Verbraucherschutzbericht Niedersachsen

Täuschungen bei Lebensmitteln werden immer gewiefter

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Stichprobe zu Ostern: Dann nimmt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz beispielsweise bunte Eier genauer unter die Lupe.

Hannover. Das ist besorgniserregend: Bewusste Betrügereien und falsche Kennzeichnungen in den Betrieben halten Niedersachsens Lebensmittelkontrolleure auf Trab.

Ob schöngefärbter Thunfisch beim Händler, Mogel-Rouladen in der Kantine, gepanschte Säfte in den Regalen - die Spielarten der Schummler werden immer vielschichtiger. „Das Täuschen wird technisch immer gewiefter“, beklagte denn auch Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) bei der Vorstellung des Verbraucherschutzberichts am Freitag in Hannover. „Zum Aufspüren sind hochentwickelte Analyseverfahren erforderlich.“

Beispiel Thunfisch 

Früher behandelten die Panscher ihre Ware mit Kohlenmonoxid und erzeugten so eine kirschrote, sehr stabile Farbe. Den Kunden gaukelten sie so einen nicht vorhandenen Frischezustand vor. Nach einer massiven Verfolgung solcher Verstöße ist damit seit einigen Jahren Schluss. Inzwischen aber setzen die Betrüger laut Landesamt für Verbraucherschutz (Laves) zur „Farbstabilisierung“ nitrathaltige Pflanzenextrakte ein, obwohl deren Verwendung verboten ist. Andere Zusatzstoffe wie Natriumascorbat oder Zitronensäure sorgen dafür, dass die Nitrate sich in flüchtiges, nur noch schlecht nachweisbares Stickstoffmonoxid umwandeln.

Histamin-Gefahr

Den Käufern wird dieses Produkt meist als „Thunfischfilet, vorgesalzen, küchenfertig, aufgetaut“ oder als „Thunfisch-Loins“ untergejubelt. Die Gefahr: Thunfischfleisch kann bei Verderb teilweise hohe Gehalte an giftigem Histamin bilden. Das sei 2017 bei keiner der 28 untersuchten Proben der Fall gewesen, berichtete Laves-Präsident Eberhard Haunhorst. Allerdings seien 18 Prozent als irreführend beanstandet worden.

Billigware in Kantinen 

Eine mit 66,7 Prozent deutlich höhere Mogel-Quote deckten die Kontrolleure der Landkreise in 21 untersuchten Kantinen auf: Statt des angepriesenen Spitzenerzeugnisses gab es dort Billigware. Die Cordon Bleus bestanden nicht aus einem zusammenhängenden Schnitzel, sondern aus zusammengefügten Klebefleisch; ähnlich war es bei Rinderrouladen. Dank des technischen Fortschritts falle das nur noch sehr schwer auf, beklagte Haunhorst. Kantinen werde man künftig daher genauer unter die Lupe nehmen. Schmu gebe es auch bei Getränken: Säfte enthielten unzulässige Zusatzstoffe oder Mineralwasser nicht genug Mineralien.

1600 Mitarbeiter prüfen

Die rund 1600 Mitarbeiter der Behörden führten 62.223 Kontrollen in 40.382 Betrieben, gut einem Drittel aller Lebensmittel-Unternehmen vom Erzeuger über Markstände bis hin zu Supermärkten und Großküchen durch. Bei gut der Hälfte der Besuche stellen die Kontrolleure Verstöße fest, berichtete der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer.

Hygienemängel und falsche Kennzeichnung

55 Prozent der Beanstandungen betrafen Hygienemängel, 20 Prozent falsche Kennzeichnung oder Aufmachung. Meist kamen die Sünder mit einer Belehrung oder Verwarnung davon. 743 Mal hagelte es ein Bußgeld; 153 Mal wurde sogar ein Strafverfahren eingeleitet. Dabei handelte es sich laut Haunhorst überwiegend um vorsätzliche Verstöße oder eklatante Fälle mit Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung.

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