Laster lassen in Göttingen den Boden vibrieren: Uni will Erdwärme nutzen

Messungen in Göttingen: Vibrationsfahrzeuge fuhren am Donnerstag durch die Stadt und prüften mit sogenannten „Sweeps“ die Bodenstruktur, in der Hoffnung, günstige Voraussetzungen für die Nutzung von Geothermie vorzufinden. Foto: von Polier

Göttingen. Vielleicht reicht die Wärme unter der Göttinger Erdoberfläche aus, um Gebäude der Universität damit zu beheizen. Das wird derzeit mit Vibrationsfahrzeugen erforscht.

Ein Team der kanadischen Firma „Tesla Explorations“ ist mit vier Spezialfahrzeugen unterwegs. Sie überprüfen, ob sich Erdwärme als Energiequelle nutzen lässt. Hintergrund ist, dass die Universität Göttingen ab 2016 unabhängig von Energieversorgern werden will.

„Im Idealfall können am Ende bis zu 80 Prozent des Wärmebedarfs der Universität Göttingen durch Geothermie gedeckt werden“, sagt Rainer Bolli, Leiter des Gebäudemanagements der Universität. Momentan koste die Energieversorgung der gesamten Uni etwa 33 Millionen Euro, Kosten für Wärme hätten dabei einen Anteil von etwa 15 bis 16 Millionen Euro, was durch die Erdwärme reduziert werden soll. Ein weiterer Vorteil der Geothermie wäre gegeben, wenn das Wasser in der Erde mindestens 120 Grad Celsius heiß ist, dann könnte mit der Hitze des Wassers auch Strom erzeugt werden, erklärt Bolli. Seit etwa drei Jahren beschäftigt sich die Universität mit dem sogenannten „Energiekonzept 2016“, denn der Vertrag mit Energieversorger EAM (Eon) läuft in diesem Jahr aus.

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Geothermie kann genutzt werden, indem mithilfe von Bohrungen in etwa drei bis vier Kilometern Tiefe heißes Wasser gefördert wird. Dessen Wasserdampf betreibt eine Turbine, die wiederum Strom erzeugt. Außerdem kann Wärme in ein Kraftwerk transportiert werden. Wenn die Wärme des Wassers genutzt ist, wird es wieder in die Erde gepumpt.

Abgesenkte Metallplatte 

Um die unterirdische Struktur zu prüfen, senden die Vibrationsfahrzeuge sogenannte „Sweeps“ ab. Das sind zwölf Sekunden lange Signale, die eine festgelegte Tonfrequenz durchlaufen, die die Fahrzeuge abgeben, indem sie eine Metallplatte auf den Boden absenken. Dafür fahren sie auf einer festgelegten Route und halten etwa alle 50 Meter an. Sogenannte „Geophone“ fangen diese Impulse auf. Diese Sensoren werden auf einer bestimmten Strecke in den Boden gesteckt und zeichnen auf, wie die Vibrationsimpulse von den Gesteinsschichten unterschiedlich zurückgeworfen werden. Dadurch lässt sich später ein dreidimensionales Bild der Bodenstruktur bis zu einer Tiefe von fünf Kilometern zeichnen.

Wie es mit der Geothermie für die Universität weitergeht, wird sich mit den Ergebnissen zeigen. Es sei aber wahrscheinlich, dass Erdwärme genutzt werden könne, denn in der Region gibt es Salzvorkommen, die gute Wärmeleiter sind, erklärt Bernd Leiss, Geologe am Geowissenschaftlichen Zentrum der Uni. „Wir können aber erst eine Prognose abgeben, wenn wir wissen, die die Werte aussehen“.

Von Jürgen von Polier

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