Landhippie trifft auf Lyrik

Dr. Frank Helmut Witzel über „Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie“

Von den Nöten eines Schreiberlings und dem Zauber der Jugend: Frank Witzel entführt in die nordhessische Hippie-Welt des 19-jährigen Friedrichs.
+
Von den Nöten eines Schreiberlings und dem Zauber der Jugend: Frank Witzel entführt in die nordhessische Hippie-Welt des 19-jährigen Friedrichs.

Göttingen. Zur Leipziger Buchmesse Mitte März hat der Manuela-Kinzel-Verlag den Roman „Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie“ des in Göttingen lebenden Autors Dr. Frank Helmut Witzel veröffentlicht.

Mit seinem Erstlingswerk lädt der Redakteur in seine eigene Welt der sehr bilderreichen Sprache ein und entführt den Leser in die nordhessische Hippie-Welt des 19-jährigen Friedrichs.

Hat sich der Leser erst einmal auf die metaphernreiche Sprache, mit teilweise sehr langen, aber geradlinig verlaufenden Sätzen eingelassen, lässt sich die fiktionale Autobiographie mit dem klanghaften Titel „Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie“ angenehm lesen und schenkt dem Leser immer wieder persönliche Einblicke hinter die Kulissen eines „Schreiberlings“. Die Tatsache, dass sich der Autor in diesem - durchaus autobiographisch wirkenden Text - gnadenlos selbstkritisch gegenübertritt, macht die häufig geübte Kritik am Kulturbetrieb durchaus glaubhaft.

Wortwitz und Interaktion 

Auch die immer wiederkehrende direkte Ansprache zieht den Leser in das aktuelle Geschehen - fast, als würde er dem Autor über die Schulter blicken können und bei der Gestaltung des Buches mitwirken.

Und noch eine Besonderheit: Es wimmelt nur so von Exkursen - den linearen Erzählstil scheint Witzel bewusst zu boykottieren. Dennoch gelingt es, der Geschichte zu folgen.

In dem fast 500 Seiten starken Roman erinnert sich der Feuilletonredakteur Friedrich an die Zeit, als er als 19-Jähriger Anfang der achtziger Jahre seine große Liebe kennengelernt hat. In einer bilderreichen, anarchisch-wilden Sprache schildert er die Zeit ihrer Verliebtheit. Darüber hinaus schreibt er über sein geborgenes Leben auf dem Land.

Im Fokus stehen dabei die Erlebnisse Friedrichs mit seinen Freunden und ihre Verwandlung von braven Schülern zu poetischen, nach dem Sinn des Lebens suchenden Landhippies, die gegen fast alles und jeden aus der Erwachsenenwelt revoltieren. Auch die Freiheit der Literatur, der Kunst und der modernen Philosophie geben Friedrich den Mut zum Protest und inspirieren ihn zu einem freien ungestüm-poetischen Leben.

Ein Buch vom Erwachsenwerden, von einer Rebellion - eine Charakterstudie, vielleicht auch ein Seelenstriptease, als Wortballett getarnt mit einer emotionalen aber auch amüsanten Wucht. Wie viel vom Inhalt des Romans tatsächlich rein fiktional ist, bleibt unklar. Vielleicht sind es diese Einblicke und Fragen, die das Werk vor der Belanglosigkeit retten. Denn inhaltlich verliert der Text und zieht sich mit der Zeit ziemlich in die Länge. Aber mit seinem interessanten Schreibstil und amüsanten Nostalgiefaktor schenkt der Autor eine nette kleine Reise in die jugendliche Vergangenheit.

Dr. Frank Helmut Witzel: „Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie“, 475 Seiten, 19 Euro, Verlag: Kinze, ISBN: 3955440095

Zur Person 

Frank Helmut Witzel ist 1962 in Bad Hersfeld geboren und auf einem Bauernhof in Haunetal-Stärklos aufgewachsen. Er ist verheiratet und hat in Saarbrücken und Göttingen Germanistik, Theologie und Philosophie studiert. An der Georg-August-Universität Göttingen hat er über Heinrich Böll und Sören Kierkegaard promoviert („Die Dame im Gruppenbild als christlicher Gegenentwurf zum repressiv-asketischen Traditionsstrang des Christentums“). Er arbeitet als Internet-Redakteur in der Pressestelle der Göttinger Universität. Vor Beginn der Arbeit an seinem Roman „Rock, Rinder und die Posaunen der Poesie“ hat er für das Feuilleton des Göttinger Tageblattes Literaturkritiken geschrieben.

Von Melanie Triesch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.