Langer Weg zur Datenbank

Langzeitprojekt der Uni Göttingen erfasst mehr als eine Million Dokumente

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Im Londoner Archiv: Amanda Bevan (links) von den National Archives (UK) mit Historikerin Dagmar Freist, die einen Schlüssel aus dem Prize Papers-Bestand in der Hand hält.

Mit dem Forschungsprojekt „Prize Papers“ betreut die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen seit Januar ein neues Langzeitvorhaben.

„Wir freuen uns sehr über dieses faszinierende neue Projekt, das der Wissenschaft den Zugang zu einzigartigen Quellen aus der Seefahrtszeit Europas der frühen Neuzeit ermöglicht“, sagt Akademiepräsident Prof. Andreas Gardt.

Bei den „Prize Papers“ (Prisenpapiere) handelt es sich um Schrift- und Sachgut, das bei der Kaperung von Schiffen sichergestellt und nach der üblichen Gerichtsentscheidung in London eingelagert wurde. Erst im 20. Jahrhundert entdeckten Archivare den völlig unsortierten Bestand. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entstanden einzelne Forschungsprojekte – vor allem zu niederländischen Akten.

Den Anstoß zum systematischen Sichten des gesamten Bestandes gaben Prof. Dr. Dagmar Freist und ihr Team von der Uni Oldenburg 2012, als sie während einer internationalen Forschungskooperation auf die Prize Papers stießen.

Der Bestand ist riesig: Mehr als eine Million Dokumente aus 30 000 Kaperungen unter anderem von niederländischen, portugiesischen, italienischen, französischen und deutschen Schiffen lagern in 4000 Boxen. Ziel des Akademienprojekts, das von Bund und Land mit 9,7 Millionen Euro unterstützt wird, ist die systematische Erfassung und Digitalisierung der Dokumente, um das Material am Ende in einer Online-Datenbank für die Forschung zugänglich zu machen.

Ungefähr zwölf Jahre werde es dauern, den Bestand zu digitalisieren – drei Millionen Images werden erwartet – und insgesamt 20 Jahre, die von Anfang an parallel laufende Beschreibung der Dokumente abzuschließen, so Freist. Wie aufwendig die Arbeit ist, lässt allein ein Blick auf die geschätzt 160 000 Briefe ahnen, die nicht nur handgeschrieben, sondern in vielen verschiedenen Sprachen verfasst sind.

Göttinger Akademie

Seit Mai arbeiten zwei Fotografinnen in London an der Verfilmung des Materials. Zum Team in Oldenburg gehören aktuell fünf Doktoranden und ein Postdoc. Kooperationspartner des 25. Langzeitprojekts der Göttinger Akademie sind die National Archives (London) und das Deutsche Historische Institut (London) sowie für die Entwicklung der Datenbank die Verbundzentrale (VZG) des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) in Göttingen.

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