Landwirte vermissen Anerkennung ihrer Arbeit

Diskussion zur Landwirtschaft: Gastgeber und Moderator Fritz Güntzler (Mitte) zusammen mit (von links) Agrarökonom Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Landwirtin Andrea Meyer-Biermann, Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking (CDU) und Landwirt Hubert Kellner. Foto: Krischmann

Landkreis Göttingen. Während einer Podiumsdiskussion haben Bauern der Region ordentlich Dampf abgelassen. Sie sehen sich zu Unrecht angefeindet.

Landwirte fühlen sich in der Debatte um Massentierhaltung und Nährstoffbelastung der Böden zu Unrecht in die Ecke gedrängt. Sie fordern von der Gesellschaft mehr Anerkennung ihrer Arbeit, das wurde bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion in Göttingen deutlich. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler hatte dazu in seiner Reihe „Fritz im Dialog“ eingeladen. Er traf damit den Nerv, 170 Zuhörer drängten sich im Tagungsraum des Hotels Freizeit In, um über das Thema „Landwirtschaft neu denken?!“ zu diskutieren. Das sind einige Schwerpunkte.

Tierhaltung

Christina Schulze Föcking, Landwirtin und CDU-Landtagsabgeordnete aus Burgsteinfurt (Nordrhein-Westfalen) erklärte, der Druck auf den Berufsstand in den von Rot-Grün geführten Bundesländern sei extrem. Das Schlagwort von Massentierhaltung werde in den Raum geworfen, ohne handfesten Beleg.

Scharf kritisierte Schulze Föcking, dass die Politik von den Landwirten in der Tierhaltung Sachkundenachweise verlange und jedes Bundesland andere Maßstäbe anlege. Jeder Landwirt sei durch seine fundierte Ausbildung sachkundig in der Tierhaltung.

Den Antibiotika-Einsatz in den Ställen sprach die junge Landwirtin Andrea Meyer-Biermann an. Wie soll der Tierhalter in der Praxis damit umgehen, fragte sie. Christina Schulze Föcking antwortete, Antibiotika sollten nur verabreicht werden, wenn die Tiere tatsächlich krank sind, und nicht vorsichtshalber eingesetzt werden.

Wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe sei sehr schwierig, die Gewinne seien im Schnitt um 38 Prozent gesunken, so die Abgeordnete. Der Vorsitzende des Landvolks, Kreislandwirt Hubert Kellner, sagte, in Südniedersachsen spiele Tierhaltung eine geringe Rolle, hingegen habe der Zuckerrübenanbau Bedeutung. Mit dem Wegfall der Quote im Jahr 2017 fehlten Einnahmen, „da werden alle dicke Backen machen“. Um Wertschöpfung in der Region zu halten, seien Berufskollegen bereit, Schweineställe zu bauen. Investitionshindernis seien aber die fehlenden verlässlichen Rahmenbedingungen durch die rot-grüne Landesregierung in Hannover, so Kellner.

Gesetzliche Auflagen, von Bund, Ländern und Europäischer Union, machten Bauern das Leben schwer, befand Agrarökonom Prof. Dr. Ludwig Theuvsen. Wenn die Politik die Produktionsbedingungen verschärfen wolle, etwa bei Anwendung von Düngemitteln, dann müsse die Landwirtschaft in Richtung Verbraucher deutlich machen, „dass wir für die Produkte dann auch mehr Geld brauchen.“

Ackerbau

Ob die Bauern zuviel Dünger auf ihre Felder geben, dieser Punkt war in der Debatte umstritten. Zuhörer meldeten sich zu Wort, die anmahnten, die Landwirte sollten die Kritik ernst nehmen. Das geschehe, erwiderte Agrarpolitikerin Schulze Föcking. Landwirte gingen verantwortungsbewusst mit den Böden um.

Wissen über Lebensmittel

Schulze Föcking beklagte, dass in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich weggeworfen werden. Es fehle den Kindern das Wissen, wie Lebensmittel hergestellt werden, etwa Milch und Fleisch. Hinzu komme, dass Kindern in Schulbüchern Falsches über Landwirtschaft vermittelt werde.

Eine Bäuerin sagte, sie habe eine Klasse der Grundschule eingeladen, ihren Hof zu besuchen, damit die Kinder sich in den Ställen umschauen können. Die Schule habe geantwortet, das sei im Lehrplan nicht vorgesehen. Sie vermisse die Bereitschaft der Schulen, in die Betriebe zu gehen.

Eine Vertreterin der Landfrauen erklärte, es gebe Zusammenarbeit der Landfrauen mit Schulen, etwa im Bereich gesundes Essen. (kri)

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