Neubau in Göttingen und Hannover

Landesrechnungshof Niedersachsen fordert große Bauunternehmen für Uni-Kliniken

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Zukünftige Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Das Gelände des Uni-Klinikum könnte 2030 in etwas so aussehen, vorne die Robert-Koch-Straße.

Göttingen. Der Landesrechnungshof Niedersachsen hat in einem zweiten Positionspapier zum Neubau der Uni-Kliniken Hannover (MHH) und Göttingen (UMG) Zweifel an den Planungen geäußert.

Das stößt bei Verantwortlichen der Universitätsmedizin Göttingen auch auf Unverständnis. Fragen und Antworten zum Thema:

Der Landesrechnungshof  (LRH) rät davon ab, vorschnell ohne ein „durchdachtes Gesamtkonzept“ Tatsachen bezüglich des Baus zu schaffen. Was sagt dazu die UMG?

„Der Landesrechnungshof hat Recht. Ein durchdachtes Gesamtkonzept ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Realisierung eines solchen Großvorhabens“, sagt UMG-Vorstand Dr. Sebastian Freytag. Die UMG hat diese Hausaufgaben gemacht, der Masterplan für die infrastruktuelle Erneuerung liegt vor.

Was sagt der LRH im zweiten Papier zur Bauzeit?

Gar nichts. Im ersten Papier hat der LRH von einer Umsetzung in zehn Jahren gesprochen. „Ich verstehe die Äußerungen des LRH so, dass er von seiner Forderung nach einer schnellen Umsetzung nicht abrückt“, sagt Freytag. Die Zeit sei ein wichtiger Faktor, auch um steigende Instandhaltungskosten in den Griff zu bekommen. „Wir brauchen vom Land eine Bewertung unseres Masterplanes, damit auf dieser Basis die Planung der zweiten Baustufe angestoßen werden kann.“ Der Bau der ersten Baustufe – Bettenhaus-Neubau, werde zügig, wie vorgesehen, beginnen.

Der LRH fordert, einen oder zwei Totalunternehmer für die Projekte in Hannover und Göttingen. Ist das praktikabel?

Vorstandsmitglied der UMG:Dr. Sebastian Freytag.

Nur bedingt, denn die Voraussetzungen sind unterschiedliche. Die Göttinger Uni-Klinik wird Schritt für Schritt neu gebaut – bei laufendem Versorgungs-, Lehr- und Wissenschaftsbetrieb. Die neue MHH wird möglicherweise auf der Grünen Wiese entstehen. „An der UMG werden alle Alternativen bei der Vergabe mit Blick auf die Anforderungen intensiv geprüft. Es ist sehr gut vorstellbar, dass mit Generalunternehmern gearbeitet wird,“ sagt Freytag. Allerdings ist nicht vorstellbar, dass es am Ende bei ein oder zwei Partnern („Totalunternehmern“) standortübergreifend bleibt. Das wäre weder vergaberechtlich möglich, noch aus Sicht des Bauherren sinnvoll. Man wäre abhängig von einem Partner.

Wie steht es um den Bauherren-Status bei den Klinikum-Projekten?

In Göttingen ist die UMG eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie baut auf eigenem Grund und Boden, ist der Bauherr. „Uns an der UMG ist nicht bekannt, dass Bauherreneigenschaft oder Stiftungsstatus zur Disposition stehen“, sagt Freytag. Alle Parteien stünden hinter dem Konstrukt, das sich in Göttingen bewährt hat. Zudem sei zu bedenken, dass von Änderungen nicht nur die UMG, sondern auch die Uni betroffen wäre. Das Stiftungsmodell habe aber gerade die enge Zusammenarbeit begünstigt und gefördert. Dies gilt bundesweit als große Stärke des Standortes.

Wäre es nicht kostengünstiger und besser, nur mit einer großen Baugesellschaft zu arbeiten?

Laut UMG: Nein. Die Erfahrungen mit Bauvorhaben zeigen laut Freytag, dass ein wichtiger Erfolgsfaktor die Planung vor Ort ist. Dort können Nutzer, Verantwortliche in UMG, Stadt, und Baufirmen sowie betroffene Bürger, also Patienten und Anwohner, besser einbezogen werden. „Das lässt sich nur mit flexiblen und agilen Projektteams vor Ort realisieren.“

Was ist dem Sondervermögen des Landes?

Der Geldtopf Sondervermögen (SV) finanziert laut Gesetz Bauten für die Krankenversorgung. In Göttingen muss auch einen neue Infrastruktur für Forschung und Lehre her. Die SV--Finanzierung könnte auch auf Bauten für diese erweitert werden. „Das würde Sinn machen, denn die Anforderungen wären die Gleichen. Wichtig für die UMG: Die Finanzierung muss auch flexibel seit, über den langen Bauzeitraum. Das ist aus einem laufenden Landeshaushalt nur schwer zu realisieren“, so Freytag

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