Akademische Ausbildung für Medizinberufe

Land stützt den Gesundheitscampus auf altem Sartorius-Gelände

Standort für den Gesundheitscampus Göttingen: Auf dem Sartorius-Quartier an der Hannoverschen Landstraße wird die Landesregierung 3000 Quadratmeter in alten Sartorius-Gebäuden für die akademische Bildungseinrichtung von HAWK und Universitätsmedizin anmieten. Ab Sommer 2020 werden dort Studenten in vier Studiengängen für Gesundheitsberufe unterwegs sein. Foto: Thomas Kopietz

Göttingen/Hannover. Die Zukunft ist gesichert: Der Gesundheitscampus Göttingen kann auf dem Sartorius-Quartier bleiben – und das für 20 Jahre. Das Land gab grünes Licht.

Das Kabinett in Hannover hat in dieser Woche nach einer jahrelangen Hängepartie, die für Unmut bei den Beteiligten in Göttingen gesorgt hatte, mit einer Absichtserklärung grünes Licht gegeben.

Jetzt wird die federführende Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) einen Mietvertrag für den Ausbildungscampus für Medizinberufe abschließen. Vermieter ist die Sartorius AG. Denn der Gesundheitscampus soll in die historischen Gebäude einziehen. Die Neubauten im „Sartorius-Quartier“, werden vom Entwickler Hamburg Team gebaut und betrieben.

Land mietet 20 Jahre

Gegenüber der HNA bestätigte Staatskanzlei-Chef Dr. Jörg Mielke am Freitag, dass laut Absichtserklärung das Land Niedersachsen für 20 Jahre rund 3000 Quadratmeter zum Preis von 480 000 Euro pro Jahr – insgesamt also 9,6 Millionen Euro – die alten Firmengebäude mieten wird. Selbiges erfuhr auch UMG-Vorstandssprecher Prof. Heyo K. Kroemer von Birgit Honé, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Er zeigte sich erleichtert über den Beschluss. Der Campus und die dort Studierenden seien ein extrem wichtiges Mitarbeiter-Reservoir für die Uni-Klinik.

Knackpunkt Miete

Speziell wegen der Mietkosten hatte es Zweifel gegeben. Sie erschienen auch dem Wirtschaftsministerium sowie der HAWK zu hoch. Die hatte den Landesbeamten und -politikern ein zweites Modell schmackhaft gemacht: Laut eigener Planung wäre ein Neubau auf dem HAWK-Campus, dem ehemaligen Kasernengelände und heutigen Wohngebiet Zietenterrassen günstiger als die Mietvariante.

Gute Lage 

Für Joachim Kreuzburg und Heyo Kroemer zog dieser Vorteil nicht, vor allem, weil Uni-Medizin, Weender Krankenhaus und das Sartorius-Quartier fußläufig nah beieinander liegen, der HAWK-Campus aber ist gut fünf Kilometer entfernt und zudem per Rad – weil in Berglage – schwer erreichbar. „Viele Studierende arbeiten doch in der nahen UMG“, sagt Kreuzburg. Der Standort Sartorius-Quartier sei deshalb optimal.

So sah es nun auch die Landesregierung. Die Ministerrunde stellte laut Sprecher Mielke ausdrücklich den „vielfachen Mehrwert“ des Standorts fest. „Hier spielen auch städtebauliche Aspekte, regionalwirtschaftliche Effekte und die Vernetzung mit dem ländlichen Raum eine wichtige Rolle“, sagt Mielke.

Zeitverlust durch Streit

Klar ist: Der Streit um die Kosten führte zu erheblichen Verzögerungen – letztlich stand die Zukunft des Gesundheitscampus, der als Reservoir für Nachwuchs in Medizinberufen dienen soll, auf dem Spiel. Vor allem Sartorius-Chef Kreuzburg machte Druck, sprach von einer „Barrikade-Haltung“ in Hannover.

Weils Versprechen

Ministerpräsident Stephan Weil aber stand im Wort. Er hatte mehrfach in Statements das Projekt öffentlich unterstützt.

Jetzt freut sich Joachim Kreuzburg sehr, dass der Gesundheitscampus langfristig im „Quartier“ verankert ist: Der Campus dazu die Sartorius Life Science Factory mit Laboren und Räumen für Gründer und Wissenschaftler sowie die Ottobock-Forschungs- und Entwicklungswerkstatt seien „ein vielversprechender Nukleus für Innovationen in Gesundheitswirtschaft und Life Science“. 

Bei der HAWK in Hildesheim ist man „über die Entwicklung erfreut“, sagte ein Pressesprecher. Mehr wolle man aktuell nicht sagen.

Zwei Hallen

Auf dem Sartorius-Quartier stehen noch zwei alte Sartorius-Produktionshallen, die Fassade mit denkmalgeschützten Sheddachelementen und der Turm. Die sanierten und ausgebauten Gebäude werden nach Aussage von Sartorius-Vorstandvorsitzendem Joachim Kreuzburg voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals 2020 bezogen werden können.

Hintergrund

Der Gesundheitscampus Göttingen ist ein einzigartiges Konstrukt und wird gemeinsam getragen von HAWK und Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Start war im Herbst 2016 mit 66 Studierenden in Sartorius-Gebäuden. Aktuell gibt es drei Studiengänge mit insgesamt 186 Studierenden in den Bereichen Pflege (48), Therapiewissenschaften Physiotherapie (65) Logopädie (36) und Mediziningenieurwesen (37). Ein vierter Studiengang aber wird hinzukommen, wie UMG-Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo K. Kroemer nun ankündigt: Ab dem Wintersemester 2019/2020 ergänzt der 4. Bachelor-Studiengang „Gesundheitsbezogenes Versorgungsmanagement“ mit 30 Studienplätzen das Gesundheitscampus-Portfolio. (tko)

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