Fingierte Geldübergabe in Lippoldsberg

Festnahmen wegen Erpressung: Polizei schnappt Hells Angels

Wahlsburg/Adelebsen/Kassel. Schlag gegen die Hells Angels: Mehrere Mitglieder des Rockerclubs Hells Angels sind am Montagabend von Spezialkräften des Polizeipräsidiums Nordhessen im Landkreis Kassel und Südniedersachsen festgenommen worden. Ein Mann aus Lippoldsberg soll Opfer der Rocker gewesen sein.

Zunächst erfolgte die Festnahme von zwei Männern im Zuge von Ermittlungen nach der Erpressung eines 60-jährigen Mannes aus Lippoldsberg .

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Bei einer fingierten Geldübergabe an der kurzfristig gesperrten Marktstraße in Lippoldsberg wurden zwei 48- und 51-jährige Männer festgenommen. Sie sollen das 60-jährige Opfer bedroht und 100.000 Euro verlangt haben. Die beiden Hauptverdächtigen, von denen der 48-Jährige der Rockergruppe Hells Angels aus dem Raum Göttingen angehört, wurden bei der Festnahme in Lippoldsberg leicht verletzt, mussten aber nicht ärztlich behandelt werden, so Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch.

Der Polizeieinsatz am späten Nachmittag rund um ein ehemaliges Schuhgeschäft sorgte für Aufsehen in Lippoldsberg. Die Festgenommenen wurden in Handschellen abgeführt, berichten Zeugen. Das Einsatzkommando der Polizei kam in mehreren Autos mit dunklen Scheiben vorgefahren, die Männer in schusssicheren Westen liefen auch durch die Gärten.

Im Zuge weiterer Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wurden am Montagabend drei weitere mutmaßliche Mittäter der Erpressung im Alter von 25, 27 und 31 Jahren in Adelebsen im Landkreis Göttingen vorläufig festgenommen. Bei der Aktion sollen mehrere mutmaßliche Führungskräfte der Hells Angels festgenommen worden sein. Die beiden Haupttäter sollen auf Antrag der Kasseler Staatsanwaltschaft am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittlungen dauern an. Weitere Auskünfte können daher derzeit nicht erteilt werden, so Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. (tko/use/tty)

Box-Club der Hells Angels in Adelebsen

Die Hells Angels Gruppe hat den mittlerweile offiziell als Box-Club bezeichneten Treffpunkt an der Hauptstraße in Adelebsen im Februar 2013 eröffnet. Damals war zunächst von einer „Wohnungseinweihung“ im privaten Bereich die Rede gewesen. Die Hells Angels sorgten vor allem in dem Adelebser Ortsteil Güntersen für Unruhe und Verunsicherung bei den Menschen: In angemieteten Räumen einer Gastwirtschaft Lokal trafen sich dort bislang viermal Angels-Spitzen aus ganz Deutschland – zuletzt am 30. August.

Aktualisiert um 12.25 Uhr

Längst regt sich Widerstand im dem Ort gegen die Angels-Meetings. Die Göttinger Polizei beobachtet die Treffen und kontrollierte dabei auch die Akteure. Verhaftungen gab es keine.

Man werde die Bewohner mit ihren Ängsten nicht alleine lassen, hatte kürzlich Göttingens Polizeipräsident Robert Kruse nach einem Spitzengespräch mit Vertretern aus Politik, den Bürgermeistern, dem Landrat und der Polizei gesagt. Sollte es zu Straftaten kommen, werde man diese konsequent verfolgen. Im niedersächsichen Landtag in Hannover gab es zum Thema Hells Angels in Südniedersachsen am vergangenen Freitag eine Fragestunde. Fazit: Straftaten seien bislang nicht bekannt. Das scheint sich geändert zu haben. (tko/use)

Der Motorradclub Hells Angels

Die Hells Angels wurden 1948 von Harley-Davidson-Liebhabern in Kalifornien (USA) gegründet. Die Organisation gilt als mitgliederstärkster und mächtigster Rockerclub der Welt. Landesweite Verbote der Rockergruppe Hells Angels gibt es in Deutschland bislang nicht. Verboten wurden aber bundesweit Ortsclubs, sogenannte Charter: in Hamburg, Düsseldorf, Koblenz, Frankfurt und Bremen. In Hannover kamen die ortsansässigen und bundesweit führenden Hells Angels um Boss Frank Hanebuth im Juni 2012 einem Verbot zuvor und lösten sich auf. Aktiv waren sie freilich seitdem immer noch, in anderen Unterorganisationen. Laut LKA hätten sich seitdem acht neue Ortsclubs gegründet.

Hanebuth hatte einst im Rotlichtviertel von Hannover mit seinen Angels und der Firma Bodyguard Security für eine Befriedung gesorgt, seine Tätigkeit als Sicherheitskoordinator aber im November 2011 beendet, weil er sich einer Hetzkampagne durch Journalisten und Politiker ausgesetzt sah. Die Polizei hatte daraufhin eine Wache am Steintor eingerichtet. Frank Hanebuth hatte sich mit 17 Angels 2013 auf Mallorca eine - luxuriöse - Bleibe gesucht. Sein Anwesen hat einen Wert von etwa 2,5 Millionen Euro. Davon hat er im Moment nichts: Er sitzt seit dem 23. Juli 2013 auf Mallorca in U-Haft. Die spanische Justiz wirft ihm Geldwäsche, Erpressung, Verdunklung und Förderung der illegalen Prostitution vor. Er habe mit Schwarzgeld auf der Insel eine Autorennstrecke bauen wollen. Anklage wurde noch nicht erhoben. (tko/lni)

Bilder vom Einsatzort

SEK-Einsatz gegen Hells Angels

Karte: Hier wurden die Männer in Lippoldsberg verhaftet

Karte: Hier liegt Adelebsen

Rubriklistenbild: © dpa

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