Kenntnisse eignete er sich im Internet an

Landgericht: Verlassener Mann gesteht Mordversuch mit Quecksilber

Prozessauftakt: Das Verfahren gegen den 44-Jährigen hatte Mitte Juni begonnen. Jetzt hat der Angeklagte gestanden, dass er versucht hat, seine Frau mit Quecksilber und Blei umzubringen. Foto: dpa

Göttingen. Im Prozess um einen spektakulären Mordversuch hat der 44-jährige Angeklagte am Montag vor dem Landgericht Göttingen ein Geständnis abgelegt.

Der Immobilienkaufmann räumte ein, mehrfach Weinflaschen und Lebensmittel mit Bleiacetat versetzt zu haben, damit seine Ehefrau krank wird. Die 38-Jährige erlitt dadurch so schwere gesundheitliche Schäden, dass sie sich Klinikaufenthalten unterziehen musste. Als sie sich endgültig von ihm trennen wollte und er aus dem gemeinsam bewohnten Haus ausziehen sollte, habe er sich entschlossen, sie umzubringen, sagte der Angeklagte.

Er habe Quecksilber im Backofen, im Toaster, in Heizkörpern sowie in den Lüftungsschlitzen ihres Autos versteckt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die 38-Jährige dadurch über einen längeren Zeitraum giftigen Dämpfen ausgesetzt gewesen. Sie habe nur deshalb überlebt, weil sie sich nicht ständig in dem Haus aufgehalten habe.

Aktualisiert um 17.45 Uhr

Als Motiv für seine Taten gab der Angeklagte an, dass er schockiert gewesen sei, als seine Ehefrau ihm Anfang Mai vergangenen Jahres eröffnete, sich nach sieben Jahren Ehe von ihm trennen zu wollen. Sie sei seine Traumfrau gewesen. Das Wohnhaus im Landkreis Göttingen hätten sie kurz nach der Hochzeit gekauft. Nur ein gemeinsames Kind habe gefehlt, um „komplett zu sein“.

Er habe sich dann im Internet über Blei und Quecksilber informiert, sagte der 44-Jährige. Das Bleiacetat habe er selbst hergestellt, indem er die bleihaltigen Köpfe der Patronen abtrennte und mit Essigsäure und Wasserstoffperoxid zu Pulver verkochte. Mindestens fünf Weinflaschen habe er damit versetzt, außerdem Getränke und Lebensmittel. Das Quecksilber habe er aus Schaltern gewonnen, die er bei Ebay bestellt hatte.

Plan schien aufzugehen

Er habe seine Ehefrau zunächst nur schädigen wollen, um sich dann um sie kümmern zu können, sagte der 44-Jährige. „Ich wollte einfach, dass sie mich wieder braucht und ich ihr beweisen kann, dass ich trotzdem für sie da bin.“ Zunächst schien sein Plan aufzugehen, diese Annäherung sei aber nur von kurzer Dauer gewesen. Als klar wurde, dass sie nicht zu ihm zurückkehren wollte und ihr Anwalt ihn zum Verlassen des Hauses aufforderte, habe er sich gesagt: „Jetzt bringe ich sie um!“ Daraufhin habe er das Quecksilber verteilt.

Staatsanwaltschaft wirft Angeklagtem Heimtücke und Habgier vor

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Heimtücke und Habgier vor. Er habe seine Ehefrau töten wollen, um sich den hohen Zahlungsverpflichtungen zu entziehen, die er bei der zu erwartenden Scheidung zu leisten hätte.

Eigenen Angaben zufolge verdiente der Angeklagte als Mitarbeiter im Immobilienvertrieb der Deutschen Bahn rund 200.000 Euro jährlich, außerdem gehörten ihm mehrere Mietshäuser. Es sei ihm aber nicht um das Materielle gegangen, sagte der 44-Jährige. Er sei einfach enttäuscht gewesen.

Ein Indiz könnte indes auf ein finanzielles Motiv hindeuten: Kurz nachdem seine Ehefrau erstmals über eine mögliche Trennung gesprochen hatte, setzte er ein Testament auf, indem er seine aus einer früheren Beziehung stammende Tochter als Alleinerbin einsetzte. Das Gericht hat für den Prozess weitere Verhandlungstage bis Ende August angesetzt. (pid)

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