Landesschulbehörde: Göttinger Sprachlernklassen sind überfüllt

+
Unterschiedliche Herkunft: An Schulen in Göttingen wird der Zustrom von Migranten immer mehr spürbar.

Göttingen. Der Deutschunterricht für Flüchtlingskinder und -jugendliche in Göttingens Schulen ist angelaufen. Aber die derzeit 13 Sprachlernklassen sind überfüllt.

In einem Jahr sei Deutsch nur begrenzt zu lernen und die Schüler seien noch weit vom Niveau der Bildungssprache entfernt. Außerdem fehlen Dolmetscher zur Verständigung mit den Eltern. Dieses erschreckende Fazit zog Katrin Brandt, Fachberaterin für Interkulturelle Bildung bei der Landesschulbehörde, bei einer Gesprächsrunde des „MigrantenElternNetzwerks“ im Rittersaal der Göttinger Kreisverwaltung.

Sprachlernklassen gibt es zurzeit an den Grundschulen Brüder-Grimm-Schule (seit 2004), Egels Bergschule (2011), Hagenbergschule (2013), Astrid-Lindgren-Schule (2014) und Erich-Kästner-Schule (2014). Außerdem sollen an der Wilhelm-Busch-Schule und der Hölty-Schule Sprachlernklassen neu eingerichtet werden.

Von den weiterführenden Schulen bieten die Voigt-Realschule (2012), das Felix-Klein-Gymnasium (2012), die Heinrich-Heine-Schule (2013), die Käthe-Kollwitz-Schule (2014), das Otto-Hahn-Gymnasium (2014) sowie die Berufsbildenden Schulen II (2014) und III (2015) diese Klassen an.

Katrin Brandt

Die Geschäftsführerin des Integrationsrat in Göttingen, Birgit Sacher, kritisiert, dass die Sprachlernklassen überfüllt seien. „Bis zu 30 Kindern sind zu viel, eigentlich sollten es maximal nur 16 sein. Das geht gar nicht.“

Herausforderung ist groß

Die Herausforderung für die Lehrkräfte sind groß, sagte Fachberaterin Katrin Brandt: Die Schülerschaft sei unterschiedlich. „Es herrscht ein ständiges „Kommen und Gehen.“ Schüler seien traumatisiert und die Zusammenarbeit mit den Eltern sei wegen fehlender Sprachkenntnisse oft schwierig.

Problemtisch sei es oft auch, Kinder und Jugendliche die drei, vier Jahre auf der Flucht gewesen seien, mit altersgerechten Unterrichtsmaterialien anzusprechen. Außerdem gibt es immer wieder welche, die erst alphabetisiert werden müssten.

Hintergrund: Immer mehr Unterricht in der Sprache des Herkunftslandes

Nach dem Willen der Gesetzgeber sollen die Schüler auch Unterricht in den Sprachen ihrer Herkunftsländer erhalten. Derzeit werden in Göttingen zahlreiche Sprachen unterrichtet. Hier eine Auswahl der verschiedenen Angebote.

Arabisch: Astrid-Lindgren-Schule, Brüder-Grimm-Schule, Egelsbergschule und Erich-Kästner-Schule.

Italienisch: Hainberg-Gymnasium/Schule am Sonnenberg in Bovenden.

Russisch: Hagenbergschule.

Spanisch: Albani-Schule.

Türkisch: Astrid-Lindgren-Schule, Brüder-Grimm-Schule und Egelsbergschule.

Außerdem gibt es zahlreiche Privatinitiativen. Um den Kindern und Jugendlichen den Erwerb von Schulabschlüssen zu ermöglichen, sollen beispielsweise bei Prüfungen unter anderem zusätzliche Bearbeitungszeiten, personelle Unterstützung, alternative Leistungsnachweise und Verständnishilfen eingeräumt werden. (zhp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.