Landgericht Göttingen

Fünf Jahre Haft für 29-Jährigen wegen Gewalt und Raub im Drogenmilieu

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat einen 29-jährigen Mann wegen mehrerer Raub- und Gewaltdelikte im Göttinger Drogenmilieu zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Die Kammer befand den bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten des besonders schweren Raubes, der gefährlichen Körperverletzung und der Nötigung für schuldig. Aufgrund seiner Drogenabhängigkeit sei seine Steuerungsfähigkeit bei den insgesamt drei angeklagten Taten erheblich eingeschränkt gewesen. Das Gericht ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Vor zehn Jahren führte ein Gewaltdelikt, das viele Menschen in der Region erschütterte, zum Bruch in der Biografie des Angeklagten: Seine 17-jährige Freundin wurde beim Besuch einer Disco-Veranstaltung in Asche (Kreis Northeim) von einem 18-jährigen Berufsschüler getötet. „Ab da gab es Probleme“, sagte der Richter.

Täter saß bereits mehrere Jahre im Gefängnis

Der Freund der Getöteten rutschte ins Drogenmilieu ab, wurde immer wieder straffällig. Er wurde seither unter anderem wegen Drogenhandels, schweren Raubes, Diebstahls, versuchter räuberischer Erpressung, Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung verurteilt und saß bereits mehrere Jahre im Gefängnis.

Bei den Taten, für die er jetzt verurteilt wurde, stand er unter Führungsaufsicht. Alle spielten sich in einer Wohnanlage in der Groner Landstraße ab, die in der Drogenszene als „Bunker“ bezeichnet wird.

Der Angeklagte habe einem Bewohner, den er verdächtigte, ihm Heroin geklaut zu haben, mit einem abgesägten Billardqueue auf den Hinterkopf und die Beine geschlagen. Der Attackierte habe dadurch unter anderem eine Schädelfraktur sowie diverse Platzwunden und Hämatome erlitten.

Zudem hat der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts mit einem Kumpanen einen anderen Bewohner angegriffen und ihm 250 Euro geklaut. Wenige Tage später habe er einem weiteren Nachbarn mit der Faust ins Gesicht geschlagen, mit einem Messer dessen Hose aufgetrennt und dessen Wohnung durchwühlt. Zuvor hatte er ihn beschuldigt, ihm Geld geklaut zu haben.

Das Tatmuster sei in allen Fällen ähnlich gewesen, sagte der Richter. Der Angeklagte habe jeweils andere bezichtigt, ihm Heroin oder Geld entwendet zu haben, und sei dann in einer Art Selbstjustiz gegen sie vorgegangen: „Sie haben da schon Angst verbreitet in diesem Milieu.“

Das Gericht ordnete die erneute Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, um ihm noch einmal die Chance zu geben, seine Drogenabhängigkeit therapieren zu lassen. „Wenn‘s nicht klappt, kommen Sie in den Strafvollzug“, sagte der Richter.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © Jelinek/dpa

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