Tier wurde auf Tagebau gesichtet

Langstreckenrekord: Luchs aus dem Harz läuft in die Lausitz

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Eine Luchsin im Gehege an den Rabenklippen im Nordharz: Ein Tier legte etwa 220 Kilometer Luftlinie bis in die Lausitz zurück. Foto:

Osterode. Ein aus dem Harz stammender Luchs hat einen neuen Langstreckenrekord aufgestellt.

Vor zwei Jahren hatten Mitarbeiter des Harzer Luchsprojektes in Hörden bei Osterode den Luchs mit einer Kastenfalle eingefangen und mit einer orangefarbenen Ohrmarke markiert. Jetzt wurde der Luchs in einem Tagebaugelände in Brandenburg gesichtet. Das an Sachsen angrenzende Tagebaugebiet in der Lausitz sei rund 220 Kilometer Luftlinie entfernt, sagt der Leiter des Harzer Luchsprojekts, Ole Anders. „Dies ist die am weitesten dokumentierte Abwanderung eines Luchses aus dem Harz heraus.“

Ein Naturfotograf, der sich eigentlich auf das Ablichten von Wölfen spezialisiert hat, hatte den Luchs im Tagebaugebiet Welzow Süd vor die Linse bekommen. Anhand der Aufnahmen konnten die Harzer Luchsforscher das Tier dann eindeutig identifizieren. Ein Indiz war die orange Ohrmarke, das entscheidende Merkmal war aber die Fellzeichnung an den Beinen. Ähnlich wie beim Menschen der Fingerabdruck ist bei den Pinselohren die Fellzeichnung das eindeutige Erkennungsmerkmal. Anordnung, Form und Größe der Flecken sind bei jedem Tier individuell unterschiedlich.

Die Harzer Luchsforscher stellten beim Abgleich fest, dass der Lausitzer Luchs jenes Tier ist, das ihnen Anfang März 2016 in eine Kastenfalle gegangen war, als es erneut an einem Rehriss fressen wollte. Damals habe der Luchs lediglich 17 Kilo gewogen und sei noch kein Jahr alt gewesen, sagt Anders. Vermutlich hatte er sich erst kurz zuvor von der Mutter getrennt. Jungtiere bleiben nach der Geburt bis zum nächsten Frühjahr bei der Mutter und versuchen dann, ein eigenes Revier zu finden. Da der eingefangene Luchs noch nicht ausgewachsen war, bekam er statt eines mit einem Sender versehenen Halsbandes nur eine Ohrmarke.

Später sei der Luchs noch zweimal im Südharz gesichtet worden, sagt Anders. Danach war er zwei Jahre verschollen, bis er nun in der Lausitz entdeckt wurde. „Wir wissen nicht, welchen Weg er bei seiner Wanderung gegangen ist.“ Auf jeden Fall war es eine ungewöhnliche Route, die meisten Luchse aus dem Harz sind in Richtung Westen oder Süden abgewandert. Den Fotos nach zu urteilen, befindet er sich in einem guten Ernährungs- und Gesundheitszustand. Nur mit der Fortpflanzung dürfte es in der Lausitz schwierig werden: Bislang ist kein weiterer Luchs in der Gegend bekannt. Der Pinselohr-Migrant aus dem Harz ist dort allein auf weiter Flur.

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