Agroforste im Landkreis Göttingen

Landwirt pflanzt bei Förste neue Bäume auf Acker

Bäume sollen den Acker gegen Wind schützen: Planer Christoph Meixner (links) mit Nebenerwerbslandwirt Andreas Vihs und Sohn Arik.
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Bäume sollen den Acker gegen Wind schützen: Planer Christoph Meixner (links) mit Nebenerwerbslandwirt Andreas Vihs und Sohn Arik.

85 Bäume hat Nebenerwerbslandwirt Andreas Vihs auf seinem Acker in Förste bei Osterode gepflanzt. Ein solcher Agroforst, einer der ersten im Landkreis Göttingen, hilft in Zeiten des Klimawandels die landwirtschaftlichen Erträge zu sichern.

Förste – „Mit 60 bis 70 Bodenpunkten ist die Qualität des Ackers recht gut“, berichtet Vihs. Der Boden vermag allerdings aufgrund des karstigen Untergrunds Wasser nicht so gut zu halten. Die auf einem Hügel oberhalb des Orts gelegene Fläche ist zudem dem Wind ausgesetzt, der den Boden austrocknet. Beides zusammen erweist sich in den zunehmend heißeren und niederschlagsärmeren Sommern als Problem.

„Die in Reihen gepflanzten Bäume bieten Schutz gegen den Wind und die Sonne“, erläutert Christoph Meixner vom Witzenhäuser Agroforst-Start-up Triebwerk. Auf dem Acker stehen nun Apfel- und Birnbäume, aus deren Früchten Vihs Saft gewinnen will. Auf der Fläche wachsen zudem Walnussbäume. Außerdem hat der Nebenerwerbslandwirt die Edelhölzer Elsbeere und Speierling gepflanzt, deren Holz sich in einigen Jahrzehnten vermarkten lässt.

„Wir haben die Bäume so ausgewählt, dass sie das ganze Jahr über blühen – beginnend mit den Salweiden im Frühjahr, dann den Obstbäumen und schließlich am Ende des Sommers den Bienenbäumen“, erläutert Meixner. Vihs hält Bienen, für die es so die ganze Saison über reichlich Pollen und Nektar gibt. „Bisher ist ihr Nahrungsangebot nach der Rapsblüte schmal“, sagt der Imker. „Unser insektenfreundliches Agroforstsystem hat das Interesse des Agrarökologen Dr. Andrée Hamm von der Universität Bonn gefunden“, berichtet Meixner. Hamm will das Projekt nun wissenschaftlich begleiten.

Vihs hat für seine Nutzinsekten zudem zwischen den Baumreihen Blühwiesen-Samen ausgesät. „Wenn die Bäume etwas größer sind, baue ich eventuell Arzneipflanzen wie Kamillie an“, kündigt er an. Die Baumreihen stehen 18 Meter voneinander entfernt. So lassen sich die Flächen dazwischen gut mit landwirtschaftlichen Maschinen bewirtschaften. Die Bäume belegen zusammen sechs Prozent der 1,8 Hektar großen Fläche. „Der amerikanische Hersteller von Outdoor-Bekleidung, Patagonia, fördert das innovative Projekt mit 4800 Euro“, berichtet Meixner.

Vihs, der im Hauptberuf als Verkaufsleiter bei der Osteroder Firma Martin Christ Gefriertrockungsanlagen tätig ist, hat den Acker sowie drei Hektar Wald 2014 zusammen mit seinem Wohnhaus in Förste erworben.

„Bäume und Hecken auf Äckern sind mit der verstärkten Mechanisierung der Landwirtschaft seit den 50er-Jahren in Deutschland weitgehend verschwunden“, sagt Meixner. Die Bauern hätten große, einheitliche Flächen geschaffen. Aufgrund des Klimawandels zeichne sich mittlerweile ein Umdenken ab. Für Agroforste spreche zudem ihr Beitrag zum Artenschutz.

Von Michael Caspar

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