Millionenschwerer Zivilstreit beschäftigt Landgericht Göttingen 

Streit um 60-Millionen-Yacht der Ottobock-Werft 

Göttingen. Ein millionenschwerer Zivilstreit um eine der größten und teuersten Segelyachten der Welt hat am Montag das Landgericht Göttingen beschäftigt.

Klägerin ist die Panamax Ltd. des Milliardärs und früheren Mehrheitseigentümers des Industriekonzerns GEA, Otto Happel. Die dem Recht der Insel Guernsey unterstehende Kapitalanlagegesellschaft hat eine Feststellungsklage gegen den Chef des Medizintechnik-Konzerns Ottobock in Duderstadt, Hans Georg Näder, und die Ottobock Holding eingereicht.

Das Verfahren vor dem Landgericht ist aber nur ein Nebenschauplatz des eigentlichen Streits, der inzwischen seit mehreren Jahren vor dem maritimen Schiedsgericht in Hamburg anhängig ist.

Alles begann in Finnland

Der Ursprung des Streits liegt in Finnland. 2006 hatte Otto Happel bei der finnischen Werft „Baltic Yachts“ die High-Tech-Yacht „Hetairos“ in Auftrag gegeben. Im August 2011 wurde der 67 Meter lange Zweimaster aus Carbon ausgeliefert. Medienberichten zufolge soll die Spezialanfertigung 60 Millionen Euro gekostet haben.

Allerdings erfüllte die Super-Yacht – trotz Super-Preis – nicht die Erwartungen des Eigners. In der Mängelliste wurde auch aufgelistet, dass sich das Antriebssystem als nicht betriebstauglich erwiesen habe. Auch nach diversen Nachbesserungen war Happel nicht zufrieden und machte deshalb Schadensersatzansprüche gegen die Werft geltend.

Näders Einstieg bei Baltic

Ottobock-Chef: Hans Georg Näder. Foto: Ottobock/nh

Ottobock-Chef Hans Georg Näder schätzt ebenfalls die finnische Spezialwerft für leistungsstarke Kohlefaser-Yachten, er hat sich dort die Maxi-Yacht „Pink Gin“ bauen lassen. Im Oktober 2013 stieg der Unternehmer mit seiner Otto Bock Holding ein, übernahm 80 Prozent von „Baltic Yachts“, die auf den Bau von Yachten aus Kohlefaser spezialisiert sind, was laut Näder zu seinem Unternehmen passe, das ebenfalls mit Kohlefasern produziert.

Streit betrifft nun Ottobock

Da die Werft nun zu Ottobock gehört, geriet das Duderstädter Unternehmen auch in den millionenschweren Streit um etwaige Schadensersatzansprüche wegen der angeblichen technischen Mängel bei der Yacht „Hetairos“.

Die Panamix Ltd., die bis 2013 Eigentümerin der Yacht war, möchte in dem Nebenverfahren vor dem Landgericht Göttingen gerichtlich feststellen lassen, dass sich die Beklagte in dem in Hamburg anhängigen Schiedsverfahren unredlich verhalten habe.

Die Anwälte der Klägerseite, unter ihnen der frühere stellvertretende CSU-Vorsitzende Peter Gauweiler, verweisen dabei auf ein Treffen der beiden Yacht-Eigner Otto Happel und Hans Georg Näder im Oktober 2016 in San Diego, Kalifornien.

Drohung von Näder?

Die Klägerseite behauptet, dass Näder in dem Vier-Augen-Gespräch eine rechtswidrige Drohung ausgesprochen habe. Die Gegenseite bestreitet dies vehement. Auch den Vorwurf, dass man sich in dem Schiedsverfahren falsch eingelassen habe, wiesen die Anwälte Näders in der Güteverhandlung zurück. Die Hauptprotagonisten selbst waren nicht zu dem Gerichtstermin erschienen.

„Prozessuale Probleme“

Die Richterin wies bei der Erörterung der Sach- und Rechtslage darauf hin, dass es „jede Menge prozessuale Probleme“ gebe und die Klage daher voraussichtlich wenig Erfolgschancen habe. So sei zweifelhaft, ob überhaupt ein Rechtsschutzbedürfnis und ein Feststellungsinteresse der Kläger vorliege.

Das Gericht will seine Entscheidung im August verkünden. (pid)

Rubriklistenbild: © Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.