Landgericht Göttingen: Frauengrabscher muss in Therapie

Der Eingang zum Landgericht Göttinger: Hier war der 27-Jährige am Mittwoch verurteilt worden. Rubrikenlistenbild: Schlegel

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Mittwoch einen 27-jährigen Göttinger, der mehrere junge Frauen in Göttingen angegrabscht und sexuell beleidigt hatte, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten sowie zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt.

Die Kammer setzte beide Strafen zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage muss der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte sich einer ambulanten Therapie unterziehen, in der neben seiner Alkohol- und Gewaltproblematik auch sein Rollenbild der Frau aufgearbeitet werden soll. Außerdem muss er den betroffenen Frauen jeweils 200 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der gebürtige Magdeburger, der seine Jugendjahre in Northeim verbracht hat und seit Februar in Untersuchungshaft saß, hatte in dem Prozess die Vorwürfe eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn angeklagt, im Dezember 2015 sowie im Februar dieses Jahres insgesamt vier Frauen verfolgt und sexuell belästigt zu haben. Einmal war er nachts einer Studentin gefolgt, nachdem diese in Weende aus dem Bus ausgestiegen war. Er packte sie am Gesäß, legte ihr die Hand an den Hals und fuhr ihr über die Brust. Einer anderen Frau griff er von hinten durch die Beine an den Oberschenkel, eine weitere Frau ging bei seinem Übergriff zu Boden. Sein viertes Opfer, eine 17-jährige Schülerin, hatte er nachmittags im Bus beobachtet. Er folgte ihr und bot ihr 50 beziehungsweise 100 Euro für Sex mit ihm.

Das Gericht stufte die vier Taten als sexuelle Nötigung, versuchte sexuelle Nötigung sowie Beleidigung und tätliche Beleidigung ein. Mit seinem Urteil blieb es unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten sowie Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten plädiert. Die Kammer entschied sich für eine Bewährungsstrafe, weil der Angeklagte sich zu einer Therapie bereit erklärt hatte.

Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei weniger sinnvoll, da dort in erster Linie die Alkoholproblematik behandelt werde. Um den Angeklagten möglichst effektiv und gut therapieren zu können, müssten aber gleichzeitig auch die anderen Problemfelder angegangen werden. Dies sei in einer ambulanten Therapie besser möglich. 

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