Göttingen fehlen angeblich wenige Wohnungen

Wohnungsbaubedarf: Landesbericht sorgt für Verwunderung in der Stadtverwaltung Göttingen

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Bautätigkeit: In Göttingen entsteht zwischen Uni-Sportgelände und Uni-Klinik am Albrecht-Thaer-Weg Wohnraum sowohl für Flüchtlinge als auch für Studierende. Bauherr ist die Städtische Wohnungsbau GmbH.  

Göttingen. Im Rathaus sind die Verantwortlichen, wie Sozialdezernentin Petra Broistedt, erstaunt über die Ergebnisse des Landesberichts zur Wohnungsmarktbeobachtung.

Zum Landesbericht fassen wir einige Fragen und Antworten zum Thema Wohungsbaumarkt zusammen:

Welche Prognose beinhaltet die Wohnungsbaumarktbeobachtung 2016/17 des CIMA-Instituts für Regionalwirtschaft?

In Göttingen werden bis 2020 weniger als 300 neue Wohnungen benötigt. Und: Bis 2030 sei der Bedarf an Wohnraum damit weitgehend gedeckt. In der Statistik wird für den Landkreis ein Wohnungsbedarf bis 2035 von etwa drei Prozent erwartet, gleichzeitig – und das ist überraschend – in der Stadt Göttingen ein Überhang von zwei Prozent. Für Niedersachsens Städte werden Wohnungsüberhänge von 70.000 prognostiziert. Die Zahl der Haushalte soll in der Stadt bis 2035 um etwa 3000 sinken, bei einem Einwohnerrückgang von 1500 auf etwa 117.300, laut CIMA. Problem: In Göttingen leben aktuell viel mehr Menschen.

Bislang war in Göttingen, auch in Gutachten, immer die Rede von einigen Tausend benötigten Neubauwohnungen bis 2025. Stimmt das?

Ja. Die Stadt hatte nach einer Studie des Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (GEWOS) 2016 Zahlen vorgelegt: Demnach müssen in der Stadt bis 2030 etwa 4800 Wohnungen neu gebaut werden. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, ausgewiesener Kenner der Wohnungsbauszenerie, sprach öffentlich auch schon von 5000 fehlenden Wohnungen.

Wie sind diese nun vorgestellten Zahlen zu begründen?

Die GEWOS geht von nur gering sinkenden Einwohner und Studierenden-Zahlen in Göttingen aus. Die Stadt hatte 2011 die Einwohnerzahl für 2025 auf etwa 126.000 taxiert. 2015 waren es gut 129.000. Grundsätzlich wird von GEWOS auch ein dauerhaft angestrengter Wohnungsmarkt und fehlende Wohnungen in verschiedenen Segmenten – für Studenten und Familien – festgestellt und weiter vorausgesagt. Im Demografiebericht der Bertelsmann-Stiftung wird bis 2030 gar eine stabile Bevölkerungszahl für die Stadt und ein Rückgang von rund 2,5 Prozent für den Landkreis erwartet.

Wie erklären sich diese gegensätzlichen Prognosen?

Für Wohnen zuständig: Sozialdezernentin Petra Broistedt.

Die Zahlen sind aufgrund der bisher bekannten zunächst kaum zu glauben. Im Rathaus zeigt man sich deshalb erstaunt, wie die zuständige Sozialdezernentin Petra Broistedt sagt. In ihrer Stellungnahme liegt auch die Begründung für die Unterschiede: „Wer von 119.000 in Göttingen lebenden Menschen, nämlich nur den mit Hauptwohnsitz, ausgehe und nicht von der Gesamtzahl der Wohnbevölkerung von etwa 134.000 müsse zwangläufig zu anderen Ergebnissen kommen“, kritisiert Broistedt das Verfahren in der CIMA-Untersuchung. Sie sagt auch: „Wer in Göttingen eine Wohnung sucht, egal ob für wenig oder viel Geld, der weiß: In der Stadt wird Wohnraum benötigt“, sagt Broistedt.

Wird die Stadt Göttingen nun ihrerseits Neuberechnungen und Bedarfskorrekturen vornehmen?

Nein. „Wir haben bis zum heutigen Tag keinen Anlass, an den Aussagen unserer eigenen, noch vor einem Jahr aktualisierten Prognose zu zweifeln“, betont Broistedt. Gleichwohl wolle man sich mit den Göttingen betreffenden Passagen in dem Bericht zur Wohnungsmarktbeobachtung „ausführlich beschäftigen“ und in den Sitzungen des „Bündnisses für Wohnen“ berichten.

Was sagt der nun vorgelegt CIMA-Bericht generell über die Situation am Göttinger Wohnungs- und Baumarkt?

Die Verfasser gehen generell von einem weiter angespannten Wohnungsmarkt in den niedersächsischen Universitätsstädten aus, also von begrenztem Angebot und verstärktem Druck nach oben auf die Mietpreise. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums sei daher ein vordringliches Ziel für die Kommunen im Land. Nichts anderes gibt die Stadt Göttingen als Handlungsverpflichtung vor.

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