlich zugänglich sein. Schlosser Julius Klingebiel war 1939 mit Mitte 30 an einer Psychose erkrankt und eingewiesen worden. Von 1951 an malte er seine Zelle in Göttingen aus. Zehn Jahre lang verzierte er, von den Aufsehern mit Pinsel und Farbe versorgt, so gut wie jeden Quadratzentimeter. Das eindrucksvolle Werk des 1965 gestorbenenen Klingebiel steht seit 2012 unter Denkmalschutz.

Die Klingebiel-Zelle im Festen Haus in Göttingen: Der Raum steht seit dem Jahr 2012 unter Denkmalschutz. Archivfoto: Heidi Niemann/nh
Die Klingebiel-Zelle im Festen Haus in Göttingen: Der Raum steht seit dem Jahr 2012 unter Denkmalschutz. Archivfoto: Heidi Niemann/nh © Archiv/Heidi Niemann/nh

Kontakt zum Projekt „Gemeinschaftlich wohnen“, das nun weiter nach einer passenden Immobile sucht: Wolf-Dieter Koch, Tel. 0170/3 86 09 86. (Michael Caspar)

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