Lebendiger Totentanz:

Erste Probenphasen zum Großprojekt „Verdi-Requiem“ haben begonnen

Göttingen. Seit zwei Wochen tanzen sie im Tanzzentrum Göttingen in jeder freien Minute. Erfahrene und unerfahrene Tänzer absolvieren die erste Trainingseinheit für ein gemeinsames Jugendtanzprojekt, das die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Göttingen organisiert.

Laut dröhnt Giuseppe Verdis Requiem (Totenmesse) aus den Lautsprechern, die Tänzerinnen setzen zum Sprung an und landen synchron auf ihren Füßen - genau dann, wenn die Musik dramatisch innehält. Es ist die zweite Woche Tanztraining und fünfzehn Minuten der 85-minütigen Choreographie sind geschafft.

Die vielen Tanzschritte wirbeln bei den eher unerfahrenen Tänzerinnen des Jugendtanzprojektes durch den Kopf. Mit dem modernen, zeitgenössischen Tanz hat keine von ihnen Erfahrungen. Die 21-jährige Eva hat schon Hip-Hop gemacht und auch Cheerleading, die 32-jährige Djana begann vor eineinhalb Jahren wieder mit Ballett. An dem intensiven Training haben bis jetzt alle Spaß.

Auftritt im November 

Sie sind froh, dass sie es erst im November aufführen müssen. Dann betreten sie zusammen mit sechs erfahreneren Tänzern die Göttinger St. Johanniskirche, werden begleitet vom Göttinger Symphonie Orchester, der Göttinger Stadtkantorei und Gesangssolisten. Die Anfänger haben es am schwersten. Sie fangen bei Null an und brauchen am meisten Disziplin und Durchhaltevermögen. Das weiß die Tanzkoordinatorin Ulrike Grell: „Drei Wochen lang wird intensiv geprobt und am Ende wollen wir 90 Prozent der Choreographie geschafft haben. Es wird anstrengend.“ Vor allem in den ersten Tagen sei die Anstrengung sehr groß.

Tanzende Totenmesse 

Der Tanz soll eine Geschichte erzählen, von der die elfjährige Charlotte momentan nicht ganz überzeugt ist. Gerade ist sie ein Spielball zwischen den anderen Tänzern. Sie muss sich fallen lassen und vertrauen, dass die anderen sie fangen. Etwas, das mit fremden Personen am Anfang vor allem Mut erfordert. Trotzdem hat Charlotte Spaß am Tanzen, erlernt gern die Choreographie zur Totenmesse.

„Von Tag zu Tag fällt mir das Tanzen leichter“, freut sich Freya. Es gehe ihren in Geist und Körper über. Der zeitgenössische Tanz lebt vor allem von den natürlichen Bewegungen der Tänzer, erzählt die Geschichte zwischen Leben und Tod. Viel wird mit einer Geste gezeigt, dann wieder mit dem ganzen Körper. Sie tanzen im Gehen und Stehen, genauso wie im Liegen und Sitzen. Für den Choreographen Jan Hartling ist es eine interessante Erfahrung, mit den Tanzanfängern zu arbeiten: „Tänzer verstehen sofort die vorgegebenen Bewegungen, Anfänger lege ihre eigene Note in einen Schritt und machen ihn zu ihrem. So werden sie dann zu Tänzern.“

• Der Tanz wird am Samstag und Sonntag, 21. und 22. November, in der Göttinger St. Johanniskirche aufgeführt. Die Leitung hat Bernd Eberhardt.

• Auch jetzt noch können erfahrene und unerfahrene Tänzer am Tanzprojekt teilnehmen. Ansprechpartner: Ulrike Grell, Tanzzentrum Göttingen, Telefon 0551/200 486 09

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