Fragen & Antworten zur MPU: Der lange Weg zurück zum Führerschein

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Alkohol am Steuer: Wer seinen Führerschein wegen Trunkenheit verloren hat, hat unter Umständen einen langen Weg vor sich, bis er wieder selbst Auto fahren darf.

Göttingen. Wer in Südniedersachsen seinen Führerschein verloren hat und zum sogenannten Idiotentest muss, der kann in Göttingen kompetente Hilfe bekommen.

Dort gibt es die Vorbereitung auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung.

Was ist die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU)? 

Mit diesem Verfahren, umgangssprachlich Idiotentest genannt, werden Verkehrsteilnehmer überprüft, ob sie für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr geeignet sind - die Fahreignung wird untersucht.

Wer muss zur MPU eigentlich gehen? 

Michael Bogus

Das sind die vier Hauptgruppen: Wer mit mehr als 1,6 Promille Alkohol am Steuer oder auf dem Fahrrad erwischt wird, wer wiederholt unter Alkoholeinfluss unterwegs war, wer mit Drogen aufgefallen ist oder acht Punkte in Flensburg hat, muss zur MPU. Das wird immer durch die für den Wohnort zuständige Führerscheinstelle angeordnet.

Was wird bei der MPU überprüft? 

Bei der Untersuchung geht es nicht um die Fähigkeiten am Steuer. Stattdessen wird gecheckt, ob eine erhöhte Rückfallgefahr wegen der begangenen Übertretung besteht.

Was passiert genau der MPU? 

Der Test, der in Göttingen beispielsweise beim TÜV Nord abgelegt werden kann, teilt sich in mehrere Bestandteile auf. Neben einem Gespräch mit einem Psychologen gibt es eine medizinische Untersuchung sowie einen einfachen Reaktionstest.

Was ist der schwierigste Teil? 

Das ist das Interview mit dem Psychologen. Der Betroffene muss erklären können, wie es zum Fehlverhalten kam und wie es zukünftig ausgeschlossen werden kann. Der Alkoholkonsum beispielsweise muss drastisch eingeschränkt oder dauerhaft ganz aufgegeben werden.

Wie sollte man vorgehen, wenn man seinen Führerschein verloren hat?

Doris Müthing-Ehrenreich

Die Betroffenen sollten sich am besten sofort nach dem Führerscheinentzug beraten lassen, um eine Führerschein-Sperrfrist zu nutzen und an sich selbst zu arbeiten. Hintergrund: Die Betroffenen bekommen erst bei der Beantragung des neuen Führerscheins, frühestens drei Monate vor Ablauf der Frist, die Info, dass sie zur MPU müssen. „Oft ist diese Zeit dann ungenutzt verloren. Manche haben im schlimmsten Fall ein weiteres Jahr keinen Führerschein“, sagt Diplom-Psychologe Michael Bogus von Nord-Kurs (TÜV Nord).

Kann man sich auf die MPU vorbereiten? 

Ja, man sollte sogar. Dazu gibt es in Göttingen spezielle Beratungs- und Vorbereitungsmöglichkeiten. Es gibt Einzel- und Gruppengespräche. Die Kurse laufen in der Regel am Wochenende, damit sie von Berufstätigen besucht werden können.

Was passiert in den Vorbereitungskursen?

Verkehrspsychologin Doris Müthing-Ehrenreich geht in den Gesprächen der Frage auf den Grund, warum zum Beispiel zu viel Alkohol getrunken wurde. Mehr als 250 Teilnehmer im Jahr nehmen an den Kursen und Gesprächen teil, zu 85 Prozent sind es Männer. In Göttingen sind viele Fahrradfahrer darunter, die unter Alkoholeinfluss unterwegs waren. „Wenn man Alkohol getrunken hat, sollte man auch das Fahrrad stehen lassen“, sagt Müthing-Ehrenreich.

Welchen Vorteile kann der Vorbereitungskurs noch haben? 

Die Teilnehmer an den Kursen haben die Chance, eine Verkürzung der Führerschein-Sperrfrist oder Aufhebung eines Fahrverbots zu bekommen. Das können zwei oder auch mehr Monate sein. Außerdem kann man dadurch zusätzliche Kosten sparen, wenn man uninformiert durch die MPU fällt.

Wie kommt zum Alkoholmissbrauch? 

„Oft sind es Existenzängste, die eine Rolle spielen“, sagt Müthing-Ehrenreich. Aber auch Trennungen, Misserfolge und andere Sorgen stecken oft dahinter. Diese Probleme werden aufgedeckt und gezielt bearbeitet. „Es geht nicht nur darum, den Führerschein wieder zu bekommen, sondern das Verhalten soll sich dauerhaft ändern“, sagt Müthing-Ehrenreich. „Dadurch machen viele Teilnehmer schon im Vorfeld einer MPU positive Erfahrungen“, ergänzt Psychologe Bogus.

Welche Kosten fallen an, bis man den Führerschein wieder hat? 

Zur Strafe vom Gericht kommen Antragsgebühren für den Führerschein (etwa 130 Euro in Göttingen), die Kosten für die Führerscheinberatung (etwa 70 Euro), der Vorbereitungskurs (ab 500 Euro) und die eigentliche Medizinisch-Psychologische Untersuchung (400 bis 650 Euro). Hinzu können noch Abstinenznachweise für Alkohol oder Drogen kommen.

Kontakt:  Nord-Kurs, Maschmühlenweg 10, 37073 Göttingen, Tel. 0800/8 88 38 83 oder 05 51/50 76 46 45.

www.nord-kurs.de

Verkehrsgerichtstag: Künftig ab 1,1 Promille zur Untersuchung

Die Zahl der Medizinisch-Psychologische Untersuchungen (MPU) wird voraussichtlich steigen. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat empfohlen, dass Alkoholsünder bei der ersten Auffälligkeit künftig bundesweit einheitlich schon ab einem Promillewert von 1,1 die MPU absolvieren müssen.

Diese Grenze liegt derzeit in den meisten Bundesländern bei 1,6 Promille. In anderen wird die 1,1-Promille-Grenze aufgrund richterlicher Entscheidungen bereits angewendet.

Zuletzt mussten jährlich rund 45 000 Kraftfahrer wegen Alkoholauffälligkeit im Straßenverkehr zu dem Test. Fachleute gehen davon aus, dass diese Zahl nach einer Herabsetzung der Promille-Grenze durch den Gesetzgeber stark steigen wird. (mit dpa)

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