Visite in Südniedersachsen

Landesbeauftragter gegen Antisemitismus in Göttingen: Tora-Wimpel und Synagogenbesuch

Empfingen Dr. Franz Rainer Enste im Städtischen Museum: Leiterin Andrea Rechenberg (l.) und die Planerin der Tora-Wimpel-Ausstellung, Adina Eckhardt.
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Empfingen Dr. Franz Rainer Enste im Städtischen Museum: Leiterin Andrea Rechenberg (l.) und die Planerin der Tora-Wimpel-Ausstellung, Adina Eckhardt.

„Ein Ringen zwischen Sicherheit und Sichtbarkeit“ nimmt Niedersachsens Landesbeauftragter gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens, Dr. Franz Rainer Enste, bei jüdischen Gemeinden des Landes wahr.

Göttingen – Nun hat er die konservative Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen an der Roten Straße besucht.

„Ganz wichtig“ sei den jüdischen Gemeinden der Kontakt zum Rest der Gesellschaft, erfuhr Enste seit Antritt seines Ehrenamtes 2019 in vielen Gesprächen. Die Juden wollten sich nicht in „Hochsicherheitstrakten“ isolieren, erfuhr er.

Gleichzeitig sei das Bedürfnis nach Schutz groß, insbesondere nach dem Anschlag von Halle. Dort hatte ein militanter Rechtsextremist im Oktober 2019 vergebens versucht, sich mit Gewalt Zugang zur örtlichen Synagoge zu verschaffen.

Fast alle 19 Gemeinden hat der Verwaltungsjurist, ehemalige Richter, Landtags- und Landesregierungssprecher Enste mittlerweile besucht. Er pflegt zudem den Kontakt zu den beiden jüdischen Landesverbänden.

Bei der liberalen jüdischen Gemeinde an der Angerstraße 14 ist er bereits zu Beginn seiner Tätigkeit zu Gast gewesen. Jeder, der Antisemitismus erfährt oder beobachtet, kann sich bei ihm melden. „Ich werde zudem ständig angefragt, um über die Ursachen und Erscheinungsformen des Antisemitismus zu berichten“, erzählt er.

Da gebe es den 2000 Jahre alten, christlichen Antisemitismus. Ende des 19. Jahrhunderts sei der rassistische Antisemitismus entstanden, der zur Shoah geführt habe. Mit der Gründung des Staates Israel nach dem Zweiten Weltkrieg komme Judenfeindlichkeit oft als Antizionismus daher.

Aus antisemitischen Ressentiments speise sich die Abwehr von Schuld und der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Da die Bundesrepublik den Kampf gegen Antisemitismus mittlerweile zur Staatsraison gemacht habe, lehnten einige Staatsfeinde auch die Juden ab.

Enste wirbt für Respekt allen Menschen gegenüber. Entsprechend erfreut zeigt er sich über die neue Sonderausstellung des Städtischen Museums. 19 restaurierte Tora-Wimpel gibt es dort zu sehen.

„Ringen um Menschlichkeit“: Museumsleiterin Andrea Rechenberg führt Dr. Franz Rainer Enste durch die Tora-Wimpel-Ausstellung.

Solche bis zu vier Meter langen Tücher bekamen jüdische Jungen einst zur Beschneidung, erklärten Museumsleiterin Andrea Rechenberg und Ausstellungsplanerin Adina Eckhart bei einer Führung. Beim ersten Besuch der Jungen in der Synagoge wurde darin die Tora-Rolle eingeschlagen, die fünf Bücher Mose.

Die liebevoll bestickten oder bemalten Wimpel zeigen nach Enstes Einschätzung das Ringen der Juden um Menschlichkeit. Das teilten sie mit Christen.

Enste informierte sich bei seinem Besuch in Göttingen auch bei der Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet, die seit einem Jahr bei der Staatsanwaltschaft angesiedelt ist. Es sei wichtig, so der Landesbeauftragte, dass der Staat im Netz Präsenz zeige.

Er müsse Menschen in die Schranken weisen, die dort aggressiv aufträten, andere einschüchterten und mit Straftaten drohten. (Michael Caspar)

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