Mutmaßlicher Drahtzieher

Landgericht verurteilt 68-Jährigen wegen fingierter Unfälle zu dreieinhalb Jahren Haft

Das Landgericht Göttingen: Hier wurde der 68-Jährige verurteilt.
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Das Landgericht Göttingen: Hier wurde der 68-Jährige verurteilt. (Symbolbild)

14 Monate nach Prozessbeginn ist jetzt ein Mammutverfahren um einen groß angelegten Versicherungsbetrug vor dem Landgericht Göttingen zu Ende gegangen.

Göttingen – Das Gericht verurteilte einen bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten aus Göttingen wegen Betruges in zwölf Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der ursprünglich aus Duderstadt stammende 68-Jährige zahlreiche absichtlich herbeigeführte Verkehrsunfälle organisiert habe, um anschließend die Schäden bei den Versicherungen geltend zu machen. Das Gericht habe außerdem die Einziehung von rund 230 000 Euro angeordnet, teilte ein Sprecher mit. So hoch sei die Summe, die der 68-Jährige durch die Taten erlangt haben soll.

Die mutmaßlichen Betrugstaten liegen bereits viele Jahre zurück. Die Staatsanwaltschaft nennt in ihrer im November 2015 erhobenen Anklage einen Tatzeitraum zwischen April 2010 und März 2013. Demzufolge soll der 68-Jährige spätestens Ende 2009 den Entschluss gefasst haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und unter Einschaltung von Rechtsanwälten die Kfz-Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen. Der Angeklagte habe die Fahrzeuge beschafft und weitere Mittäter rekrutiert, die als Halter und Fahrer fungierten. Auch Abschleppunternehmen, Sachverständige und Werkstätten hätten bei den Betrügereien mitgewirkt.

Der 68-Jährige ist mehrfach vorbestraft und hat auch schon wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen. Die Polizei war den mutmaßlichen Betrügereien nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen.

Die meisten mutmaßlich fingierten Unfälle ereigneten sich in Göttingen, weitere Unfallorte waren Rosdorf, Heiligenstadt, Magdeburg und Leipzig.

Auffällig war, dass es stets keine Verletzten und keine weiteren Zeugen gab und die Unfälle ein ähnliches Muster aufwiesen.

In den vergangenen Jahren hat es bereits zahlreiche weitere Prozesse gegen mutmaßliche Mitbeteiligte gegeben. In den vergangenen Jahren hat es bereits zahlreiche weitere Prozesse gegen mutmaßliche Mitbeteiligte gegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte die betreffenden Unfallfahrer beziehungsweise Fahrzeughalter jeweils gesondert angeklagt. Inzwischen sind nach Justizangaben mehr als ein Dutzend Angeklagte rechtskräftig verurteilt, einige Verfahren sind noch anhängig. (Heidi Niemann)

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