Unverständnis über Entscheid des Oberverwaltungsgerichts

Landesschülerrat: Lehrer müssen Boykott der Klassenfahrten beenden

Protestwelle: Im laufenden Schuljahr gab es immer wieder Protestaktionen von Schülern gegen den Lehrer-Boykott von Klassenfahrten, aber auch gegen die Schulpolitik der rot-grünen Landesregierung – wie hier am 15. Januar in Hannover. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Der Landesschülerrat Niedersachsen fordert die Lehrer auf, den Klassenfahrten-Boykott sofort zu beenden.

Viele Lehrer an Gymnasien hatten die Betreuung der Fahrten abgelehnt, nachdem die Landesregierung die Arbeitszeit zu Beginn des laufenden Schuljahres erhöht hatte. Am Mittwoch hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg den Beschluss der Landesregierung mit der Begründung abgeschmettert, die Arbeitszeiterhöhung für Lehrer an Gymnasien sei nicht rechtskonform, die Mehrarbeitsverprlichtung also nicht gültig.

„Es ist schön, endlich Klarheit zu haben“, sagt Tjark Melchert, stellvertretender Vorsitzender des Landesschülerrates und kritisiert nachträglich noch einmal die Haltung und den Klassenfahrten-Boykott der Lehrer: „Die Lehrkräfte hätten auch auf die Entscheidung des Gerichts warten können, ohne die Schüler leiden zu lassen und ihnen Erlebnisse fürs Leben zu nehmen. Der Boykott bringt nichts, sondern schafft nur neue Probleme.“

Auch für die Entscheidung des Gerichtes hat der Landesschülerrat wenig Verständnis. Die Begründung, die Arbeitszeiterhöhung für Gymnasiallehrer sei ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz, teilen die Landesschülervertreter nicht: „Wir finden, dass gegen diesen Grundsatz eher verstoßen wird, wenn bald wieder Lehrkräfte an Integrierten Gesamtschulen mehr unterrichten müssen, als jene an allgemeinbildenden Gymnasien“, kritisiert Daniela Rump.

Ganz deutlich wird die Vorsitzende des Landesschülerrates, wenn es um den Boykott geht: „Nun muss der Klassenfahrten-Boykott endlich flächendeckend beendet werden.“ Es sei nicht zu tolerieren, wenn einige Lehrer weiter bis mindestens 2018 Klassenfahrten boykottieren wollen. „Das wären fünf Jahre ohne Fahrten, und das darf es nicht geben.“

Klassenfahrten seien wichtig für das soziale Miteinander in Schulen. Der Boykott und die Folgen hätten zu angespannten Verhältnissen in Schulen geführt – zwischen Lehrern und Schülern. „In Einzelfällen wurde sogar von einer Spaltung innerhalb der Lehrerschaft berichtet“, so Rump.

In der Schülerschaft hatte es aber auch durchaus Verständnis für die Lehrer und deren Protest gegen die Mehrarbeit gegeben. Das war auch bei Demonstrationen mit vielen hundert oder tausend Schülern in Göttingen und Hannover deutlich geworden.

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