Marc Sieck hat eine Frau aus brennendem Wagen befreit

Lebensretter aus Göttingen: "Die Schreie werde ich nie vergessen"

+
Warnwesten und Warndreieck immer griffbereit: Marc Sieck und seine Verlobte Yvonne Blänkner aus Göttingen zögerten nicht und retteten eine junge Northeimerin aus dem brennenden Auto.

Göttingen. Eine Frau, gefangen in ihrem brennenden Wagen. Ihre Schreie durchdringen die Nacht. Der Göttinger Marc Sieck zögert keine Minute, das Leben der Fremden zu retten.

So geschehen Samstagabend auf der Autobahn 7. Der Wagen einer jungen Northeimerin wird von der Fahrbahn gedrängt. Ihr Auto überschlägt sich. Kommt von der Autobahn ab. Landet im Feld. Geht sofort in Flammen auf. Panische Schreie gellen aus dem Innenraum. Der Unfallverursacher flieht. Nur ein Auto hält sofort an. Die Insassen: Marc Sieck und seine Verlobte Yvonne Blänkner. Ohne zu zögern springt der 32-Jährige über die Leitplanke, rennt den Hang hinab ins Dunkel - immer in Richtung des brennenden Wagens und der Schreie.

„Es ist mir ein Rätsel wie ich dort heil angekommen bin“, schildert Sieck. „Es war so dunkel, ich konnte ihn von der Autobahn aus nicht mehr sehen“, ergänzt seine im sechsten Monat schwangere Verlobte.

Die 28-Jährige ruft indes den Notruf und bleibt bei der sechsjährigen Tochter, die auf der Rückbank lag und schlief. „Gleich mehrere Gründe, die viele andere Augenzeugen möglicherweise abgehalten hätten zu helfen“, sagt sie - aber nicht ihren Verlobten. „Kopf aus, Körper an.“

Über die eigene Lebensgefahr habe er in diesem Moment nicht nachgedacht: „Dafür war keine Zeit“, sagt er. „Man muss funktionieren. Helfen. Das ist doch selbstverständlich.“

Am Feld angekommen, sieht er das auf der Seite liegende Auto der jungen Frau. Aus dem Motorblock lodern die ersten Flammen. Alles zischt und brodelt - Metal knackt. Die Panik der Frau wächst. Der Gurt lässt sich nicht öffnen. Sie steht in ihrem Wagen - kann nicht heraus. Mit einem Taschenmesser zerschneidet Sieck den Gurt und zieht die 23-Jährige durch die zerborstene Frontscheibe. Er bringt sie in Sicherheit. Weit genug weg von dem immer stärker brennendem Wagen. „Fünf Minuten später wäre bereits zu spät gewesen“, erinnert sich Sieck. Als Rettungskräfte und Feuerwehren eintrafen, stand das komplette Fahrzeug in Flammen.

Schreie bleiben unvergessen 

Erst durch die vielen positiven Reaktionen in den sozialen Netzwerken und nach einem Telefonat mit der Mutter und den Großeltern der Verunglückten, die noch mit Prellungen und Schnittverletzungen in der Göttinger Uniklinik liegt, habe Sieck realisiert, dass er mit seinem Einsatz Zivilcourage bewiesen hat. „Ich habe erst am nächsten Tag realisiert, was da eigentlich passiert ist“, sagt der Kfz-Mechaniker. „Im Nachhinein kommt es mir vor wie eine Szene aus Cobra elf. Den Abend und vor allem die Schreie werde ich so schnell nicht vergessen.“

Hinweise zu dem flüchtigen roten Kleinwagen nimmt die Polizei Göttingen unter Telefon 0551/491-2115 oder 491-6515 entgegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.