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Landtagswahl: Politische Frau mit Haltung – Marie Kollenrott kandidiert für die Göttinger Grünen

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Von: Thomas Kopietz

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Niedersachsenwahl 2022: Die Göttinger Kandidatin Marie Kollenrott (Grüne) will im Landtag bleiben. Dafür will sie auch über den grünen Tellerrand hinausdenken.

Göttingen – Marie Kollenrott sitzt seit Oktober 2021 im Landtag – und sie möchte dort bleiben. Ein starker Listenplatz – Rang 11 – gibt schon ein Quantum Sicherheit. Aber Kollenrott will mehr: Als erste Grüne das Direktmandat im Wahlkreis ziehen und die ausscheidende Seriensiegerin Gabriele Andretta (SPD) beerben.

Wahlkampf trainiert ist Kollenrott, Erfahrungen sammelte sie auch als Kandidatin für die Landratswahl 2021, holte 18,9 Prozent im großen Landkreis – in Göttingen mit 32,7 Prozent sogar mehr Stimmen als der Landrat Marcel Riethig (SPD). Für die 38-Jährige ist das ein Mutmacher und Zeichen, dass der Sieg im Wahlkreis möglich ist.

Landtagswahl Niedersachsen: Marie Kollenrott kandidiert für die Göttinger Grünen

Marie Kollenrott tritt bei der Landtagswahl für Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Göttingen an.
Sie will wieder in den Landtag einziehen: Marie Kollenrott tritt für Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Göttingen an und hat, wenn man sie draußen trifft, fast immer Hund Jaques dabei. © Privat/nh

Kollenrott kommt aus der Grünen Jugend, die ist in Göttingen traditionell ein kritischer, kämpferischer Zweig, mit einem Hang, Rechtsextremen die Stirn zu bieten. Ihren eigenen politischen Stil bezeichnet die Grüne als integrativ: Lieber mit anderen reden, als zu polarisieren und verbal draufzuhauen.

Das soll aber nicht heißen, dass Kollenrott nicht meinungsstark und konfrontativ ist. Wenn sie im Landtag als Rechtsexpertin für eine Reform der Ersatzfreiheitsstrafen plädiert, dann tut sie dies mit eindringlichen Worten – auch, um Kollegen anderer Fraktionen für das Ziel zu gewinnen. Ihr Credo: „Streiten in der Sache mit Haltung“ und mit dem Ziel im Blick.

Ich bin mit politischem Engagement aufgewachsen, das immer Substanz hatte.

Marie Kollenrott

Mit diesem Streiten in der Sache ist sie im Wendland groß geworden, lernte zu protestieren, sich gegen das atomare Zwischenlager, die Castor-Transporte aufzulehnen. „Ich bin mit politischem Engagement aufgewachsen, das immer Substanz hatte.“ Prägend wirkte auch der kommunalpolitisch aktive Vater, der ihr mitgab: „Wer ein Hirn hat, ist auch dazu verpflichtet, es zum Wohle der Gesellschaft zu nutzen. Das habe ich noch immer im Hinterkopf – auch, wenn ich politisch streite.“

Themen: Politik, Gerechtigkeit und Klimaschutz vereinen

Studiert hat sie Politik und Recht, auch, um „Gesetze zu verstehen und zu wissen, wie ich Politik ausbuchstabieren kann“. Antrieb war stets auch ihr Sinn für Gerechtigkeit. Politik und Gerechtigkeit gehören für Kollenrott untrennbar zusammen, so auch beim Ziel, Klimaschutz gerecht zu gestalten. Nur so könne er von vielen getragen werden.

„Viel zu lange wurde Klimaschutz und Soziales gegeneinander ausgespielt, besonders von konservativen Kräften – auch in der SPD“, sagt Kollenrott, die Göttingen als lebendige Stadt schätzt – und eine, in der demonstriert wird, gegen Ungerechtigkeit und Nazis, für Menschenrechte und Demokratie.

Expertise im Umweltschutz sammelte die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion im Landtag, als sie drei Jahre lang den Landesverband Erneuerbare Energien leitete. Dort lernte sie „über den grünen Tellerrand hinaus zu denken“.

Als Angeordnete will sich Kollenrott, die 19 Jahre kommunal- und landespolitisch unterwegs und eng vernetzt ist, weiter für die Region stark machen. Südniedersachsen brauche Bundes- und EU-Fördergeld, um sich entwickeln zu können. „Mit Mut und viel Einsatz“, will sie daran anknüpfen. „Ich glaube, ich bin dem gewachsen.“

Grüne-Landtagskandidatin Marie Kollenrott will in jedem Fall Berufspolitikerin bleiben

Privat mag Marie Kollenrott das Draußensein, am liebsten bei Spaziergängen mit ihrem langjährigen Partner. Mit dabei ist dann immer ihr lauffreudiger Hund Jaques. Und sie ist Fußball-Fan. Ihr Herz schlägt für Werder Bremen und Göttingen 05.

Kollenrott will zwar Berufspolitikerin bleiben, betont aber, dass sie davon nicht abhängig sei – aufgrund der beruflichen Vorerfahrungen. So geht sie relativ gelassen in den Wahlsonntag, die Chance auf das Direktmandat und der gute Listenplatz sorgen dafür. Wer die temperamentvolle Frau kennt, der weiß aber auch, dass sie sehr wohl mitfiebern wird.

Politisch aktiv wird sie bleiben, um „im Kleinen und als kleine Politikerin“ etwas im politischen Geschehen beeinflussen. „Ich habe Kapazitäten, die ich einbringen kann für die Gesellschaft – deswegen mache ich das.“ Der Vater wird das gerne hören. (Thomas Kopietz)

Außenministerin Annalena Baerbock stärkte auch Marie Kollenrott bei einer Wahlkampfveranstaltung in Göttingen den Rücken. Auch die Grünen-Chefin Ricarda Lang hat am Göttinger Gänseliesel gesprochen.

Zur Person

Marie Kollenrott (38), geboren in Hamburg, wuchs im Wendland auf, machte das Abitur in Lüchow. Zum Studium der Politik- und Rechtswissenschaften kam sie nach Göttingen, 2005 startete sie bei den Grünen. Bei der Landtagswahl 2013 kandidierte Kollenrott für die Grünen im Wahlkreis Duderstadt und auf Platz 27 der Landesliste.

Sie errang kein Mandat, sondern leitete von 2013 bis 2016 das Abgeordnetenbüro des damaligen Umweltministers Stefan Wenzel. 2017 stand sie auf Listenplatz 17, verpasste erneut und knapp den Einzug. Sie arbeitete sie als politische Beraterin beim Institut für Organisationskommunikation, bis 2021 dann beim Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen als stellvertretende Geschäftsführerin.

2021 war sie Landratskandidatin. Als Nachrückerin zog sie im Oktober 2021 in den Landtag ein. Platz machte auch ihr ehemaliger „Chef“ Stefan Wenzel, der in den Bundestag aufstieg. Marie Kollenrott ist (noch) ledig und lebt in Göttingen. (tko)

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